Von Kunst und Politik

Leipzig 1994. Bildgalerie betrachten

"Leipzig 1994."
Courtesy Eigen+Art, Maix Mayer

Im Kunst-Raum des Deutschen Bundestages werden in der aktuellen Ausstellung „Von Kunst und Politik“ noch bis zum 12. Mai 2008 Photographien aus der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages gezeigt. Erstmals werden damit die vom Parlament angekauften Werke in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. So wird erfahrbar, wie die Kunstsammlung von der Begegnung von Kunst und Politik erzählt, von dem Gegeneinander und Miteinander beider Sphären, sei es in Abgrenzung oder Annäherung, in selbstbewusster Distanzierung oder engagierter Zuwendung. Solche Antagonismen lassen jenes Reizklima von „wohlwollender Gegnerschaft und bedingter Zustimmung“ entstehen, das sich für beide Seiten als fruchtbar erweist, ohne dass Kunst und Politik ihre spezifischen Eigengesetzlichkeiten aufgeben müssten. Dieser faszinierende Prozess wird dadurch entscheidend gefördert, dass Politiker, und zwar die Abgeordneten im Kunstbeirat des Deutschen Bundestages, über die Ankäufe beschließen. Dass der Kunstbeirat unter Vorsitz des Bundestagspräsidenten tagt, macht deutlich, welchen Stellenwert der Ausbau der Kunstsammlung im Parlament hat.

Die Kunstsammlung wird seit dem Jahre 1969 aufgebaut. Entstanden ist sie auf Initiative des Abgeordneten und Kunstprofessors Gustav Stein, der seinerzeit die ersten 500 Arbeiten zusammenstellte. Durch die Kunstsammlung ist auf diese Weise neben den Kunst-am-Bau-Installationen ein weiteres und besonders persönliches Forum der Begegnung von Politikern mit Kunst entstanden, da die angekauften Arbeiten allen Abgeordneten in einer Artothek als Leihgabe für ihre Arbeitsräume zur Verfügung stehen. Der einzelne Abgeordnete entscheidet selbst, welche Kunstwerke seine tägliche Arbeit begleiten sollen. Der Künstler, dessen Arbeiten für die Sammlung angekauft werden, weiß freilich nicht, in welchem Raum mit welchem Politiker sie schließlich in den Dialog treten werden, aber er weiß, dass seine Arbeiten von nun an teilhaben an dem lebendigen parlamentarischen Dialog von Kunst und Politik.

Die Photographie hat für die Politik als Medium breitenwirksamer Propagierung politischer Botschaften stets eine bedeutende Rolle gespielt. Für Künstler ist es daher eine besondere Herausforderung, die Mittel und die Wirkung dieses Mediums zu hinterfragen und ihre eigene Deutung politischer und sozialer Verhältnisse entgegenzusetzen. Photographien finden infolgedessen seit Jahren Eingang in die Sammlung des Bundestages und sind sogar Gegenstand der Ausschreibung eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbes nur für Photographen in 1995 gewesen.

Die gegenwärtige Ausstellung ermöglicht erstmals, unter diesem Gattungsbegriff eine Auswahl aus der Sammlung zu präsentieren und damit die Vielfalt der künstlerischen Sehweisen und Haltungen aufzuzeigen. Die ausgewählten Beispiele reichen von konzeptioneller, scheinbar dokumentarisch die Realität abbildender Photographie über Arbeiten, die die formalen Möglichkeiten ausreizen, bis zu Reflexionen über den Illusionscharakter des Mediums. Beispiele seiner Erweiterung in den Bereich der Malerei sind ebenfalls vertreten. Wieder andere Photographien deuten soziale und politische Entwicklungen gleichsam durch das „Einfrieren“ eines charakteristischen Augenblicks, demaskieren ideologische Vorgaben oder prangern verfehlte Leitbilder an. Manche Künstler hingegen verzichten auf eine unmittelbare Bezugnahme auf die großen politischen und sozialen Fragen und ziehen die Fokussierung auf den ästhetischen Reiz eines unbeachteten Mikrokosmos vor oder zeigen surreale Selbstinszenierungen. Verständlicherweise kann die Ausstellung nur eine subjektive Auswahl künstlerischer oder politischer Positionen zeigen. Sie beschränkt sich daher darauf, ein noch nicht abgeschlossenes Projekt vorzustellen: eine weiterhin im Aufbau befindliche Sammlung im Spannungsfeld von Kunst und Politik.

Weitere Informationen:
www.bundestag.de/ausstellung/kunst_ausst/index.html.
 

Fotoausstellungen 02 / 2008

55 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden