Cecil F. S. Newman - Berlin 1945/46

Cecil F. S. Newman: Leipziger Strasse, 1946
Unbekannte Straße, von Newman vermutlich falsch bezeichnet Bildgalerie betrachten

Cecil F. S. Newman: “Leipziger Strasse”, 1946
Unbekannte Straße, von Newman vermutlich falsch bezeichnet

Die Ausstellung „Berlin 1945/46“ im Märkischen Museum – zu sehen noch bis zum 25. Oktober – präsentiert bisher unbekannte Berlin-Bilder des nordirischen Fotografen, Stadt- und Landschaftsplaners Cecil F. S. Newman (1914-1984). Zu sehen sind etwa 150 Neuprints nach den Negativen des Leica-Fotografen. Die Auswahl folgt den 1945/46 von Newman selbst zusammengestellten drei Berliner Alben, die als Leihgaben aus Familienbesitz ebenfalls erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Ergänzt werden sie durch Vintage-Prints, persönliche Dokumente und Erinnerungsstücke.

Newmans fotografische Themen sind die Stadt und ihre Menschen. Seine ambitionierten Amateuraufnahmen zeigen die furchtbaren Folgen des von Deutschland ausgegangenen Krieges, von denen heute kaum noch Spuren erkennbar sind. Die Spannbreite reicht von dokumentarischen Aufnahmen über symbolisch überhöhte Bildfindungen bis hin zu lebendigen Schilderungen von Arbeits- und Alltagsszenen, die er in seinen Alben zu reportageartigen Bildgruppen zusammengefasst hatte. In vielen Aufnahmen ist der Blick des Ingenieurs zu erkennen, der vor allem in der verheerenden Trümmerwüste eine gigantische Herausforderung sieht. Insbesondere seine stilistisch eindringlichen Porträts künden auch von der Zuversicht jener Generation, die den Grundstein für den Wiederaufbau dieser Stadt legte.

Im Juli 1945 kam der dreißigjährige Newman, Captain der britischen Pioniertruppen Royal Engineers, mit den westlichen Besatzungstruppen in das zerstörte Berlin. Seine Heimatstadt Belfast war 1941 durch deutsche Luftangriffe verwüstet worden. Dennoch hatte er sich freiwillig gemeldet, dem ehemaligen Feind beim Wiederaufbau zu helfen. Ein Jahr lang arbeitete er als Vertreter der Militärregierung zusammen mit Magistrat und Bauämtern an den dringlichsten Aufgaben zur Wiederherstellung der städtischen Infrastruktur. Zudem wirkte Newman als Bausachverständiger in dem von Stadtbaurat Hans Scharoun zusammengerufenen Internationalen Komitee für Bau- und Wohnungswesen an dem ersten Plan für das Neue Berlin. Seiner Arbeit brachte er hohes persönliches Engagement, den Einwohnern Berlins Offenheit, Anteilnahme und Freundschaft entgegen.

Nach seiner Rückkehr nach Belfast wurde Newman 1947 in die Royal Photographic Society aufgenommen. Für sein stadt- und landschaftsplanerisches Werk in Nordirland erhielt er vielfache Ehrungen.

Mehr als 1.400 Aufnahmen hat Newman aus seiner Berliner Zeit hinterlassen. 2011 übergab die Tochter Pat Newman diesen Teil seines umfangreichen fotografischen Nachlasses an das Stadtmuseum Berlin. Anlässlich der Schenkung sagte sie: “I wanted to bring them home”. Mit dieser Ausstellung leistet das Stadtmuseum Berlin einen Beitrag zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren in Berlin.

Weitere Informationen: Märkisches Museum (www.stadtmuseum.de)

Fotoausstellungen 07 / 2015

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