Daido Moriyama. Retrospektive ab 1965

Daido Moriyama. Retrospektive ab 1965 Bildgalerie betrachten

Die rund 500 Photographien umfassende Retrospektive, die noch bis zum 9. Dezember 2007 in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln zu sehen ist, stellt von 1965 bis heute das ausgesprochen komplexe und kreative Werk von Daido Moriyama, einem der renommiertesten japanischen Photographen, vor. Sie zeigt dreizehn vorwiegend auf Vintage-Material beruhende Bildreihen und eine Filmpräsentation.

Obwohl Moriyama der Künstlergeneration nach 1945 in Japan angehört, die in der Nachkriegszeit radikal neue ästhetische Wege einzuschlagen verstand, so ist es bemerkenswert festzustellen, dass seine Arbeiten bis heute keineswegs an Aktualität und künstlerischer Tragweite verloren haben. In einer vom Künstler selbst entworfenen Zusammenstellung werden folgende Bildreihen gezeigt, von denen jede ihren eigenen Klang und eine eigene Geschwindigkeit hat: „Pantomime“ (1965), „Actor Shimzu Isamu“ (1967), „Japan. A Theater Photo Album” (1968), „Marine Accident” (1969), „Smash-Up” (1969), „Provoke” No. 2 und No. 3 (1969), „New York” (1971), „Hunter” (1971), „Farewell Photography” (1972), „Light and Shadow”, (1981/82), „Daido Hysteric” (1993) und „Shinjuku” (2000 bis 2004).

Daido Moriyama wurde 1938 in Ikeda in der japanischen Präfektur Osaka geboren. Nachdem er eine Ausbildung als Graphik-Designer durchlaufen und bei dem Photographen Takeji Iwamiya Interesse am Medium Photographie gefunden hatte, siedelte er 1961 nach Tokio über. Er plante, sich dort bei der Agentur Vivo, zu deren hauptsächlichen Initiatoren die Photographen Shomei Tomatsu und Eikoh Hosoe zählten, zu bewerben. Doch da sich Vivo damals gerade auflöste, suchte Moriyama nach einer anderen Lösung. Er erhielt die Gelegenheit, bei Eikoh Hosoe zu arbeiten und war dort vor allem auch für die Veröffentlichung der Photographien verantwortlich. Wie er selbst in einem seiner Texte bestätigte, verdankte er Hosoe sein ganzes Handwerkszeug für seine spätere Arbeit. Nach drei Jahren, 1964, beendete er seine Tätigkeit bei seinem großen Vorbild und trat in die berufliche Selbständigkeit.

Fortan entstanden unzählige Aufnahmen in den japanischen Großstädten, die er zu Fuß oder, à la Jack Kerouacs Roman „On the Road“, per Auto mit seiner Kleinbildkamera durchstreift. In raschem Wechsel geben die Photographien Zeugnis des virulenten und unübersichtlichen Straßenlebens, zeigen die Vermischung und die Gegensätzlichkeit von asiatischer Tradition und westlicher Moderne sowie eine neue Medienwelt und Freizügigkeit, die in den Alltag eindringen. Der Streetphotographer Moriyama nimmt ohne Wertung alles auf, was ihm begegnet: Er blickt vereinzelt in Gesichter, sieht Geishas und Straßenmädchen, begleitet Paraden, bemerkt Architekturen und Fassaden in scheinbar ungeordnetem Nebeneinander, blickt in private Nischen oder schaut auf Filmplakate, Schriften und Werbezeichen mit ihren Verheißungen. Findet sich hier einerseits die Turbulenz der Zivilisation wieder, so gewinnt Moriyama ihr andererseits in Stillleben und minutiösen Details sowie Licht- und Schattenaufzeichnungen immer wieder auch ruhige, fast meditative Momente ab. So nutzt er das Medium der Photographie als reine lichtbildnerische Ausdrucksform oder im Fall der Wiedergabe von Zeitungs- und Sensationsphotos als Mittel der Reproduktion - Kopien der Wirklichkeit, die für ihn denselben Authentizitätsgrad haben, wie alle anderen wahrgenommenen Eindrücke auch.

Weitere Informationen zur Ausstellung: www.photographie-sk-kultur.de/
 

Fotoausstellungen 09 / 2007

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