Brassaï (1899-1984) - Die große Retrospektive

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"Liebespaar in einem kleinen Café, Quartier Italie, um 1932"
© ESTATE BRASSAÏ – RMN / CNACMNAM

Die Ausstellung „Brassaï (1899-1984) - Die große Retrospektive“, die im Martin-Gropius-Bau in Berlin noch bis zum 28. Mai 2007 zu sehen ist, zeigt Photographien von Brassaï aus der Zeit von 1932 bis 1960. Estate Brassaï wurde als Gyula Halasz 1899 im damals ungarischen Brassó (heute Rumänien) geboren. Er zog im Dezember 1920 zunächst nach Berlin, wo er an der Kunstakademie in Charlottenburg studierte und mit Künstlern, wie Wassily Kandinsky, Oskar Kokoschka und László Moholy-Nagy, zusammentraf. 1924 ließ er sich in Paris nieder, begann seine Laufbahn jedoch nicht als Photograph, sondern arbeitete als Journalist vor allem für deutschsprachige Zeitschriften. Durch seine journalistische Tätigkeit fand er zur Photographie. In Paris nahm er 1932 den Künstlernamen „Brassaï“ an, den er aus dem Namen seiner Heimatstadt herleitete. Im gleichen Jahr veröffentlichte Brassaï „Paris de nuit“ („Paris bei Nacht“), ein Buch, das ihn weltberühmt machte. Mit seiner Voigtländer-Kamera beherrschte er als einer der ersten seiner Zeit die Nachtphotographie. Das Museum of Modern Art in New York nahm seine Arbeiten in die Jahrhundertausstellung „Photography: 1839-1937“ auf.

Brassaï machte seine ersten Photos genau zu einer Zeit, als der Surrealismus in Frankreich großen Einfluss hatte. Die Surrealisten versuchten das Unwirkliche und Traumhafte der gesellschaftlichen Realität sowie die Tiefen des Unbewussten auszuloten und schrieben der Photographie eine besondere Rolle bei der Wahrnehmung zu. Brassaï wanderte in dieser Zeit nächtelang durch die Stadt, entweder allein oder in Begleitung von Schriftstellern, wie Henry Miller oder Raymond Queneau. Er zog die Nacht dem Tag vor, weil sie seiner Meinung nach Kräfte freisetzte, die tagsüber vom Verstand beherrscht werden. Seine Sympathie für die Surrealisten weckte andererseits auch sein Interesse am „Primitiven“ und führte zur Photoserie der „unfreiwilligen Skulpturen“ (sculptures involontaires). Fundstücke wie Fahrkarten, Seife, Streichholzheftchen oder Fingerhüte wurden für ihn zum Thema und nahmen in den Aufnahmen skulpturale Eigenschaften an. Bei den Transmutationen verwendete Brassaï belichtete Glasnegative als Rohmaterial für Zeichnungen, indem er Bilder in die Photoplatten einritzte und sie ein zweites Mal belichtete.

Der Photograph Estate Brassaï gab vor allem Bildern von weiblichen Akten graphische Formen, indem er sie in Gitarren-, Geigen- oder Mandolinenfrauen verwandelte, was auf den Einfluss von Picasso hinweist. Die Motive für die Serie „Graffiti“ fand Brassaï auf den verfallenen Häuserwänden der Stadt mit ihren zerkratzten und bekritzelten Oberflächen. Er sah einen Zusammenhang zwischen diesen zufälligen, anarchischen graphischen Äußerungen und Höhlenzeichnungen. In dieser Hinsicht weist seine Arbeit einen deutlichen Bezug zu künstlerischen Positionen wie der Art Brut von Jean Dubuffet und Jean Fautrier auf. Brassaï arbeitete zeitlebens weiter in anderen künstlerischen Disziplinen. Er schuf Skulpturen, Zeichnungen und Graphiken, er schrieb literarische Werke und machte Filme. Sein künstlerisches Credo war, „etwas Neues und Packendes aus dem Banalen und Gewöhnlichen zu schaffen“, um den Alltag so abzubilden, als sähe man ihn zum ersten Mal. Weitere Informationen: http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/
 

Fotoausstellungen 03 / 2007

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