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gute aussichten - junge deutsche fotografie 2009/2010

Die acht Besten haben gute Aussichten, mit junger Fotografiekunst auch im Rhein-Main- Gebiet ihr Publikum zu finden. Das ART FOYER der DZ BANK öffnet bis 11. September 2010 seine Ausstellungsräume für die Präsentation der Gewinnerarbeiten 2009/2010 des Wettbewerbs unter den Absolventen von Studiengängen der Fachrichtung Fotografie.

Zum zweiten Mal ist die DZ BANK Gastgeberin der Ausstellung „gute aussichten – junge deutsche fotografie“. Luminita Sabau, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung, hat Grund zur Freude: „Bereits im vergangenen Jahr war das Interesse an den Nachwuchstalenten groß. Viele sind gespannt darauf, was die Studienabgänger in den letzten zwölf Monaten an aktueller Fotografie haben entstehen lassen. Wir schätzen uns glücklich, diese bedeutende Zusammenschau auf ihrer internationalen Tournee von Hamburg nach Washington in Frankfurt am Main zeigen zu können. Zugleich setzen wir die erfolgreiche Zusammenarbeit mit externen Partnern fort.“

Im ART FOYER der DZ BANK veranstaltet die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank in Frankfurt am Main regelmäßig Ausstellungen. Die Bank verfügt über eine weltweit anerkannte Sammlung zeitgenössischer Fotografie und visueller Medien mit mehr als 6000 Werken von über 600 Künstlern.

„gute aussichten – junge deutsche fotografie“ wurde 2004 als private Initiative von Josefine Raab und Stefan Becht gegründet. Den Kern bildet der jährliche Wettbewerb für Abschlussarbeiten aller deutschen Hochschulen, Fachhochschulen und Akademien, die den Studiengang Fotografie anbieten. Jede Institution kann maximal fünf Teilnehmer ins Rennen schicken. 91 Bewerbungen hatten die Professorinnen und Professoren aus 33 deutschen Hochschulen eingereicht. Sieben Juroren kürten im sechsten Jahr des Bestehens von „gute aussichten“ acht Sieger:

Georg Brückmann, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig; Philipp Dorl, Fachhochschule Bielefeld; Sonja Kälberer, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig; Ute Klein, Folkwang Hochschule Essen; Ingo Mittelstaedt, Hochschule für Bildende Kunst Braunschweig; Mona Mönnig, Folkwang Hochschule Essen; Shigeru Takato, Kunsthochschule für Medien Köln und Anna Simone Wallinger, Lette-Verein Berlin.

In der Jury saßen neben der Initiatorin von „gute aussichten“, Josefine Raab, Wiesbaden, die Kunsthistorikerin und Kulturjournalistin Wibke von Bonin, Köln, die Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung Luminita Sabau, Frankfurt am Main, die Foto- und Videokünstlerin Annelies Strba, Zürich, Mario Lombardo, Art Director und Visual Leader von Bureau Lombardo, Berlin; Stefan Ostermeier, Hamburg, Leiter der Bildredaktion der Zeitschrift „brand eins“, Ingo Taubhorn, Kurator des Hauses der Photographie, Deichtorhallen, Hamburg.

„Summa summarum“, erläutert die Initiatorin Josefine Raab, „umfasst ‚gute aussichten – junge deutsche fotografie 2009/2010’ 159 einzelne Motive, 104 Bilder, zwei Diaprojektionen, zwei DVDs, zwei Bücher, einen Container sowie verschiedene Displays. Wie immer gibt es kein Siegertreppchen, kein Preisgeld, keine Rangliste, sondern einfach nur Gewinner/innen.“ Und sie bringt den Trend dieser Jahrgangsauswahl auf den Punkt: „Die bildhafte Illusion steht ganz im Vordergrund.“

Die acht Gewinner/innen und ihre Arbeiten:

Georg Brückmann, Leipzig, Jahrgang 1977, bedient sich in seiner Serie in situ (2009) gleich mehrfach malerischer Praktiken der illusionistischen Täuschung und umkreist in seinen Studienblättern und selbstgebauten Objekten „die imaginierte Ergänzung“ des Sichtbaren. Dabei werden Perspektive und Kontext als konstituierende Elemente menschlicher Wahrnehmung an bekannten Ikonen des Designs und der Malerei durchdekliniert.

Philipp Dorl, Berlin, Jahrgang 1978, führt mit Fotografie und bewegtem Bild hinters Licht. Seine Installation …nach Maß, Zahl und Gewicht (2008/2009) schwingt zwischen Malerei und Fotografie, zwischen Wahrnehmung und optischer Täuschung. „Der Raum entsteht“, so Dorl, „durch ein kalkuliertes Zusammenfügen von Spiegelbild, schräger Aufsicht, nivellierten Fluchten und Verkehrung des Betrachterstandpunktes lediglich – aber zwingend – im Bewusstsein des zentralperspektivisch konditionierten Betrachters.“

Sonja Kälberer, Dettingen/Teck und Leipzig, Jahrgang 1970, arrangiert in ihrer Arbeit bel composto (2006/2009) komplette Interieurs, die einer Reise ins Unbewusste entsprungen zu sein scheinen. Damit greift die Künstlerin, auf eine eigene Art und Weise, die häufiger angewandte Methode auf, Modelle zu bauen, diese zu fotografieren und anschließend zu zerstören. Ein sonst bewohntes Zimmer wandelt sich unter ihren Händen zu einer magisch-dunklen Kammer, zu einem konstruierten Gegenbild des täglich darin stattfindenden Lebens und führt den Betrachter in verborgene Seelenlandschaften und Abgründigkeiten seiner Existenz.

Ute Klein, München, Jahrgang 1981, erkundet in ihrem Beitrag Resonanzgeflechte – Leibhafter Raum (2009) die skulpturale wie gestische Ausdruckskraft von Körpern im Zusammenspiel mit dem sie umgebenden Bildraum. Kleidung und Ausstattung wurden zuvor von der Fotografin in Szene gesetzt. Somit agieren ihre Protagonisten auf einer eigens geschaffenen Bühne nach einer Handlungsanweisung, deren Umsetzung jeweils einem Paar überlassen bleibt. Die Verschlingungen der Körper – sowohl ineinander als auch verschränkt mit dem Raum – gewähren Einblicke in tief liegende Beziehungsgeflechte und subjektive Wesenszüge der Darsteller.

Ingo Mittelstaedt, Berlin, Jahrgang 1978, behandelt mit Capsules (2007/2009) im weitesten Sinne das Genre des Stilllebens. Seine lose Aneinanderreihung teils inszenierter, teils vorgefundener Bilder erhebt nicht den Anspruch einer verborgenen Botschaft, sondern ist vorrangig Zeichen einer individuellen Aneignung des Fotografen. Ein visuelles Skizzenbuch, das Eindrücke einer Reise ebenso enthält und verarbeitet wie im Atelier entstandene Objekte.

Mona Mönnig, Essen, Jahrgang 1980, versammelt in dem Werk man – made wonders (2009) ein Kuriositätenkabinett. Fotografien von acht Rassetieren – Miniaturpferden oder nackten Katzen – kombiniert sie, sorgfältig arrangiert, mit unterschiedlichen Körperteilen von Tieren. Diese Tiere, die im klassischen Sinne keine mehr sind, werden in speziellen Foren und Veranstaltungen auf genau festgelegte Weise zur Schau gestellt, was die Fotografin mit ihrer Darstellungsform subtil unterläuft.

Shigeru Takato, Köln, geboren 1972 in Ohita, Japan, nähert sich mit der Serie our elusive cosmos (2008) Landschaften auf der Erde, die mit der Erforschung des Weltraumes in Verbindung stehen. Es sind Orte, die Bezüge in wissenschaftlicher, mythologischer, faktischer oder religiöser Art aufweisen, z. B. die Gegend eines Meteoriteneinschlags vor 14,5 Millionen Jahren im Nördlinger Ries, oder eine Stelle bei Rupite in Bulgarien, an der eine Hellseherin mit Außerirdischen Kontakt suchte. Schweigende Zeugen erinnern die fotografierten Umgebungen an Ereignisse und Mysterien.

Anna Simone Wallinger, Berlin, Jahrgang 1980, fotografierte für ihre Arbeit Container (2009) Asylsuchende in einer Containerunterkunft in Berlin. Die abgebildeten Menschen erlaubten der Künstlerin, über einen ganzen Tag hinweg ihren Wohnraum und ihre Geschichte zu teilen. Die Bewohner inszenierten sich hierbei selbst: in der Auseinandersetzung oder Nicht- Auseinandersetzung mit dem zugewiesenen Umfeld und ihrer Lebenssituation.

Fotoausstellungen 08 / 2010

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bel composto, 2006/2009

"bel composto, 2006/2009"
Sonja Kälberer

Resonanzgeflechte, 2009

"Resonanzgeflechte, 2009"
Ute Klein

Capsules, 2009

"Capsules, 2009"
Ingo Mittelstaedt

Man-made Wonders, 2009

"Man-made Wonders, 2009"
Mona Mönnig