What does the jellyfish want?

Man Ray, Lippen an Lippen, um 1930, Bildgalerie betrachten

"Man Ray, Lippen an Lippen, um 1930,"

„What does the jellyfish want?“ - diese Frage wirft der Künstler Christopher Williams während eines Interviews auf, in dem er erläutert, warum ihn das Meerestier so fasziniert: Ohne Form, ohne Skelett, ohne Geschlecht ist die Qualle ein Wesen ohne Eigenschaften. In diesem Sinne steht das Meerestier als Metapher für die Photographie in der zeitgenössischen Kunst und dient als Motto zur Ausstellung: Was ist die Photographie? Abdruck der Wirklichkeit oder Datenmaterial, das beliebig bearbeitet werden kann? Dokumentation oder inszeniertes Bild? Found Footage oder aufwändig hergestellter Abzug? Mit drei historischen Bezügen auf die Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigt die Ausstellung „What does the jellyfish want?“, die noch bis zum 15. Juli 2007 im Museum Ludwig in Köln zu sehen ist, aktuelle Tendenzen der Photographie und ihre Traditionen auf.

Die Ausstellung gliedert sich in einen historischen Rückblick, der die surrealistische Photographie um Man Ray, die Photographien, Photogramme und Collagen der Konstruktivisten mit László Moholy-Nagy und A.M. Rodtschenko sowie August Sanders „Menschen des 20. Jahrhunderts“ vorstellt. Die frühen Positionen werden mit aktuellen Arbeiten in Bezug gesetzt, die sich chronologisch um die wichtigsten Schritte der Photographie in der zeitgenössischen Kunst gruppieren. Dazu gehört zum einen die Wiederentdeckung der Photographie in der Aktions- und Konzeptkunst der 1970er Jahre. Sie dient nicht einfach der Dokumentation des Aktionsverlaufs. Vielmehr planen die Künstler die Kamera in ihren Aktionen als ein Element mit ein und führen ihre Aktionen häufig nur für die Kamera auf. Im Rahmen der Konzeptkunst wird die Photographie zur einfachen Aufzeichnung dessen genutzt, was im Konzept formuliert ist. Es entstanden Zufallsaufnahmen und einfach gemachte kleine Bücher, die damals als bewusst amateurhaft rezipiert wurden.

Ende der 1970er Jahre ist eine Entwicklung vom photographischen Abbild der Wirklichkeit zur Reflexion und Neuerfindung vorhandener photographischer Bilder festzustellen. Cindy Sherman inszeniert beispielsweise Filmstills von nicht existierenden Filmen, so dass die Photographien wie Kopien ohne Original erscheinen.

In den letzten zehn Jahren wurde das Dokumentarische als spezifisch künstlerische Haltung wieder entdeckt. Dabei wird der grundlegende Anspruch, die Realität in den Photographien sichtbar zu machen, sie zu erforschen und zu analysieren, auch von den Künstlern erhoben, die wie Andreas Gursky das photographische Material am Computer bearbeiten.

Als erstes Kunstmuseum erwarb das Museum Ludwig bereits Mitte der 1970er Jahre die Sammlung Gruber sowie eine Reihe von wichtigen Photographien der Gegenwart, wie beispielsweise Bruce Nauman, Dennis Oppenheim, Douglas Huebler, Bernd und Hilla Becher und viele andere. Seitdem ist die Sammlung stetig erweitert worden, um die gesamte Entwicklung der künstlerischen Photographie sichtbar werden zu lassen und sie bis in die Gegenwart zu verlängern. Die Schätze der Sammlung werden gemeinsam mit den Neuerwerbungen vorgestellt. Weitere Informationen: www.museum-ludwig.de
 

Fotoausstellungen 04 / 2007

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