Bildleiste

Ernst Leitz I. - vom Mechanicus zum Unternehmer mit Weltruf

Es waren herausragende Unternehmerpersönlichkeiten, die den Aufstieg Deutschlands zur Industrienation und zum Export-Weltmeister ermöglichten. Zu ihnen zählt Ernst Leitz I. aus Wetzlar, ein Pionier der feinmechanischen und optischen Industrie. Wegweisende Innovationen, moderne Fertigungsmethoden und ein weltweites Vertriebsnetz machten die Leitz-Werke bereits im 19. Jahrhundert zum führenden Hersteller von Mikroskopen.

Anlässlich des 90. Todestages von Ernst Leitz I. erinnert sein Urenkel Knut Kühn-Leitz jetzt mit der Herausgabe eines Buchs an diesen visionären Unternehmer. Darin wird dessen Leben und Wirken von mehreren Autoren beschrieben.

Geboren am 26. April 1843 in Sulzburg (Südbaden) wurde Ernst Leitz in der Werkstatt des berühmten Christian Ludwig Oechsle in Pforzheim zum „Mechanicus“ ausgebildet. Seine Wanderjahre brachten ihn danach in die moderne Telegrafenfabrik von Matthias Hipp, dem „Edison der Schweiz“, nach Neuchâtel. 1864 kam Ernst Leitz nach Wetzlar, um als Geselle in das von Carl Kellner 1849 gegründete Optische Institut einzutreten, das er 1870 als Alleininhaber übernahm.

Mehrere Beiträge des neuen Buchs verdeutlichen, wie es Ernst Leitz gelang, aus der kleinen Werkstatt mit 10 Mitarbeitern ein Unternehmen von Weltruf aufzubauen, das am Ende seines Lebens, am 10. Juli 1920, 1.500 Betriebsangehörige zählte. Wegweisende Innovationen machten Leitz bald zum Marktführer in der Mikroskopie: 1907 verließ das 100.000ste und 1912 das 150.000ste Mikroskop das Werk in Wetzlar.

Der fotografisch interessierte Leser wird überrascht sein, in einem Beitrag des bekannten Fotobuchautors Günter Osterloh zu erfahren, dass sich die Leitz-Werke bereits ab Ende des 19. Jahrhunderts auch mit der Berechnung und Fertigung von Fotoobjektiven für großformatige Plattenkameras befassten. Schon um die Jahrhundertwende wurde der Bereich „Photo-Optik“ gegründet. Angeboten wurden Objektive für wissenschaftliche Geräte, aber auch für Foto- und Kinokameras sowie für Projektoren. In einem 18-seitigen Katalog „Photographische Objektive und Apparate“ von 1905 sind insgesamt 51 Fotoobjektive aufgeführt, die sich durch optischen Aufbau, spezielle Fassungen und verschiedene Brennweiten unterschieden. Und auch Kameras für die damals üblichen Aufnahmeformate 9 × 12 cm, 13 × 18 cm und 9 × 18 cm (für Stereoaufnahmen) gehörten mit den Kamera-Modellen „Klapp“ und „Moment“ bald zum Lieferprogramm.

Sein Sohn Ernst Leitz II. (1871 – 1956) konnte nach dem Tod des Vaters die Leitz-Werke auf einem soliden Fundament der Feinmechanik und Optik weiter ausbauen. Weitblickend war dessen 1924 getroffene Entscheidung, die von Oskar Barnack konstruierte, völlig neuartige Kleinbildkamera Leica, die die Fotografie nachhaltig revolutionieren sollte, in Serie fertigen zu lassen.

Mit der jetzt erschienenen Biografie über Ernst Leitz I. wird ein Unternehmer gewürdigt, der deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben hat.

Herausgeber: Knut Kühn-Leitz (DGPh), 272 Seiten mit 153 Abbildungen in Duoton, Lindemanns Verlag, Stuttgart, ISBN 978-3-89506-287-2, € 19,80.

Fotobücher 10 / 2010

Bewerten 80

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren






* Diese Felder müssen ausgefüllt werden

Ernst Leitz I. - vom Mechanicus zum Unternehmer mit Weltruf