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Ernst Leitz II - Wegbereiter der Leica

Ein vorbildlicher Unternehmer und mutiger Demokrat
Dr. Ernst Leitz II (1871 - 1956), dessen Todestag sich am 15. Juni 2006 zum 50. Mal jährte, war nicht nur ein vorbildlicher Unternehmer und mutiger Demokrat, er war ein vorausschauender Mensch, dessen Handeln zudem von einem hohen Maß an Fürsorge für seine Mitarbeiter geprägt war.

Die wichtige und bahnbrechende unternehmerische Entscheidung „Barnacks Kamera wird gebaut“, die Ernst Leitz 1924 fällte, hat die Fotografie entscheidend beeinflusst. Denn es war nicht nur die kleine, handliche Leica-Kamera, die danach ihren Siegeszug um die Welt antrat, sondern die Entwicklung eines ganzen Systems an auswechselbaren Objektiven und weiterem Zubehör für die Aufnahme sowie zusätzlich für die Wiedergabe, wie die Vergrößerung der Kleinbild-Negative oder deren Projektion, die die Fotografie revolutionierte. Der Erfolg der Leica und damit des Kleinbildfilms hat sowohl die fototechnische als auch die fotochemische Industrie über ein Dreivierteljahrhundert geprägt. Milliarden von Kleinbildkameras, von Filmpackungen und Papierbildern wurden verkauft. Hinzu kamen Diaprojektoren und Vergrößerungsgeräte in großer Zahl. Ein ganzer Wirtschaftszweig mit vielen Tausend Mitarbeitern auf der ganzen Welt lebte viele Jahrzehnte bis zum Beginn des Zeitalters der Digitalkameras zu einem großen Teil vom genialen Erfindergeist Oskar Barnacks und Max Bereks, und damit letztlich dem unternehmerischen Wagemut von Ernst Leitz II.

Dessen Enkel Dr. Knut Kühn-Leitz gab aus dem Anlass der 50. Wiederkehr des Todestags seines Großvaters ein Buch heraus, das im Heel-Verlag, Königwinter, erschien. Es umfasst etwa 200 Seiten, ist reich bebildert und beschreibt zunächst die Entwicklung des Unternehmens Ernst Leitz GmbH in Wetzlar sowie seine Fertigungsprogramme unter Ernst Leitz II von 1906 bis zu seinem Tod. Günter Osterloh schildert den Weg von der Ur-Leica bis zum Leica-System, die Söhne Ernst Leitz III. und Ludwig Leitz erinnern an Oskar Barnack und die Entwicklung der Leica, Rolf Beck, Herbert Appel und Alfred Hengst beschreiben Ernst Leitz II auch als Wegbereiter der modernen Mikroskopie, der optischen Feinmessgeräte und der Leitz-Ferngläser.

Der zweite Teil des neuen Buchs widmet sich dem Menschen und Mäzen Ernst Leitz II und dessen Persönlichkeit. Richard Martin geht auf das soziale Engagement des Firmenchefs ein, Wolfgang Wiedl auf dessen politische Tätigkeit als liberaler Demokrat. Nachdem bereits dessen Vater eine „Krankenversorgungskasse für die Lohnempfänger und Angestellten“ und eine erste soziale Einrichtung zur Zahlung von betrieblichen Renten zur Absicherung der Mitarbeiter eingerichtet hatte, kamen in Laufe der Jahre auf Betreiben von Ernst Leitz II. eine betriebliche Unterstützungskasse und eine Ruhegehaltskasse für Angestellte sowie eine Pensionskasse für Arbeiter und schließlich die Leitz-Betriebskrankenkasse hinzu. Auch der soziale Wohnungsbau zählte zu den für die Mitarbeiter vom Firmenchef persönlich geförderten Programmen: Bis zum Beginn des 2. Weltkriegs waren bereits 130 Familien von Mitarbeitern in Werkswohnungen untergebracht, in den Jahren nach der Währungsreform kamen 83 Werkswohnungen und 44 Siedlungshäuser, die ausschließlich von Werksangehörigen bezogen wurden, hinzu.

Ernst Leitz II. gehörte zu den Mitbegründern der Deutschen Demokratischen Partei. Er stellte sich früh gegen jede Art von Antisemitismus, kandidierte für die Staatspartei für den Reichstag und gehörte mehrere Wahlperioden dem Wetzlarer Stadtparlament an. Mit Theodor Heuss, dem ersten deutschen Bundespräsidenten und einem der großen Demokraten des vergangenen Jahrhunderts, war er seit 1932 freundschaftlich verbunden.

In dem Kapitel „Mut zur Menschlichkeit“ widmet sich der amerikanische Rabbiner Frank Dabba Smith einem Thema, mit dem die Familie Leitz bisher stets diskret umgegangen ist: Anhand von Schicksalen belegt er beispielhaft die von Mut und Courage getragenen Bemühungen, jüdischen Mitbürgern während der Nazizeit bei deren Flucht und Emigration behilflich zu sein. Diese einzigartige Geschichte seiner Menschlichkeit wird erst jetzt aufgearbeitet.

Den Abschluss des neuen Buchs bilden die Reden und Veröffentlichungen, die zur Hundertjahrfeier des Unternehmens sowie zum 70., 80., 82. und aus Anlass des Todes von Ernst Leitz II. gehalten und publiziert wurden. Persönliche Erzählungen von Weggefährten runden das Buch ab. Herausgeber: Knut Kühn-Leitz, 200 Seiten, Heel-Verlag, Königswinter, ISBN 3-89880-551-4, € 35,--.
 

Fotobücher 12 / 2009

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