Josef Heinrich Darchinger (DGPh) - Wirtschaftswunder - Deutschland nach dem Krieg

Josef Heinrich Darchinger (DGPh) - Wirtschaftswunder - Deutschland nach dem Krieg
Gerade einmal acht Jahre nach der Kapitulation von Nazi-Deutschland begann der 1925 geborene Fotograf Josef Heinrich Darchinger, von vielen einfach „Jupp“ genannt, seine Reise durch den Westen des geteilten Landes. Die deutschen Großstädte waren nach dem unseligen Krieg in Schuttwüsten verwandelt. Der Fotograf hat vieles dokumentiert – in Farbe und in Schwarzweiß. Seine Bilder zeigen ein Deutschland im wahren Fieber des Wiederaufbaus. So rasant war der Aufschwung, dass alle Welt vom „Wirtschaftswunder“ sprach. Die Menschen allerdings, die jenes Wunder vollbrachten, waren eher nüchtern, pflichtbewusst und bescheiden, dabei ungeheuer fleißig. Darchinger, der ab 1952 als selbständiger Fotojournalist arbeitete und dessen Bilder ab Mitte der 1960er Jahre regelmäßig in namhaften deutschen Printmedien erschienen, porträtierte die Gewinner und Verlierer des Wirtschaftswunders: Menschen aller sozialen Schichten – privat, im Beruf, in der kärglich bemessenen Freizeit und beim Konsum. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb denn auch, Josef Heinrich Darchingers Bilder seien „seltene Zeitdokumente, die zeigen, wie schnell in den grauen Alltag wieder Farbe zurückkehrte“. „Jupp“ Darchinger, der durch zahlreiche Ausstellungen und etliche Bildbände, etwa über Helmut Schmidt, Willy Brandt, Richard von Weizsäcker und Heinrich Böll, auf sich aufmerksam machte, erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter 1987 den Dr.-Erich-Salomon-Preis der DGPh. In seinem einführenden Text zu dem beim Taschen-Verlag, Köln, erschienenen neuen Buch schreibt Klaus Honnef, Honorarprofessor für Phototheorie an der Kunsthochschule Kassel, Mitorganisator der Documenta 5 sowie der Documenta 6 und 2011 mit dem Kulturpreis der DGPh ausgezeichnet: „Der Blick, den der Fotograf Josef Heinrich Darchinger in den fünfziger und sechziger Jahren auf die Dinge warf, ist der eines genau und sorgfältig beobachtenden Zeitgenossen: sachlich und schnörkellos, auf das Entscheidende fixiert, formalen Spielereien abgeneigt. Die wahrgenommene Szene optisch wirksam zu vermitteln, war das Ziel.“ (vZ)

Köln, Taschen Verlag, Herausgeber: Frank Darchinger, Text: Klaus Honnef, Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Format 24×30 cm, 208 reich bebilderte Seiten, ISBN 978-3-8365-4016-2, € 9,99.

Fotobücher 01 / 2013

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