9. Wiesbadener Fototage 2015 „HeimatX“ vom 27. Juni bis 12. Juli 2015

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Die Wiesbadener Fototage finden alle zwei Jahre statt. In diesem Jahr orientieren sie sich am Themenschwerpunkt „HeimatX“. „Heimat“ ist kein selbstverständlicher Begriff mehr. Manche hören darin schon den Anfang der Fremdenfeindlichkeit, andere sehen ihre Heimat in Gefahr, wieder andere sind auf der Suche nach ihr. Sie ist variabel geworden: An die Stelle eines vor allem regionalen, familiären und kulturellen Kontexts, den man früher „einfach so“ durchlebte, trat in den letzten Jahrzehnten die Zugehörigkeit zu Gruppen und die damit zusammenhängende eigene Vorstellungswelt darüber, wer man ist und wo man hingehört. Das Koordinatenfeld gegebener Gebundenheit wurde allmählich abgelöst durch persönliche und gesellschaftliche Diffusionsprozesse.

Der Begriff Heimat wird eher subjektiv über die jeweiligen Lebenshintergründe und Lebensentwürfe definiert. X steht dabei für alles, was über den traditionellen, kollektiven Begriff von Familie und Geburtsort hinausgeht. Die Bandbreite ist groß und reicht von der ortloser Heimat im Internet bis hin zu den geheimen Sehnsüchten in einem selbst. Die künstlerischen Arbeiten setzen an diesem Punkt an, sie visualisieren und verhandeln das X. Und das ist schon deswegen ein sehr spannender Vorgang, weil die Suche nach individueller Heimat ein gesamtgesellschaftlicher Vorgang ist, der nicht zuletzt mit politischen Entwicklungen zu tun hat – allen voran die Europäische Integration. Immer stärker macht sich das Bedürfnis der Menschen bemerkbar, sich zu „verorten“.

Dadurch äußert sich auch der Wunsch, Überschaubarkeit in Lebenszusammenhängen herzustellen, die heute in ihrer Verflechtung nicht mehr zu überschauen sind. Aus diesem Wunsch und Bedürfnis heraus sind unzählige individuelle Lösungen denkbar. Die eingereichten Arbeiten setzen sich mit diesen Variablen auseinander und nähern sich von ganz verschiedenen Seiten den individuellen Vorstellungen von Heimat an.

Das kann beispielsweise eine zeitliche Komponente sein: Ein Stück Ort, das einmal Heimat war, wird nun nicht mehr bewohnt. Heimat als Blick zurück in das vertraute Umfeld der Kindheit, Heimat als ein vertrautes Beieinander, Heimatwechsel als Zwischenraum zwischen Herkunftsort und aktuellem Wohnort. Orte der Kindheit oder wichtiger Erlebnisse, Orte des Gedenkens und des Erinnerns.

Für die Endjurierung konnte Andreas Trampe, Bildchef beim Stern, gewonnen werden, eine Besonderheit gegenüber den Vorjahren. Aus über 250 Einsendungen wurden 41 Fotografen aus Deutschland und verschiedenen europäischen Ländern ausgewählt, die ihre Werke an 5 Ausstellungsorten in Wiesbaden zeigen. Eröffnet werden die Fototage dieses Jahr in der neuen Ausstellungshalle des Kunsthauses. Begleitend zu den Ausstellungen finden Fotografengespräche statt, bei denen der Kontakt zwischen Publikum, Fotografen und Festivalmachern in kleineren Runden intensiviert werden soll. Die Reihe „Fotografie im Film“ wird in der Filmbühne Caligari fortgesetzt.

Bereits zum fünften Mal wurde bei den Wiesbadener Fototagen ein Förderpreis von insgesamt 3.000,– Euro ausgelobt, gestiftet von der SV SparkassenVersicherung.

Die 9. Wiesbadener Fototage finden vom 27.6. bis 12.7.2015 statt. Öffnungszeiten jeweils am Wochenende: Fr. Sa. und So. von 13 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Ausstellungsorte:

  • Ministerium für Wissenschaft und Kunst
  • SV SparkassenVersicherung
  • Kunsthaus Wiesbaden
  • Frauenmuseum
  • Galerie Pokusa

Die Weiterentwicklung der Fototage wird vom Kulturamt als wichtigstem Partner positiv begleitet und finanziell gefördert. Auch die Zusammenarbeit mit der Filmbühne Caligari wird weitergeführt, so dass es auch in diesem Jahr wieder die erfolgreiche Reihe „Fotografie im Film“ als Rahmenprogramm geben wird.

Weitere Informationen: www.wiesbadener-fototage.de

Fotofestivals 06 / 2015

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