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RAY 2012 macht Geschichte

Von April bis Oktober 2012 präsentiert RAY Fotografieprojekte in Frankfurt Rhein-Main herausragende, internationale Positionen der zeitgenössischen Fotografie und Videokunst. RAY besteht aus der über drei zentrale Standorte verteilten Hauptausstellung MAKING HISTORY in Frankfurt sowie zahlreichen Partnerausstellungen und -projekten in Frankfurt und der Region.

Mit RAY 2012 positioniert sich die Rhein-Main-Region einmal mehr als bedeutender Standort in der zeitgenössischen Fotografie. Erstmalig haben sich neun starke Partner zusammengeschlossen, um diesen Auftritt zu ermöglichen: die Art Collection Deutsche Börse, die Darmstädter Tage der Fotografie, die DZ BANK Kunstsammlung, das Fotografie Forum Frankfurt, der Frankfurter Kunstverein, die Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie e.V. im Stadtmuseum Hofheim am Taunus, das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, das Städel Museum und die Stiftung Opelvillen, Rüsselsheim folgen der Initiative des Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

Prof. Dr. Herbert Beck, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, begründet seine Motivation für die Initiative folgendermaßen: „Wir wollten alle an einen Tisch holen, um den hohen Rang, der der Fotografie in Frankfurt und der Rhein-Main-Region eingeräumt wird, hervorzuheben.“ Jedes der am Projekt beteiligten Häuser bereichert und ergänzt das Projekt mit seiner Expertise und einer eigenen Präsentation zeitgenössischer Fotografie. „Diese Art der Kooperation, bei der es gelingt, unterschiedliche Blickwinkel und Kompetenzen in fruchtbarem Austausch zu bündeln, ist aus unserer Sicht die besondere Stärke von RAY“, so die Kuratoren der Hauptausstellung MAKING HISTORY in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Der Blick nach vorne

Die Region Frankfurt/Rhein-Main weist eine hohe Dichte an international anerkannten Institutionen im Bereich der zeitgenössischen Fotografie auf, dazu zählen renommierte Sammlungen sowie Ausbildungs- und Ausstellungseinrichtungen. Auf dieses große Potential soll zukünftig durch »RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain« ein stärkerer Fokus gelegt werden. Denn RAY repräsentiert den Sammlungsreichtum und die Kompetenz zum Schwerpunkt Fotografie in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet.

So wird die erste Ausgabe von RAY neben der zentralen Hauptausstellung MAKING HISTORY ein facettenreiches Programm aus Partnerausstellungen und Veranstaltungen zeigen, das sich mit dem Begriff der ZEIT in der heutigen Fotografie beschäftigt. Die Art Collection Deutsche Börse startet die RAY Partnerprojekte mit „Be here now“, einer Ausstellung über den fotografischen ZeitRaum. Das gesamte RAY Partnerprogramm der Darmstädter Tage der Fotografie, der DZ BANK Kunstsammlung, des Fotografie Forum Frankfurt, der Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie e.V. im Stadtmuseum Hofheim am Taunus, des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, des Städel Museum und der Stiftung Opelvillen ist bis Oktober 2012 in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet zu sehen. Detaillierte Informationen sind unter www.ray2012.de zu finden.

Die Bedeutung der Geschichte und die Fragen der Gegenwart

Die zentrale Hauptausstellung MAKING HISTORY nimmt die künstlerische Reflexion von öffentlichen Bildern in den Blick und beschränkt sich dabei nicht auf das Medium Fotografie, sondern bezieht auch Video und Film mit ein. Die Ausstellung zeigt unterschiedliche Positionen, die die Inszenierung von Realität durch Medienbilder thematisieren. Knapp 40 renommierte Künstler/innen, unter ihnen Viktoria Binschtok, David LaChapelle, Omer Fast, Alfredo Jaar, Barbara Klemm, Gustav Metzger, sind in der Ausstellung präsent. Im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main zeigt unter anderen Thomas Demand seine Bildserie Embassy in einer aufwändigen Installation, die die gesamte zentrale Halle einnimmt. In der Hauptausstellung vertreten ist auch Harun Farocki mit drei Teilen seiner neuesten mehrteiligen Installation „Ernste Spiele“ sowie Walid Raad, soeben mit dem Hasselblad Award ausgezeichnet. Dazu kommen zahlreiche Neuentdeckungen, die in ihren Arbeiten ein breites Spektrum künstlerischer Auseinandersetzung mit öffentlichen Bildern zeigen.

In Mediengesellschaften entsteht Realität offenbar erst durch Bilder: Gesellschaftliche Ereignisse scheinen nur dann stattzufinden, wenn sie medial präsent sind. Gerade die jüngere Generation definiert sich heute in starkem Maße über Abbildungen: imago ergo sum. Nicht nur gesellschaftlich und politisch bedeutende, sondern auch private, banale und marginale Ereignisse werden heute zum Bestandteil öffentlicher Realität, wenn sich Bilder davon durch mediale Schneeballeffekte in Social-Media-Netzwerken verbreiten. Wer Bilder herstellt, ist immer auch Konstrukteur von Realität. Diese Entwicklung lässt sich auch anhand der fotografischen Dokumentation historischer Ereignisse nachvollziehen. Historische Ereignisse waren und sind bis heute auch eng an politische Konflikte und Kriegsereignisse geknüpft. Immer wieder hat sich so in den Kriegsgeschehen nach 1945 gezeigt: wer die Macht über die Bilder hat, hat die Macht über das Geschehen. Bilder, vor allem im Netz, sind nicht mehr wegzudenken aus einer mediatisierten Öffentlichkeit – Bilder wie Bildermacher werden gleichermaßen instrumentalisiert, wie sie selbst instrumentalisieren.

Wie reagieren die Künstler der Gegenwart auf diese Entwicklung? Die Künstler in der Ausstellung bieten keine eigenen Geschichtsmodelle an. Stattdessen sind in ihren Arbeiten unterschiedliche Sichtweisen auf historische Ereignisse zu erkennen, die als erweiterte Darstellungsformen von Geschichte sowie als subjektive Historienbilder verstanden werden können und eigenständige Vorstellungen über die Entstehung von Historie vermitteln.

Beteiligte Künstler: Taysir Batniji (AUT), Nina Berman (USA), Viktoria Binschtok (D), Robert Boyd (USA), Luc Delahaye (F), Thomas Demand (D), Harun Farocki (D), Omer Fast (IL/USA), Samuel Fosso (RCA), Kathrin Günter (D), James Howard (GB), Alfredo Jaar (USA), Sven Johne (D), William E. Jones (USA), Barbara Klemm (D) , Petra Köhle & Nicolas Vermot Petit-Outhenin (CH), David LaChapelle (USA), Eva Leitolf (D), Armin Linke (D), Gustav Metzger (GB), James Mollison (GB), Simon Norfolk (GB), Peter Piller (D), Elodie Pong (CH), Paul Qaysi (USA), Walid Raad (LIB), Doug Rickard (USA), Martha Rosler (USA), Michael Schmidt (D), Frank Schramm (USA), Manit Sriwanichpoom (TH), Hank Willis Thomas (USA), Oliviero Toscani (I), Jeff Wall (CAN), Michael Wolf (F), u.a.

Inhaltlich verantwortlich für die Hauptausstellung zeichnet das Kuratorenteam Anne-Marie Beckmann (Art Collection Deutsche Börse), Lilian Engelmann (Frankfurter Kunstverein), Peter Gorschlüter (MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main), Dr. Holger Kube Ventura (Frankfurter Kunstverein), Alexandra Lechner (Darmstädter Tage der Fotografie) und Celina Lunsford (Fotografie Forum Frankfurt).

Weitere Informationen: http://www.ray2012.de/

Fotofestivals 01 / 2012

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Metzger, Gustav
Kill The Cars, Camden Town, London 1996, 1996/2009

Metzger, Gustav
Kill The Cars, Camden Town, London 1996, 1996/2009

Mollison, James
The Disciples

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Rickard, Doug
#82.948842, Detroit, MI. 2009, 2010

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#82.948842, Detroit, MI. 2009, 2010

Pong, Elodie
After the Empire, 2008

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