Paderborner Fototage 2015 – Leitthema „Lokale Welten. Globale Gegenwart“

Joe Townsend © Bryan Adams, 2013
Joe Townsend © Bryan Adams, 2013
Vom 29. Mai bis zum 28. Juni 2015 sind im Stadtgebiet von Paderborn an 27 Standorten fotografische Arbeiten zu sehen. Außergewöhnliche Bildserien von Bryan Adams, der zur Ausstellungseröffnung nach Paderborn kommt, von Anja Niedringhaus oder Romney Müller-Westernhagen gehören zu den acht kuratierten Ausstellungen der diesjährigen Paderborner Fototage. Im nicht-kuratierten Teil sind Arbeiten von 23 Fotografen aus ganz Deutschland zu sehen, die aus rund 40 Bewerbungen ausgewählt wurden.

Die Paderborner Fototage finden alle zwei Jahre statt und machen die ganze Stadt zu einer Bühne für unterschiedliche fotografische Positionen und aktuelle Themen. An 27 Orten werden neben Arbeiten internationaler Fotokünstler/innen, die Bildserien von Fotograf/innen aus der Region gezeigt. Das Konzept setzt auf Austausch, Diskussion und die Nähe zum Publikum. Schulen beteiligen sich mit eigenen Projekten und es gibt ein Rahmenprogramm mit zahlreichen Workshops und Vorträgen. Das vollständige Programm erscheint Anfang Mai in gedruckter Form und im Internet: www.paderborner-fototage.de

Wounded – The Legacy of War

Bryan Adams, den man zuallererst als Musiker mit Welthits kennt, hat eine beeindruckende Serie großformatiger, provozierender Fotografien von kriegsverletzten Soldatinnen und Soldaten geschaffen. Vor weißem, raumlosem Hintergrund zeigt er die meist sehr jungen Menschen präzise und unvoreingenommen. Trotz ihre Verstümmelungen, Narben und Verbrennungen haben sie den Weg zurück ins Leben gefunden – mit Mut, Trotz und Humor. Adams‘ Portraits sind verstörende Bestandsaufnahmen der Realität des Krieges, die erahnen lassen wie brutal dessen Folgen den Alltag der jungen Soldat/innen verändern und strahlen doch Würde und Zuversicht aus. Zu sehen sind sie in der Städtischen Galerie Am Abdinghof.

At War

Auch die Bilder der Pulitzerpreisträgerin Anja Niedringhaus sind sachliche Zeitzeugen und zugleich emotionale Momentaufnahmen aus Kriegs- und Krisengebieten. Vor fast genau einem Jahr wurde die bekannte Fotojournalistin in Afghanistan ermordet. Ihre Fotos erzählen von den Menschen und ihrem Leben jenseits spektakulärer Situationen. Sie spiegeln Trauer, Angst, Enttäuschung, aber auch Begeisterung und dokumentieren Alltag, wenn nichts mehr alltäglich ist. Zu sehen sind etwa 30 ausgewählte Aufnahmen im Foyer des Paderborner Kreishauses.

Beyond Faces

NUMBERS GANGMEMBER, © Romney Müller-Westernhagen, 2012
NUMBERS GANGMEMBER, © Romney Müller-Westernhagen, 2012
Sie war Illustratorin, Grafik-Designerin, Model und die Frau eines Prominenten: Romney Müller-Westernhagen. Ihre fotografischen Arbeiten zeigte sie erstmals vor zweieinhalb Jahren in Berlin. Es sind schlichte, klare Portraits bekannter Menschen aus Politik, Schauspiel, Kunst oder Sport, ohne Inszenierung und Beiwerk. Mit der Kamera geht Romney Müller-Westernhagen auf die Suche nach der Seele der Menschen, die sie fotografiert und zeigt sie abseits ihres beruflichen Alltags. In Paderborn sind 30 Aufnahmen in im Cineplex zu sehen.

Just two of us

Der Wiener Fotograf Klaus Pichler wird seine Bildserie „Just two of us“ zeigen. Sie erzählt von kleinen Fluchten aus dem Alltag, vom Verkleiden und dem Spiel mit verschiedenen Identitäten.

Whale Hunters

Wie aus der Zeit gefallen, wirken die Walfänger, die der Hamburger Fotograf Kai-Uwe Franz auf der Azoreninsel Pico portraitiert hat. Ihr Alltagsgeschäft, das sie einst ernährte und stolz machte, ist heute geächtet.

Globale Konflikte

Ende 2013 hat der Wuppertaler Fotojournalist Jens Grossmann auf den Philippinen die Zerstörungen durch Taifun “Haiyan” fotografiert. Ein Jahr nach der Katastrophe war er wieder vor Ort und hielt die Veränderungen in beeindruckenden Bildern fest.

Performance for photographie

Der Frankfurter Fotograf Ralph Larmann zeigt ungewöhnliche Blicke auf große Bühnen in aller Welt. Er dokumentiert aufwendig inszenierte Popkonzerten, Shows, Musical- oder Opernaufführungen. Seine Bilder spiegeln die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten einer sich im ständigen Wandel befindenden Technik wider.

Neue Blicke auf Paderborn

Erstmals wird das private Bildarchiv des Computer-Pioniers Heinz Nixdorf geöffnet. Der 1986 verstorbenen Unternehmer war ein begeisterter Hobbyfotograf. Im Paderborner Heinz-Nixdorf Forum sind Aufnahmen aus seinem privaten Umfeld zu sehen, Reisebilder, Produktfotografien, Dokumentation von Bauaktivitäten seiner Firma und seine sehenswerte Kamerasammlung.

Thema und Idee

Die diesjährigen Paderborner Fototage stehen unter dem Leitthema „Lokale Welten. Globale Gegenwart“. Digitale Vernetzung ist allgegenwärtig, Informationen aus aller Welt sind rund um die Uhr zugänglich. Mehr als Worte beeinflusst aber die Flut der Bilder unsere Sicht der Dinge, das persönliche Handeln, die Kommunikation und fast immer hat lokales Agieren auch globale Folgen. Die zahlreichen Ausstellungen der 3. Paderborner Fototage finden in Museen, Galerien, Unternehmen und an alltäglich genutzten Orten statt. Sie sollen möglichst viele Menschen erreichen, und zeigen ein breites Spektrum von fotografischen und ästhetischen Sichtweisen. Die Themen sind urbanes Leben, der Wandel der Städte und Lebensbedingungen, Technik, Klima und Natur.

Fotofestivals 04 / 2015

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