4K-Fotografie im Praxistest

Den perfekten Moment automatisch erwischen

4K-Fotografie im Praxistest
Von 4K ist viel die Rede im Zusammenhang mit Videos, aber das Schlagwort sollten sich auch die Fotografen merken. Da die Auflösung das Vierfache des derzeit weit verbreiteten FullHD-Standards beträgt, können die Videos auch für die Fotografie genutzt werden können. Ein Video ist ja letztlich nichts anderes als die Aneinanderreihung von Einzelbildern. Wir haben ausprobiert, wie aufwendig es in der Praxis ist, Einzelbilder aus Filmen zu extrahieren, und wie gut die Qualität ist. Um es vorweg zu nehmen: Wir waren und sind immer noch beeindruckt.

Quelle: „UHDTV resolution chart“ von UHDTV.svg: Melksoft (talk)derivative work: GrandDrake (talk) - UHDTV.svg. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:UHDTV_resolution_chart.svg#/media/File:UHDTV_ resolution_chart.svg
Quelle: „UHDTV resolution chart“ von UHDTV.svg: Melksoft (talk)derivative work: GrandDrake (talk) – UHDTV.svg. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons
Warum würde man überhaupt Einzelbilder aus einem Video extrahieren wollen, statt sie selbst direkt zu fotografieren? Wer je versucht hat, einen mit Wasser gefüllten Ballon beim Zerplatzen oder ein in eine Kaffeetasse fallendes Zuckerstückchen auf den Speicherchip zu bannen, wird die Motivation hinter der 4K-Fotografie schnell verstehen. Sie verspricht, dass man nicht mehr so genau den richtigen Moment für eine Einzelaufnahme treffen muss, sondern das beste Bild später in Ruhe aus dem Video heraussuchen kann. Gerade bei sich schnell bewegenden Motiven, wie Kindern, Tieren oder Sportereignissen, verspricht das eine deutliche Erleichterung – und dies nicht nur für wenig geübte Fotoeinsteiger. Da Einzelbilder bei 4K eine Auflösung von 8 Megapixeln erreichen, lassen sie sich mit einer guten Druckauflösung von 300 dpi sogar bis auf DIN A4 ausgeben und damit problemlos sogar in den meisten Fotobüchern verwenden.

Praxistest: Kamera filmt sogar vor Betätigen des Auslösers

Ist mit der Möglichkeit, aus Videos Einzelaufnahmen herausschneiden zu können, die Aufnahme eines einzelnen Fotos obsolet? Noch nicht – denn es war bisher recht mühsam, die einzelnen Bilder aus einem Film zu extrahieren. Man benötigte ein spezielles Video-Schnittprogramm und musste den Umgang damit erlernen. Wie viel einfacher es sein kann, zeigt Panasonic als Pionier bei der jüngst vorgestellten kompakten Systemkamera G70. Darin gibt es einen speziellen 4K-Fotomodus, bei dem Clips mit 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Als besonderen Clou hat Panasonic eine so genannte „Pre Burst“-Variante integriert, bei der sogar schon 30 Bilder vor dem Betätigen des Auslösers gespeichert werden. Die funktioniert nicht durch Hellseherei, sondern weil die Kamera in diesem Modus quasi ständig filmt – jedoch ohne die Daten auf die Speicherkarte zu schreiben. Erst das Betätigen des Auslösers sorgt dafür, dass dies erfolgt. Als wir uns die Testaufnahmen anschauten sahen wir, wie praktisch dies ist, denn unsere Auslösung lag fast immer einige Bilder nach dem eigentlich spannenden Motiv.

4K-Fotografie im Praxistest

Die Aufnahmen werden zwar als Video – wahlweise im MP4 oder AVCHD-Format – abgelegt, können aber auch direkt auf dem Kameramonitor als Einzelbilder betrachtet werden. Wer über einen Apple-Computer verfügt, den wird die Ansicht ein wenig an den „Cover Flow“-Modus im Finder erinnern. Gefällt eines der Einzelbilder, muss man nur auf den „OK“-Button der Kamera klicken und es wird separat als Foto im JPEG-Format gespeichert. Wir haben es ausprobiert und fanden es idiotensicher einfach. Allerdings bedeutet es auch einigen Aufwand nach dem eigentlichen Fotografieren. Wer sich ungern nach der Aufnahme mit seinen Bildern beschäftigt, der sollte besser bei der klassischen Einzelaufnahme bleiben. Natürlich besteht die Gefahr den entscheidenden Moment zu verpassen, auch, wenn in der Serienbildfunktion fotografiert wird – so erging es uns zumindest beim platzenden Luftballon. Wir sind absolut begeistert davon, wie sicher sich mit der G70 extrem schnelle Bewegungen quasi einfrieren und abbilden ließen, dass wir die Nachteile gerne in Kauf nehmen. Zu erwähnen sei an dieser Stelle, dass wir die Kamera erstmalig in der Hand hatten.

Nachteile: Hoher Energiebedarf und kein RAW-Format

Und die gibt es bei der 4K-Filmfotografie durchaus: Sie beginnen beim hohen Energiebedarf, der vor allem im Pre Burst-Modus der G70 durch die Daueraufnahme auftritt und es sinnvoll macht, immer einen Ersatzakku mitzunehmen. In unserem Shooting (allerdings noch mit einem Vorserienmodell) war der vollgeladene jedenfalls schon nach etwa 1,5 Stunden zu einem Drittel entladen. Fortgeschrittene werden außerdem die Möglichkeit vermissen, die Videos beziehungsweise Bilder im RAW-Format aufzunehmen. In unserem Test erforderten die extrahierten Einzelbilder jedenfalls – vor allem bei kritischen Aufnahmesituationen – eine deutliche Nachbearbeitung (alle in diesem Artikel gezeigten Abbildungen wurden mit Lightroom optimiert). Auch zeigten sie sich erwartungsgemäß nicht ganz so detailreich und fein gezeichnet wie eine konventionelle Einzelaufnahme.

Eine RAW-Aufnahme in noch höherer Qualität wäre technisch allerdings auch nur aufwendig zu lösen, denn schon die jetzige Realisierung erfordert einen leistungsstarken Prozessor mit großem Arbeitsspeicher und vor allem eine schnelle Speicherkarte. Mit mindestens 12,5MB/Sekunde muss sie sich beschreiben lassen. Selbst bei einer Klasse10-Speicherkarte muss also geprüft werden, ob sie diese Datenrate erreicht (zu Speicherkarten und Klassen siehe auch unseren Beitrag „Speicherkarten“). Steigen die Leistungsfähigkeit von Mikroprozessoren und die Datenbeschreibungsraten allerdings so stark wie in der Vergangenheit, ist anzunehmen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch 4K-Rohdaten in akzeptabler Zeit auf Consumer-Kameras geschrieben werden können. Zumal es schon einige professionelle Video-Kameras gibt, die dies erlauben. Kein Wunder also, dass einige Auguren schon glauben, dass Video und Fotografie in der Zukunft noch stärker zusammenwachsen werden. Zumal ja auch die nächsthöhere Auflösung von 8K ebenfalls schon in den Startlöchern steht.

Fotografische Anwendungen 06 / 2015

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