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Bilder aus der Unendlichkeit

Eine Hasselblad 500EL-Mittelformatkamera mit einem Zeiss-Objektiv ist eine nette Kombination, auch in Zeiten der Digitalfotografie. Zwölf dieser mehr als 40 Jahre alten Kameras liegen einfach so herum und warten, bis sie jemand abholt. Einziges Problem: Sie liegen auf dem Mond. Und eigentlich gehören sie der Nasa, deren Astronauten sie dort gelassen haben.

Als die Astronauten den Mond nach jeder der sechs Landungen wieder verließen, blieben die Kameras mit Objektiven aus Gewichtsgründen zurück. Zur Erde kamen nur die Magazine mit den Filmen. Und fotografiert wurde im Weltraum schon immer wie wild. Jede der Apollo-Missionen hatte Filmmaterial für 10.000 Aufnahmen an Bord, meistens Farbfilme und das beste: Diese Bilder sind heute zu großen Teilen online verfügbar. Das Sahnehäubchen obendrauf: Die Nasa als steuerfinanzierte Behörde erhebt auf fast alle Bilder kein Urheberrecht. So kann sich, wer will, durch bergeweise Fotografien zum Thema Raumfahrt wühlen und sich darüber hinaus die besten Bilder aussuchen, ein Poster daraus machen lassen und an die Wand hängen – ganz legal. Es gebietet der Anstand, solche Fotos nicht weiterzuverkaufen und erlaubt ist es sowieso nicht.

Ein kleiner Leitfaden für die Unendlichkeit der Nasa-Bibliotheken. Eine Linkliste zu den wichtigsten Bilddatenbanken, unter anderem dem „Astronomy Picture Of The Day“, das jeden Tag ein aktuelles Raumfahrt-Bild nebst Erklärung liefert, gibt es unter http://www.nasa.gov/multimedia/imagegallery/index.html. Die Ikonen der Raumfahrt-Fotografie sind bei den „Great Images Of Nasa“ zu finden: http://grin.hq.nasa.gov/index.html Dort finden sich Raketenstarts ebenso wie der berühmte Fußabdruck, den Buzz Aldrin auf dem Mond hinterlassen hat. Wer danach mehr sehen möchte, geht einfach zu http://www.nasaimages.org/ und kann sich dort die volle Ladung abholen.

Ein kleiner Knüller verbirgt sich unter http://eol.jsc.nasa.gov/sseop/technical.htm. Dort kann nach Filmrolle, Kameraart, Datum und allem möglichen gesucht werden. Diese Suche ist Teil von http://eol.jsc.nasa.gov/, wo sogar auf einer Karte nach Fotos gesucht werden kann. Allerdings gibt es die Bilder meist nur in einer kleinen Web-Auflösung. Wer aber genau hinsieht und dem Link unter dem Foto zu allen Metadaten und Auslösungen folgt, erhält eine kleine Tabelle mit verschiedenen möglichen Auflösungen und einer „Request“-Schaltfläche. Wenn da ein Foto dann angefragt wird, setzt sich natürlich kein Archivmitarbeiter in Bewegung. Ein Roboter verarbeitet die Anfrage, das Bild wird bereitgestellt und kann nach fünf Minuten Wartezeit 24 Stunden lang heruntergeladen werden. Natürlich ist auch dieser Service mit Steuergeldern finanziert und deshalb für jeden kostenlos.

Wer sich die Kameraliste anschaut, erfährt welche Gerätschaften die amerikanischen Astronauten mit in die Schwerelosigkeit nehmen. Stativ haben sie übrigens nie dabei gehabt, nicht einmal für die Linhof-Großformatkamera. Das braucht es im Weltall auch nicht, denn in der Schwerelosigkeit hat auch die schwerste Kameraausrüstung kein Gewicht. Und wo keine Schwerkraft oder andere Beschleunigung die Kamera im Griff hat, kann auch lange belichtet werden, ohne zu verwackeln.

Die Geschichte der Raumfahrt ist auch eine Geschichte der Kameras. Die Sensation, als die Russen plötzlich ein Bild von der Rückseite des Monds lieferten – ohne Kamera undenkbar. All die Überwachungssatelliten, ob zivil oder militärisch, das Hubble-Space-Teleskop (dessen Bilder sind als einzige größtenteils urheberrechtlich geschützt), die Rundfahrten auf dem Mars – all das wurde aufgenommen und dann zur Erde gebracht. Entweder per Funk oder Filmrolle. Ist die russische Raumfahrt da schwerer zu durchschauen, kann man bei der Nasa nachvollziehen, welche Kamera wann im Weltall war.

Die eingangs beschriebene Hasselblad wurde mit verschiedenen Objektiven von Zeiss ins All befördert. Die Objektive waren damals Sonderanfertigungen ohne Leder und Kunststoff, mit Druckausgleichsbohrungen und vergrößerten Bedienelementen, so dass sie auch mit Handschuhen greifbar waren. Die Kameras wurden später beispielsweise mit einer Nikon oder Rolleiflex ergänzt. Mit der Linhof Großformatkamera wurden noch 1999 Bilder von Hawaii gemacht. Fast 30.000 Fotos wurden insgesamt mit Linhofkameras gemacht.

Mit der Kodak DCS460 kam erstmals auch eine Digitalkamera an Bord, es folgten verschiedene andere Kodakmodelle, bevor dann die digitalen SLR-Kameras von Nikon bei der Nasa Einzug hielten, zunächst die D1, zuletzt die D3S. Eine Canon hat es bisher noch nicht in ein US-amerikanisches Raumschiff geschafft. Gleichzeitig wurden auch immer mehr Fotos gemacht. Eine Gemini-Mission in den 1960er Jahren lieferte gerade einmal 200 Bilder. Heute werden tausende Fotos im Weltall geschossen, die Datenbanken der Nasa werden immer umfangreicher, auch Dank der ständigen Präsenz der Raumstation ISS in einer Umlaufbahn.

Fotografische Anwendungen 07 / 2011

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NASA, Aldrin Fussabdruck

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NASA, Mark Lee

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