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Fotografie macht es möglich - Archäologische Entdeckungen aus der Luft

Eine verheerende Sturmflut setzte im 14. Jahrhundert große Teile der Nordseeküste unter Wasser und ließ eine ganze Region in der Tiefe des Meeres versinken. Lange Zeit hielt man es für eine Legende, dass dabei auch die Stadt Rungholt verschwunden sei. Sagenhaft reich soll die nordfriesische Hafenstadt gewesen sein, ein Atlantis der Nordsee. Bewiesen wurde die Bedeutung von Rungholt aber nie. Immer wieder wurde versucht, das versunkene Rungholt zu finden. Erst in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts spülten die Gezeiten im Watt nördlich der Hallig Südfall Überreste, wie Warften und Zisternen, frei. Für die weitere Suche im Watt bleiben immer nur zwei Stunden zwischen Ebbe und Flut.

Weitere Aufklärung kam aus der Luft mithilfe der Fotografie. Der Archäologe Joachim Kühn machte sich mit einem Vermessungsflugzeug auf die Suche, an Bord eine hoch auflösende, digitale Spezialkamera. Mit solchen Kameras lassen sich Spuren erkennen, die das bloße Auge nicht so einfach sehen kann. Der Auslöser der Kamera wurde auf die wichtigsten Orte des Wattgebiets programmiert. Entdeckt wurden von den Forschern nahe Pellworm Brunnenringe und markante Oberflächenprofile. Anhand der Luftbilder konnte dann örtlich noch genauer geforscht werden.

Rungholt ist nicht der einzige Ort an dem mit Unterstützung von Luftaufnahmen neue Erkenntnisse in der Archäologie gewonnen wurden. Für Forschungszwecke kommen die verschiedensten Luftfahrzeuge zum Einsatz, vom Hubschrauber über Ballon bis zu Drohnen, den unbemannten Flugzeugen. Auch Kameraaufnahmen aus dem Weltraum – von Satelliten oder einem Space Shuttle – werden für die Forschung nach Spuren der Vergangenheit eingesetzt.

Aufnahmen archäologischer Stätten gibt es schon seit mehr als einem Jahrhundert. So machte etwa ein Leutnant des englischen Militärs von einem Heißluftballon aus Aufnahmen über dem Steinkreis von Stonehenge.

Die Luftbildarchäologie dient der Erkundung von Bodendenkmälern. Mit ihr können von historischen Bauten, aber auch Veränderungen und Gefährdungen, besonders gut festgestellt werden. Anhand spezieller Merkmale lassen sich auf Luftbildaufnahmen unbekannte Denkmäler und sogar vollkommen verschüttete Anlagen lokalisieren. Möglich wird das durch die aus der Höhe sichtbaren Veränderungen der darüber wachsenden Vegetation. So trocknet zum Beispiel über Mauerresten der Boden schneller aus, was sich auf den Aufnahmen von oben abzeichnet. Auch Schatten geben bei nicht vollständig eingeebneten Fundstellen einen Hinweis auf verborgene Bauten. Getreidepflanzen reagieren in ihrem Wuchsverhalten auf die im Boden verborgenen Strukturen und machen damit Art und Ausdehnung archäologischer Denkmäler sichtbar. Ein weiterer Vorteil der Luftbildarchäologie ist, dass größere Gebiete nach Fundstellen abgesucht werden können. Viele Ausgrabungen werden durch Kameraaufnahmen auch vorbereitet und Bilder dokumentieren während der archäologischen Arbeiten die Fortschritte.

Laut dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle wurden seit 1991 zirka 6.000 archäologische Funde aus der Luft entdeckt und auf mehr als 80.000 Bildern dokumentiert.

Fotografische Anwendungen 12 / 2011

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Luftbild des römischen Gutshofes von Brenz an der Brenz, Gemeinde Sontheim, Kreis Heidenheim / Denkmalpflege Baden.Württemberg

Luftbild des römischen Gutshofes von Brenz an der Brenz, Gemeinde Sontheim, Kreis Heidenheim / Denkmalpflege Baden.Württemberg

Wirtschaftsgebäude eines römischen Gutshofes bei Oberndorf-Bochingen, Kreis Rottweil, mit im Verbund umgestürztem Mauerwerk / Denkmalpflege Baden.Württemberg

Wirtschaftsgebäude eines römischen Gutshofes bei Oberndorf-Bochingen, Kreis Rottweil, mit im Verbund umgestürztem Mauerwerk / Denkmalpflege Baden.Württemberg

Luftbild des obergermanisch-rätischen Limes bei Alfdorf im Rems-Murr-Kreis / Denkmalpflege Baden.Württemberg

Luftbild des obergermanisch-rätischen Limes bei Alfdorf im Rems-Murr-Kreis / Denkmalpflege Baden.Württemberg