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Kamera im Auge

Kaum zu glauben ist das Projekt „Eyeborg“, das einem kanadischen Filmemacher eine Augenprothese mit Minikamera bescherte. Er hatte als Kind bei einem Unfall ein Auge verloren. Jetzt hat er vor, einen Film aus seiner persönlichen Perspektive zu drehen und sich dafür eine Minikamera in sein Auge einsetzen lassen. Die Kamera soll die Bilder dann drahtlos übertragen können. Hintergrund für dieses Experiment ist vor allem ein Künstlerischer Aspekt. „Ich möchte einen Film machen, der Überwachung und Privatsphäre zum Thema hat,“ äußerte sich der Filmemacher. Inspiriert wurde er zu diesem Projekt durch die Minikameras in Mobiltelefonen. Die technische Umsetzung war allerdings nicht einfach. Der Kamerasensor wird auf eine kleine Platine gesetzt. Gemeinsam mit einer Batterie und dem Transmitter wird sie in ein Gehäuse integriert, das nicht größer ist als ein künstliches Auge. Die Videosignale werden von einem Receiver empfangen und können somit aufgezeichnet werden. Das hierzu nötige Equipment haben die Techniker schon fertig gestellt.

Eyeborg Phase II from eyeborg on Vimeo.

Obwohl der vorliegende Prototyp mit feinster Elektronik ausgestattet ist, taugt er noch nicht für eine Langzeit-Nutzung. Spence, der seine Kamera „Eyeborg“ getauft hat, bezeichnet sie als das neueste Beispiel einer Kombination zwischen Mensch und Maschine. Der Fortschritt, der im Bereich der Prothesen in den letzten Jahren gemacht wurde, erinnert an Science-Fiction-Romane und -Filme. Die Technologie siedelt sich zunehmend im lebenden Körper an.

Rod Spences verlorenes Augenlicht kann nicht wieder gewonnen werden. Die Kamera kann nicht in diesem klassischen bionischen Sinn eingesetzt werden, da seine Netzhaut zu sehr geschädigt wurde. Aber ein Unternehmen in Kalifornien, Second Sight, hat ein Gerät entwickelt, das eine neue begrenzte Sicht für blinde Menschen schafft. Das Unternehmen hat erklärt, dass man bisher das Gerät in 21 Menschen auf der ganzen Welt implantiert hat. Die Firma spricht in diesem Zusammenhang von Netzhaut-Degeneration. Das Gerät, das noch in klinischen Studien untersucht wird, besteht aus einer Kamera auf einer Brille. Die aufgenommenen Bilder werden mittels Elektroden, die in die Netzhaut münden, an das Gehirn gesendet. Das Gerät gibt den Patienten die Fähigkeit zurück, Licht-Muster wahrzunehmen.
 

Fotografische Anwendungen 12 / 2009

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