Kamerahandys sorgen für Minijobs - Mit Bildern Geld verdienen

Kamerahandys sorgen für Minijobs - Mit Bildern Geld verdienen Bildgalerie betrachten

Die Möglichkeit, dass man sein Handy auch für Geldgeschäfte nutzen kann, hat jetzt durch Google weltweit für Aufsehen gesorgt und wird über kurz oder lang sicher auch in Deutschland Erfolg haben. In vielen Ländern im Fernen Osten oder in Afrika ist es längst gang und gäbe, über das Handy zu bezahlen oder auch sich Geld anweisen zu lassen. Aber auch mit Fotos, über das Handy aufgenommen, ergeben sich ganz neue Geschäftsfelder.

Vater der Idee, die Arbeit auf der Welt neu zu verteilen, ist Nathan Eagle, Professor am Massachusetts Institute of Technology in Boston, der in Milliarden Handybesitzern der Dritten Welt ein riesiges Jobpotenzial sieht. Vermittelt werden kleine Jobs per SMS, wie zum Beispiel die Ergänzung von Wortübersetzungen in lokale Sprachen. Als Beispiel hat Nathan Eagle die Übersetzung des Wortes „Flugmodus“ in die rund 60 lokalen Sprachen Kenias genannt. Dazu wurden von dem von Eagle gegründeten Unternehmen Txteagle per SMS die Begriffe an rund 20.000 Mitarbeiter in Kenia geschickt, die ihre Übersetzungen per SMS zurücksandten. Der Lohn waren zwar nur ein paar Cent, aber mit einigen solcher Jobs konnte ein Minijobber seinen Tagesverdienst erarbeiten.

Für viele dieser Jobs sind auch Bilder notwendig. Wenn Coca Cola wissen möchte, welche Konkurrenzprodukte in den Supermarktregalen dieser Welt neben den eigenen Flaschen stehen, dann helfen die Minijobber mit ihren Handykameras. Hunderttausende Bilder aus den Kameras der Mobiltelefone sorgen dann für eine globale Bestandsaufnahme. Ebenso läuft das für Firmen bei der Überprüfung der aktuellen Preise der Konkurrenz, die sich mit den Bildern auch aus entlegenen Ländern schnell und kostengünstig informieren können.

Weltumspannend war die Aktion, bei der mit Handykameras von Passanten und Autofahrern Verkehrsschilder in Brasilien aufgenommen und nach Boston zu Txteagle gesendet wurden. Von dort gingen die Fotos an ein paar Tausend Kenianer, die diese Bilder mit den Bemerkungen „beschädigt“ oder „unleserlich“ nach Boston zurückschickten, wo die Ergebnisse ausgewertet wurden. Die Verwaltung in Brasilien konnte anhand dieser Ergebnisse feststellen, welche Schilder ausgebessert werden mussten.

Über die Handyjobs laufen auch die Verschlagwortungen großer Fotomengen, die mit Fachpersonal in eigenen Büros und mit Firmencomputern viel teurer wäre. Um auch eine ausreichende Qualität der Ergebnisse zu erreichen, werden die Aufträge an die Minijobber mehrfach verschickt, wobei der Prozentsatz der Übereinstimmungen als exakteste Lösung angesehen wird.

Die Bezahlung erfolgt üblicherweise über Bezahldienste, mit denen Geldbeträge mobil auf dem Handy empfangen und mit ihm verschickt werden, um sie anschließend bei örtlichen Postfilialen oder Agenturen einlösen zu können. Außerdem können als Bezahlung auch Handygebühren-Guthaben gesammelt werden.

Nathan Eagle sieht sein Crowdsourcing nicht nur als Geschäft, sondern auch als sinnige Entwicklungshilfe unter dem Motto „Make money, do good“.

Fotografische Anwendungen 08 / 2011

146 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden