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Roboter als Fotografen

Paparazzi und Profifotografen sollten sich vorsehen: Geht es nach dem Willen von findigen Computerwissenschaftlern aus Indien, müssen sie sich im Kampf um begehrte Jobs womöglich schon bald mit Robotern messen, die auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI) selbsständig ästhetische Fotos erstellen können. Ein erster Prototyp der neuartigen Fototechnologie wurde nun in den humanoiden Roboter „NAO“ integriert, dem es somit möglich sein soll, qualitativ hochwertige Aufnahmen anzufertigen, die den allgemein anerkannten Gestaltungsregeln der Fotografie, wie etwa Goldener Schnitt oder Drittelregel entsprechen.

Ob dies allein für überzeugende Aufnahmen ausreicht, wird an dieser Stelle von uns in Frage gestellt. Aufnahmen können in der Gestaltung perfekt sein und dennoch den Betrachter nicht in den Bann ziehen, weil die Motive nicht ansprechend sind. Hinzu kommt, dass der Reiz von Aufnahmen oftmals darin liegt, dass die Gestaltungsregeln der Fotografie bewusst missachtet werden. Die Vorstellung aber, dass sich Zigtausende diesen Roboter anschaffen und dieser zum ständigen Fotografierbegleiter wird, hat etwas Amüsantes und wäre ein Fotomotiv für sich wert.

KI bewertet Fotoqualität

Raghudeep Gadde, Computerwissenschaftler am International Institute of Information Technology (IIIT-H) http://www.iiit.net in Hydrabad, Indien, vertritt unsere Auffassung nicht. Gemeinsam mit seinem Team hat er dem Roboter „NAO“ der Firma Aldebaran Robotics http://www.aldebaran-robotics.com und dessen integrierter Kopfkamera eine neue Programmierung spendiert, die sicherstellen soll, dass bei jeder Aufnahme stets die zwei oben genannten Fotografieregeln eingehalten werden. Zusätzlich verfügt „NAO“ auch über die Möglichkeit, die Qualität der selbst erstellten Bilder anhand der dargestellten Schärfe-, Licht- und Farbverhältnisse einschätzen zu können. Um dem KI Verstand beizubringen, was ein gutes Foto ist und was nicht, wurde der Roboter mit den jeweils besten und schlechtesten zehn Prozent der Aufnahmen eines Fotowettbewerbs gefüttert, die von einer menschlichen Jury bewertet worden sind. Auf Basis dieser gespeicherten Daten erfolgt dann die KI-Bewertung. Bleibt ein Bild unter einer bestimmten vordefinierten Qualitätsgrenze, unternimmt der Roboter automatisch einen neuen Versuch.

Erste Präsentation in Barcelona

Ob es tatsächlich bald so weit sein könnte, dass professionelle Fotografen von Robotertechnologie verdrängt werden, bleibt aber wohl noch abzuwarten. Derzeit hat die KI-Variante jedenfalls noch mit einem sehr gewichtigen Problem zu kämpfen: Es ist nicht möglich, zu erkennen, was ein interessantes Motiv ist und was nicht. Wer sich selbst einen Eindruck vom gegenwärtigen Entwicklungsstand dieser Technologie machen möchte, sollte zwischen dem 14. Und dem 17. Juli 2011 in Barcelona vorbeischauen. Dort wird Gadde seine Forschungsergebnisse auf der Conference on Uncertainty in Artificial Intelligence http://www.auai.org/uai2011/ zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentieren.

Quelle: pressetext.redaktion

Fotografische Anwendungen 07 / 2011

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