FineArt Printing - Auf die feine Art

FineArt Printing - Auf die feine Art
Wenn ein Magazin-Artikel alle wesentlichen Informationen enthält, die man kennen muss, dann sollte man sich nicht darin versuchen, diese Thematik neu aufzubereiten. Für die Fotofachzeitschrift DOCMA hatte Michael J. Hußmann das Gespräch mit den zwei FineArt-Druck-Experten Herman Will und Rolf Walther gesucht, die den perfekten Workflow beherrschen. „Die Beschäftigung mit dem Druck“, so Herman Will, „zwingt Fotografen dazu, sich mit ihren Aufnahmen auseinanderzusetzen, was diesen natürlich zugutekommt.“ Rolf Walther ergänzt, „dass erst der FineArt-Druck die Qualitäten aktueller Kameras und Objektive zu visualisieren versteht.“ Die Auseinandersetzung mit der Thematik FineArt-Druck lohnt sich also, denn der fotografische Schaffensprozess hört längst nicht beim Betätigen des Auslösers auf.

Zeig’ doch mal die Bilder, das bedeutet heutzutage oft „Sharing“, also die Veröffentlichung der Fotos in sozialen Netzen oder bei Diensten wie Bēhance, Flickr und 500px, wo sie der ganzen Welt oder einem eingeschränkten Kreis zugänglich sind. Oft reicht man auch sein Tablet herum und lässt Freunde oder Kunden durch eine Slideshow wischen. Hermann Will, Chefredakteur des Magazins FineArtPrinter, stellt sich dagegen gerne stur; wer seine Meinung hören will, muss ihm Prints vorlegen. Das auf Papier gedruckte Bild sei 170 Jahre lang das vorherrschende Verbreitungsmedium der Fotografie gewesen und, soweit es ihn betrifft, hätte sich daran nichts ändern müssen.

Wills Haltung hat nichts mit einer Ablehnung moderner Technik zu tun. Bei einer Fotosession landen schnell einmal Tausende von Bildern auf einer Speicherkarte, und wer soll die alle Sichten? Erst einmal ist der Fotograf selbst gefragt, seine Ergebnisse kritisch zu betrachten und nur die besten Fotos auszuwählen.

Es muss weh tun

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Der Druck macht ein wenig mehr Mühe als das virtuelle Sharing und das Verbrauchsmaterial für größere Formate geht ins Geld. Aber gerade weil es weh tut, sagt Will, fängt das Gehirn an zu arbeiten und trifft eine Auswahl. Er verspottet es als modernen Ablasshandel, lieber ein weiteres Objektiv zu kaufen und sich davon bessere Ergebnisse zu versprechen, statt an der Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten zu arbeiten. Dazu gehört auch, die Beschäftigung mit dem Druck, weil dieser den Fotografen zwingt, sich mit seinen Bildern auseinanderzusetzen. Man sollte keine Ausflüchte suchen, empfiehlt Will, denn „erst wer sich mit dem Drucken anfreundet, findet sein Glück“.

Ein Tintendrucker wie der Epson SureColor SC-P600, der jüngst den Stylus Photo R3000 abgelöst hat, oder der Canon PIXMA PRO-10S, die beide Formate bis A3+ bedrucken können, ist für weniger als 700 Euro zu haben und bringt alle nötigen Voraussetzungen für den FineArt-Druck mit. Nachdem Sie Ihre Bilder für einen solchen Drucker optimiert haben, können Sie sie auch in noch größeren Formaten wie A2 oder A1 von einem Dienstleister ausgeben lassen, dessen Geräte mit der prinzipiell gleichen Technologie arbeiten.

Eine Alternative bestünde darin, von vornherein auf Dienstleister zu setzen, etwa einen der Bilderdienste, die Belichtungen auf Fotopapier in großen Formaten anbieten. Die Hoffnung auf eine hochwertige Druckqualität kann aber schon daran scheitern, dass der Anbieter stillschweigend den sRGB-Farbraum verwendet. Gute Ergebnisse sind nur mit einem durchgängigen Farbmanagement auch beim Dienstleister zu gewährleisten. Ein weiteres Argument von Hermann Will spricht gegen jeden externen Dienstleister: Das Outsourcing bringt unweigerlich eine Verzögerung mit sich, und wenn Sie nach ein paar Tagen das Ergebnis auf Fotopapier sehen, sind Sie geistig längst wieder woanders. Die konzentrierte Arbeit am Bild erfordert sofort beurteilbare Ergebnisse, wie sie nur der eigene Drucker liefert.

Von Anfang an

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Der Workflow des Fine-Art-Printing beginnt aber nicht erst, wenn Sie Ihre Bildausbeute sichten und daraus die Fotos auswählen, die einen großformatigen Druck lohnen. Am Anfang steht vielmehr die Aufnahme selbst, und auf diesen Punkt weist Rolf Walther (www.walther-fineart.com) hin, ein ausgewiesener Experte für die Schwarzweißfotografie und den hochwertigen Schwarzweißdruck, der sein Wissen auch in Workshops und Kursen weitergibt.

Die Belichtung entscheidet darüber, ob der Sensor alle Tonwerte der Szene fein aufgelöst registriert: Eine Überbelichtung ruiniert die Lichterzeichnung, während eine Unterbelichtung immer noch einen Spielraum bietet, um in der RAW-Konvertierung eine gute Durchzeichnung in den Schattenbereichen herauszuarbeiten.

Walther empfiehlt, sich mit dem in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts konzipierten Zonensystem von Ansel Adams (1902–1984) zu beschäftigen. Das Zonensystem wird heute von vielen Fotografen als obsolet angesehen, sei es, weil sie sich auf die Belichtungsautomatik ihrer Kamera verlassen, oder weil es sich angeblich nicht auf die Digitalfotografie anwenden lässt. Tatsächlich ist es jedoch unverändert aktuell, was vor allem – aber nicht nur – für die Schwarzweißfotografie gilt.

In der ursprünglichen Version des Zonensystems geht es darum, den Kontrastumfang des Motivs durch eine optimale Belichtung und Entwicklung so im Negativ abzubilden, dass es alle Tonwerte fein differenziert bewahrt; die Tonwerte im Negativ müssen dann wiederum ohne Verluste im positiven Abzug reproduziert werden.

Der Digitalfotograf ist heute in keiner grundsätzlich anderen Situation als seine Vorläufer vor 80 Jahren: Die optimale Belichtung bewahrt den Motivkontrast in der RAW-Datei, deren Tonwertumfang sich am Ende auch im Print wiederfinden soll. Die Methoden haben sich geändert, die Ziele jedoch nicht, und so bleibt auch das Zonensystem weiterhin nützlich und sinnvoll anwendbar. Ansel Adams Bücher „Das Negativ“ und „Das Positiv“ sind daher bis heute lieferbar. „Die Kamera“, der dritte Band von Adams’ Trilogie, ist zwar eher von historischem Interesse, aber natürlich kommt es auch heute auf die Kamera an.

Je größer der Sensor, sagt Walther, desto besser kann die Bildqualität sein – große Sensoren machen bei gleicher Auflösung größere Pixel möglich, die wiederum eine wichtige Voraussetzung für einen großen Dynamikumfang und ein geringes Rauschen sind. Mittelformat- und Kleinbildkameras sind daher solchen mit APSC-oder FourThirds-Sensor überlegen. Walther hat gute Erfahrungen mit der Pentax 645D gemacht, einem noch erschwinglichen Mittelformatmodell mit CCD-Sensor. Inzwischen zieht auch im Mittelformat die CMOS-Technologie ein, aber während Walther deren Überlegenheit bei hohen ISO-Werten eingesteht, scheinen ihm die Bilder von CCD-Sensoren bei niedrigen Empfindlichkeiten mehr Mikrokontrast (also den Kontrast zwischen benachbarten Pixeln) zu bieten – die Bilder wirken „crisper“.

Moderne Kameras der Oberklasse bewältigen einen Dynamikumfang von bis zu 14 Blendenstufen, womit sie ideale Bedingungen für die Anwendung eines digitalen Zonensystems zur Tonwertoptimierung gewährleisten.

Zu einem Sensor mit hoher Pixelzahl gehört auch ein hoch auflösendes Objektiv, das feinste Strukturen mit hohem Kontrast abbildet. Der vom Sensor registrierte Mikrokontrast kann nicht höher als der Kontrast des vom Objektiv erzeugten Bildes sein. Gerade in der Schwarzweißfotografie, in der ja allein Helligkeitsunterschiede das Motiv modellieren, sind der Mikrokontrast ebenso wie der Kontrast im Bild insgesamt entscheidend für die Bildwirkung. Objektive wie das Zeiss Otus 1.4/55 haben die Grenzen der Kontrastübertragung noch einmal weiter hinausgeschoben.

Der vollständige Beitrag, mit weiteren Ausführungen zum Arbeitsplatz, Bildbearbeitung, Drucker, Treiber oder RIP etc. ist in der DOCMA-Ausgabe Mai 2015 veröffentlicht.

Fotografische Anwendungen 12 / 2015

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1 Kommentare

Habe neulich erstmals einen Workshop zu Fine Art belegt, einfach genial. Man kann so viel mehr aus seinen Fotos rausholen. Mich hat auch fasziniert, wie viele tolle Papiere es gibt.

von Siggi
04. Dezember 2015, 08:41:01 Uhr

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