Kaufberatung Multikopter

Fliegendes (Weihnachts)geschenk

Kaufberatung Multikopter
Multikopter mit Kamera – auch Fotodrohnen genannt – haben in den letzten Monaten für Furore gesorgt. Sie ermöglichen faszinierende Aufnahmen aus neuer Perspektive. Wer sich eine solche fliegende Kamera zulegen möchte, sieht sich einem breiten Spektrum an Produkten gegenüber. Wir erklären, welche Modelle für wen sinnvoll sind.

Multikopter sind ähnlich wie Kameras mittlerweile zu einer eigenen, recht breit gefächerten Produktklasse geworden. Der Einstieg ist für unter 100 Euro möglich. Nach oben sind bei Profisystemen jenseits der 50.000 Euro kaum Grenzen gesetzt. Die Preisspanne kommt zum einen durch unterschiedlich robuste Bauteile zustande, zum anderen durch unterschiedliche Kamerasysteme. Ein moderner Foto-Multikopter besteht nämlich nicht nur aus dem eigentlichen Fluggerät, sondern bringt in der Regel auch eine Kamera mit. Deren Leistungsfähigkeit unterscheidet sich je nach Preisgruppe deutlich. Vom einfachen System mit niedriger Auflösung bis hin zu hochwertigen Sensoren und Objektiven, mit denen selbst Video-Aufnahmen in 4K realisiert werden können, reicht das Spektrum. Für Aufzeichnungen in allerhöchster Qualität und bei besonderen Brennweiten-Anforderungen können auch leichte kompakte Systemkameras eingesetzt werden.

Zur Kamera kommt eine kardanische Aufhängung, die die Flugbewegungen software-gesteuert ausgleicht. Ohne sie wird man beim Betrachten eines Kopter-Filmes nämlich leicht seekrank. Wer filmen möchte, für den ist ein solcher „Gimbal“ unerlässlich. Experten wie der Hamburger Profi-Luftbildfotograf und Trainer Ulrich Wirrwa empfehlen, ein Komplettsystem von Kopter, Kamera und Gimbal aus einer Hand zu kaufen. „In der Regel funktioniert das am besten, da dann alle Elemente auf einander abgestimmt sind.“ Andernfalls kommt es doch leicht zu Vibrationen und damit zu Wacklern im Bild.

Neben Kopter und Kamera sind die Steuerungsmöglichkeiten je nach Preisklasse deutlich unterschiedlich. Moderne Systeme bieten mittlerweile Fernsteuerungen mit Bildschirm und LiveView. Experte Wirrwa rät, darauf zu achten, dass auch der Akku-Ladezustand jederzeit angezeigt wird. Seine Kenntnis ist essentiell, damit man das Gerät sicher landen kann, da die Flugzeiten erheblich variieren können. Mittlerweile bieten einige Systeme auch zusätzlich die Fernsteuerung per Smartphone. Das kann als weitere Option sehr praktisch sein. Ein wichtiger Punkt ist weiterhin eine mögliche separate Steuerung von Kopter und Kamerasystem. Vor allem wer professionelle Aufnahmen in schwierigem Umfeld realisieren möchte, ist damit gut bedient.

Die Vier-Klassen-Gesellschaft: Vom Einsteiger- bis zum Profi-System

Versucht man das Angebot an Multikoptern nach den vorgenannten Punkten einzuteilen, kommt man auf die nachstehend aufgeführten vier Klassen:

Die Sonderklasse für Einsteiger: Intelligente Mini-Drohnen

Mini
Diese Spezialgeräte kommen gerade in Mode. Es handelt sich um kleine Multikopter, die man im Prinzip in die Tasche stecken kann. Über eingebaute Näherungssensoren vermeiden sie Kollisionen und können sogar aus der Hand starten und landen. Ihr Einsatzgebiet ist da, wo der Selfie-Stick nicht mehr ausreicht und ein großer Multikopter nicht erlaubt oder überdimensioniert wäre. Sie verfügen über eine Kamera mit wenigen Megapixel und HD-Video. Die Steuerungsmöglichkeiten sind jedoch sehr beschränkt, denn man kann einzig über eine Smartphone-App auf sie zugreifen.

Die Einsteiger-Klasse ab etwa 1.000 Euro

Einsteiger
Wer mit seinem Multikopter brauchbare Videos erstellen möchte, die nicht nur mal einen ruckeligen Blick von oben zeigen, muss ab etwa 1.000 Euro investieren. Experte Wirrwa rät in dieser Klasse von noch preisgünstigeren Geräten ab. „Alles Billigere hat keine professionellen Gimbals und eignet sich daher allenfalls für Schnappschüsse aus dem eigenen Garten.“ Auch Navigations- und Sicherheitsanwendungen, etwa zur Überwachung des Akku-Status, fehlen bei den ganz günstigen Geräten. „So kann man aus einem vermeintlichen Schnäppchen schnell ein Schrotthaufen werden, wenn die Drohne nicht mehr sicher gelandet werden kann“, gibt Koptertrainer Wirrwa zu bedenken. Er rät daher eher zum Sparen auf ein sinnvolles System. Wem es mehr um den Spaß geht, dem empfiehlt Wirrwa Mini-Drohnen, die ab etwa 300 Euro erhältlich sind.

Die Mittelklasse ab etwa 3.500 Euro

Kaufberatung Multikopter
Für die nächste Kopterklasse muss man deutlich tiefer in die Tasche greifen: Ab etwa 3.500 bis rund 10.000 Euro bekommt man ein System, das auch für Profis brauchbar ist. In dieser Klasse werden bei den Kameras Sensoren in Größe des MicroFourThirds-Systems geboten, die vor allem in punkto Rauscharmut eine deutliches Plus an Bildqualität bewirken. Sie liefern ab 12 Megapixel Auflösung und Video in 4K. Auch ein professioneller Gimbal gehört in dieser Klasse zum Paket. Manche Systeme bieten als Bonbon einen abnehmbaren Gimbal mit separatem Steady-Grip an, der auch für Handaufnahmen verwendet werden kann. Das ist sehr praktisch, wenn man auch ohne Kopter viel filmt. Dem Profi-Anspruch gemäß lassen sich bei diesen Systemen zwei Fernbedienungen anbringen und damit Kopter und Kamera separat ansprechen. Als zusätzliches Plus bringen solche Systeme in der Regel einen Koffer mit und sind so kompakt sowie sicher zu transportieren und innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit.

Die Oberklasse für ab etwa 10.000 Euro

Profi
Wem die genannten Aufnahmemöglichkeiten nicht ausreichen und wer eine professionelle kompakte Systemkamera zur Aufnahme einsetzen möchte, der muss beim Kopter für das Gesamtsystem rund 10.000 Euro investieren. Hier sind nämlich leistungsfähige Akkus ebenso von Nöten wie eine hohe Stabilität und Redundanzen der Systeme. Dadurch wird in der Regel ein Gewicht von über 5 kg erreicht und muss derzeit noch jeder Flug einzeln angemeldet werden. Hier sind wir also endgültig in der Profiklasse angekommen und Betrieb sowie Anschaffung entsprechend aufwendig. Immerhin steigt auch der Service der Hersteller. Einige bieten als Teil des Gesamtpaketes eine kostenlose Einweisung in das hochwertige Fluggerät an. Wer Aufnahmen in Kino-Qualität wie bei James Bond machen will, muss übrigens noch viel tiefer in die Taschen greifen. Auf der Multikopter-Fachtagung in Ammersbek (wir berichteten) wurde zum Beispiel ein System von CineFlight mit einer RED-Kamera für über 50.000 Euro gezeigt, das bei den Aufnahmen für die Serie „Deutschland von oben“ eingesetzt wurde. Es wurde übrigens von einem professionellen Airbus-Piloten geflogen, der schon seit Jahren auch seine Leidenschaft für Multikopter pflegt.

Sonderklasse: FPV-Racer

FPV-Racer
Wem es statt aufs Fotografieren eher auf den Spaß beim Fliegen ankommt, der sollte sich mal so genannte „FPV-Racer“ anschauen. Das sind Rennmaschinen, deren Flug durch Hindernisse per Videobrille oder am Monitor überwacht wird. Die Qualität der Aufzeichnungs-Kamera – wenn denn vorhanden – ist in der Regel nicht besonders gut und ein Gimbal fehlt ganz. Bei ihnen geht es schlichtweg nicht darum, die anderen mit einem besseren Bild, sondern in spannenden Zweikämpfen mit besseren Flugeigenschaften auszustechen.

Fazit: Zubehör nicht vergessen und in Ausbildung investieren

Multikopter-Experte Wirrwa gibt allen angehenden Piloten zum Schluss noch den Kauftipp, einen oder besser gleich mehrere Ersatz-Akkus nicht zu vergessen und sich über Lagerung und Pflege der Akkus zu informieren. Außerdem empfiehlt er, bei Kameras mit 4K-Aufzeichnung auf ausreichend schnelle Micro-SD-Karten zu achten. (siehe dazu auch unseren Beitrag). Um ärgerliche Datenverluste zu vermeiden, rät er von No-Name-Billigspeicherkarten dringend ab. Schließlich legt er angehenden Piloten einen Kurs ans Herz. Der dient nicht nur dazu, einen mit dem Fluggerät vertraut zu machen, sondern auch die umfangreichen und sich laufend ändernden Vorschriften nahe zu bringen (siehe dazu auch unseren Beitrag). Dazu gehören zum Beispiel die vorgeschriebene Kopterversicherung sowie Flugverbotszonen und Genehmigungspflichten.

Fotografische Anwendungen 12 / 2015

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2 Kommentare

Schau mal bei Calumet.

von Rene
10. Dezember 2015, 07:07:44 Uhr

Ich finde Dronen für Kamerafahrten einfach Spitzenklasse. Gibt es eigentlich auch Verleiher für High-End-Copter?

von Philipp
09. Dezember 2015, 11:11:59 Uhr

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