Luftbildfotografie: Fotografie neu aufgehängt - Am Boden und in der Luft

Nein, der Gimbal ist kein seltener Vogel! Im Gegenteil, seit dem wachsenden Trend zur Luftbildfotografie mit Multicoptern ist das als Gimbal bezeichnete Kardangelenk für Luftbildkameras immer häufiger im Einsatz. Waren sie zunächst nur in der Luft anzutreffen, so finden Gimbals neuerdings auch immer häufiger am Boden zur Stabilisierung von Film- und Fotoaufnahmen mit Handkameras Anwendung.

Der neue Höhenflug der Luftbildfotografie, zur Beobachtung unserer Welt aus der Vogelperspektive, hat überraschenderweise auch den Fotografen und Filmern mit Bodenhaftung einige Erleichterungen gebracht: Dynamische Actionaufnahmen aus der Hand lassen sich durch die neuartigen Kardanaufhängungen und Steuermöglichkeiten der kleinen und leichten, aber dennoch hochauflösenden Copter-Kameras deutlich einfacher realisieren.

DJI OSMO System
Was in der Luft begann, erobert nun auch die Fotografie am Boden. Die Platzhirsche im Markt der Fotodrohnen, DJI und Yuneec, wollen sich nicht mehr damit zufrieden geben, ruckelfreie Filmaufnahmen in der Luft zu ermöglichen, sie wollen ihre Technik auch am Boden etablieren. Dazu entwickelten sie zunächst einmal spezielle Handgriffe, mit denen sich ihre Luftbildkameras zusätzlich für Actionaufnahmen aus der Hand verwenden lassen. So präsentierte DJI vor wenigen Wochen sein erstes Stabilisierungssystem für Handkameras. Das OSMO System ist – vereinfacht beschrieben – die bewährte DJI Gimbal-Aufhängung für die Copter-Kameras, kombiniert mit einem Handgriff. Letzterer besitzt zudem für Tonaufnahmen ein integriertes Stereomikrofon sowie einen zusätzlichen Klinkenstecker für die externe Tonaufzeichnung. Das OSMO Bildstabilisierungssystem ist kompatibel zu der gesamten Palette der aktuellen Luftbildkameras von DJI. Es lassen sich aber auch Geräte von anderen Herstellern verwenden. Das entscheidende Hindernis dabei ist jeweils die Kompatibilität der Aufhängung und der Steuerschnittstellen. Die entsprechenden Kameras vorausgesetzt, lassen sich mit dem OSMO System relativ preiswert Filme in TV oder sogar Kinoqualität sowie entsprechend auflösende Fotos in 4K herstellen, die früher einen deutlich höheren technischen und finanziellen Aufwand erforderten.

Herkömmliche Stabilisierungssysteme für Handheld-Kameras sind sperrig und schwierig einzurichten. Das Osmo System verwendet die gleiche 3-Achsen-Kamerastabilisierung wie die Luftbildaufnahmegeräte und sorgt auch unter extremen Bedingungen noch für stabile Videoaufnahmen.

Da die DJI Luftbildkameras keine eigenen Displays besitzen, sondern über externe Geräte, u.a. auch Smartphones oder Tablets, vom Boden aus gesteuert werden, verfügt der OSMO Handgriff auch über eine Smartphone Halterung. So können Anwender per LiveView ihre Handheldactionaufnahmen einfach steuern und kontrollieren.

Wesentliche Voraussetzung für die Kamerakompatibilität bei der Bodenoffensive der Luftbildexperten sind die Schnittstellen, um die benötigten Funktionen, ob die Kamera nun am Fotocopter oder am Gimbal-Handgriff angebracht ist, fernsteuern zu können. Schon heute lassen sich alle Zenmuse Luftbildkameras (X3, X5, X5 RAW) auch am OSMO System für hochwertige Aufnahmen am Boden verwenden. Der Copter-Spezialist will jedoch seine Bedeutung im Bereich der Foto- und Filmkameras weiter ausbauen und erwarb dazu eine Minderheitenbeteiligung an der Traditionsfirma Hasselblad.

Yuneec Steady Grip
Aber auch Yuneec, ein führender Hersteller von elektrisch betriebenen Fluggeräten für die bemannte und unbemannte Luftfahrt, sieht sich bei der Entwicklung seiner Luftbildkameras wieder am Boden angekommen. Für Actionaufnahmen am Boden mit der Handheld-Kamera stellte das Unternehmen ebenfalls einen Steady Grip vor, der sich mit allen Yuneec Luftbildkameras verwenden lässt. Bei der Zusammenarbeit mit traditionellen Kameraherstellern setzt der Marktführer für Elektroflugzeuge auf die Mitglieder des Micro Four Thirds Lagers. Erst kürzlich präsentierte Yuneec die neue CGO4-4K-Kamera für die Fotografie am Boden und in der Luft. Dabei handelt es sich um eine umgebaute Panasonic GH4, an der sich auch die Objektive von Olympus verwenden lassen.

CGO4-4K-Kamera
Während die Bodenoffensive der neuen Luftbildspezialisten schon voll angelaufen zu sein scheint, haben auch einige der traditionellen Kamerahersteller ihre Ansprüche auf die Lufthoheit in der Fotografie angemeldet. So arbeitet Sony bereits an einer eigenen Lösung für unbemannte Fluggeräte, wobei entsprechende Kameras sicher nicht fehlen werden. Panasonic kooperiert mit Yuneec ebenso wie Olympus und Leica. Olympus hat im Heimatmarkt Japan bereits ein Smartphone gesteuertes Kameramodell namens AIR vorgestellt. Und wie bereits oben aufgeführt hat DJI eine Beteiligung an Hasselblad erworben, wo man auf eine langjährige Erfahrung mit exterrestrischer Fotografie zurückgreifen kann.

Wie die Erfahrungen aus der Luftbildfotografie die Möglichkeiten für das Fotografieren und Filmen am Boden erweitern werden und umgekehrt, wird die kommende photokina umfassend vom 20. bis 25. September 2016 in Köln zeigen, wo alle führenden Player in diesen Bereichen ihre aktuellsten Innovationen der Öffentlichkeit präsentieren werden.

Fotografische Anwendungen 12 / 2015

39 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
3 Kommentare

Vielen Dank für deine Erklärung! Die von dir genannten Sigma-Objektive sind zwar beide sehr gut und lichtstärker, aber vor allem das 24 mm f1.4 Art ist ja kein UWW wie das 10-20 mm f3.5. Was macht in diesem Fall mehr Sinn? Die Brennweite oder die Lichtstärke?

von nubinou
03. Januar 2016, 00:59:28 Uhr

Für Luftbildfotografie würde ich eher eine starke Drohne + Sony A7R II + Sigma 20mm f/1.4 oder 24mm f/1.4 ART. Natürlich ist die Kombination sehr teuer, aber die Ergebnisse wären auch wesentlich besser, besonders für Landschaften.

von Oskar
31. Dezember 2015, 11:30:44 Uhr

Vielen Dank für den sehr interessanten Artikel! Wird man dieses Kardangelenk auch mit DSLR verwenden können? Weil ich stelle mir die Kombination mit meinem 10-20 mm f3.5 von Sigma richtig gut vor. Luftbildfotografie im Zusammenhang mit einem UWW wäre denke ich purer Wahnsinn.

von nubinou
29. Dezember 2015, 21:26:19 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden