Objektive von Drittanbietern - Der besondere Reiz der Fremden

VM 10 mm / F 5,6 Hyper Wide Heliar
VM 10 mm / F 5,6 Hyper Wide Heliar
Auflösungsvermögen, Lichtstärke und Brennweite sind die wichtigsten optischen Kerngrößen, nach denen sich die Qualität eines Objektivs bemisst. Doch neben der höchstmöglichen Abbildungsleistung kommen auch mehr und mehr Eigenschaften in Mode, die kreative Optionen oder Spezialeinsatzmöglichkeiten in den Fokus rücken. Einige dieser immer häufiger nachgefragten Sondereigenschaften von Objektiven haben wir hier nachstehend zusammengestellt.

Objektive sind stets ein Kompromiss aus dem technisch Möglichen und kaufmännisch Sinnvollen. Um sicherzustellen, dass sie sich für eine möglichst große Zahl potenzieller Anwender eignen, müssen ihre Entwickler einen optimalen Kompromiss zwischen Baugröße, Preis und Leistung finden. Wo angesehene Hersteller am seltensten zu Kompromissen bereit sind, ist in der Regel die Abbildungsleistung. So berufen sich zumindest bei ihren Premiumprodukten nahezu alle Hersteller auf eine „kompromisslose Abbildungsleistung“.

Schön unscharf

Lensbaby Composer PRO II inkl. Edge 50
Lensbaby Composer PRO II inkl. Edge 50
Aus kreativer Sicht ist eine kompromisslose Schärfe allerdings nicht unbedingt immer das bevorzugte Mittel, um eine bestimmte, emotionale Bildwirkung zu erzielen. Oftmals wird eine ganz spezielle Aufteilung von scharfen und unscharfen Bildelementen gewünscht, die den Blick des Betrachters führt. Der bewusst gestaltete Verlauf von scharfen und unscharfen Zonen im Bild macht häufig den ganz besonderen Reiz einer Fotografie aus. „Normale“, auf höchste Abbildungsleistung getrimmte Objektive liefern eine optimale Schärfe bei allen Einstellungen bis hin in die äußersten Bildecken. Spezialobjektive, wie beispielsweise der Marke Lensbaby ermöglichen es dagegen, durch ihre besondere Konstruktion den Strahlengang zu beeinflussen und liefern so beispielsweise einen scharfen „Hot-Spot“ in der Bildmitte, während sie das Umfeld in sanfte Unschärfe tauchen.

Petzval
Petzval
Die Schärfenausdehnung einer fotografischen Aufnahme hängt vom Abbildungsmaßstab und der verwendeten Blendenöffnung ab. Zudem beeinflusst die Form der Blende den Unschärfeverlauf beziehungsweise die unscharfe Darstellung bestimmter Bildelemente. Was früher Optikkonstrukteure als Abbildungsfehler sorgfältig korrigierten, wird nun in einigen aktuellen Fremdobjektiven zum Verkaufsargument. So erleben Objektiv-Highlights aus der Frühzeit der Fotografie geradezu eine Renaissance. Die Wiederauflage legendärer Kameraoptiken, wie beispielsweise das für seine besonderen Eigenschaften für Porträtaufnahmen weltberühmt gewordene Petzval Objektiv wurde von der Lomographischen Gesellschaft mithilfe einer „Crowd-Funding“ Aktion von Kickstarter neu aufgelegt. Ebenso fanden die für ihr Seifenblasen-Bokeh beliebten, lichtstarken Objektive der Marke Meyer-Görlitz erneut Einzug in die Digitalfotografie. Weitere Remakes mit nostalgisch klingenden Namen früherer Objektivraritäten schicken sich an, dem wachsenden Markt für Wechselobjektive kreative Impulse zu geben. Klangvolle Marken und Typenbezeichnungen wie zum Beispiel Heliar, Trioplan, Tessar oder Nokton, aus der Hochzeit der analogen Fotografie erscheinen erneut im Rampenlicht der digitalen Fotografie.

Meyer-Optik Görlitz Trioplan 100mm f/2.8
Meyer-Optik Görlitz Trioplan 100mm f/2.8

Lichtstark und kompromisslos scharf bis in die Bildecken

Walimex Pro 21mm VCSC
Walimex Pro 21mm VCSC
Am anderen Qualitätsende der Fotografie überschlagen sich die Kamerahersteller mit ständig neuen Pixelrekorden. Auch diese beflügeln die Angebote der systemunabhängigen Objektivhersteller, wie etwa Zeiss, Sigma oder Tamron, die neue optische Hochleistungsprodukte entwickelt haben. Sie können sich einer nie dagewesenen Abbildungsqualität rühmen und zudem noch extrem großer Bildwinkel bis hin zum Ultraweitwinkelbereich sowie sehr großer Anfangsöffnungen, wie beispielsweise das 20mm F1,4 DG HSM der renommierten Sigma ART Serie. Auch die neuen Objektive von Zeiss stoßen in diese sich neu öffnende Lücke von Objektiven für Kameras mit höchstauflösenden Sensoren vor. So versprechen die Objektive der Zeiss Otus Produktlinie Mittelformatqualität mit hochauflösenden Kleinbildkameras.

Da bewegt sich was

Fujifilm XF 35mm f/2 Wetterfest
Fujifilm XF 35mm f/2 Wetterfest
Seit das Laufbild, also Videos, die Fotokameras erobert hat, wird auch der Wunsch nach speziellen Videoobjektiven immer lauter. Zwar noch in der Nische, aber im wachsenden Interesse vieler Filmer stehen sogenannte Cine-Objektive, die von unterschiedlichen Herstellern, wie Samyang, Walimex, aber auch so angesehenen Markenherstellern wie Leica und Zeiss, für DSLR und DSLM Kameras entwickelt werden. Einige von ihnen haben höchste Auszeichnungen, wie beispielsweise den technischen Oscar, erringen können. Hauptmerkmale dieser Objektive, die praktisch in allen gängigen Brennweiten angeboten werden, sind, neben ihren meist hohen Lichtstärken für ein schönes Bokeh, vor allem mit Zahnrädern versehene Einstellringe für die motorische Belichtungs- und Schärfensteuerung. Bei manchen video-optimierten Objektiven lässt sich die Blendenrastung ausschalten, um sie stufen- und geräuschlos verstellen zu können. Hochwertige Sonderoptiken für Filmer zeichnen sich auch dadurch aus, dass ihre Zahnräder identische Durchmesser besitzen, so dass sie beim schnellen Wechsel die Steuergeräte nicht neu justiert werden müssen. Eine weitere Besonderheit dieser Objektive sind die Drehwinkel für die Entfernungseinstellung. Auch sie sind bei Premium-Serien bei allen Brennweiten gleich. Diese Eigenschaft macht Neujustierungen von Follow-Fokus-Einrichtungen beim Objektivwechsel überflüssig. Ganz gleich ob 24, 35 oder 85 mm Brennweite, der Drehwinkel für die Entfernungseinstellung von beispielsweise unendlich auf 5 Meter sollte bei einer solchen Objektivreihe für alle Brennweiten identisch sein, um so ein komfortables Arbeiten zu ermöglichen.

Nicht jeder Hersteller von Kameras mit Wechselobjektiven kann für jede Anwendung das optimale Objektiv mit der gewünschten Brennweite und Lichtstärke anbieten. Durch das kürzere Auflagemaß der kompakten Systemkameras ist es nun jedoch möglich, mit entsprechenden Adaptern auch Objektive anderer Hersteller an diesen Systemen zu verwenden. So muss nun niemand mehr auf sein Wunschobjektiv an seiner Traumkamera verzichten, denn immer öfter kommt zusammen, was nicht zusammengehört.

Fotografische Anwendungen 11 / 2015

16 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
1 Kommentare

Das ear sehr interessant.danke

von Botti Verena
04. November 2015, 13:34:24 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden