Dia-Gucki 3.0 - Virtual Reality-Betrachtungsbrille fürs Smartphone

Virtual Reality-Betrachtungsbrille fürs Smartphone
Die räumliche Bilddarstellung – ob in 3D oder schick als „Virtual Reality“ – ist seit einiger Zeit wieder im Aufschwung. Statt teurer Spezialbrillen wie der Oculus Rift ermöglicht uns Google mit seinem Projekt „Cardboard“ (auf Deutsch „Pappkarton“) einen 3D-Eindruck mit einer simplen Pappkonstruktion. Darin wird als Bildschirm ein Smartphone eingespannt. Mit Google Cardboard kann man nicht nur rasante Computerspiele erleben, sondern auch eigene Panorama-Fotos mit dreidimensionalem Eindruck betrachten. Dafür ist praktischerweise nicht mal eine mühsame eigene Aufbereitung der Bilddaten für 3D nötig – die erledigt die Google Cardboard-App automatisch.

View-Master mit Scheiben
Die Seherfahrung beim Cardboard erinnert ein bisschen an die mit den Bildbetrachtern der 1950-er Jahre – View Master war seinerzeit der bekannteste Markenname. Die Älteren unter den Lesern werden sich vielleicht noch an die rotierenden Scheiben mit jeweils zwei leicht verschobenen stereoskopischen Bildern erinnern, die beim Durchschauen einen dreidimensionalen Eindruck ermöglichten (siehe auch unseren Beitrag „Faszination Stereoskopie“).

Ganz ähnlich ist es bei Cardboard: Auch bei der modernen Variante des Dia-Guckis wird ein stereoskopisches Bild betrachtet. Die passende „Cardboard“-App von Google erzeugt auf dem Smartphone-Bildschirm automatisch zwei leicht verschobene Teilbilder.

Stereoeindruck
Wer den Kopf bewegt, bemerkt einen entscheidenden Unterschied zum alten Dia-Gucki: Die 3D-Brille reagiert auf die eigenen Kopfbewegungen und erlaubt damit etwa das Herumschauen in einem Panorama. Der Bildeindruck ist überraschend realistisch und ähnlich wie früher bei den Dia-Guckis macht es Spaß, sich quasi in die Bildbetrachtung zu versenken.

Der Einstieg: Leicht für alle mit Android-Smartphone

Wer sich selbst eine solche Brille zulegen möchte, muss nur wenig investieren: Für etwa 10 Euro sind Selbstbausätze im Internet bei den üblichen Marktplätzen bestellbar. Wer Wartezeit in Kauf nimmt, bekommt die Variante aus China sogar für unter 5 Euro (inklusive Versandkosten).

Bausatz
Geliefert wird ein Pappstanzbogen mit eingelassenen bikonvexen Linsen und einem Magnet- oder Klettverschluss. In weniger als 10 Minuten ist die Brille zusammengebaut und es werden nicht mal Schere oder Kleber benötigt.

Wer gerne bastelt, kann sich sogar kostenlos Baupläne als PDF herunterladen. Da noch bikonvexe Linsen dazu bestellt werden müssen, lohnt sich das finanziell aber kaum.

Bausatz
Die höhere Hürde ist das nötige Smartphone: Da Google die Entwicklung vorantreibt, ist die nötige Betrachtungs-App derzeit nur für das hauseigene Betriebssystem Android in neueren Versionen (ab 4.1) verfügbar. Cardboard-Bausatz-Hersteller wie Dodocase haben aber schon eine App für iOS von Apple herausgebracht. Wer ein passendes Smartphone hat, muss dann nur noch die zugehörige App herunterladen. Für Android-Geräte ist es „Cardboard“, das im Play Store kostenlos bereitsteht und in der Regel per auf der Brille aufgedrucktem QR-Code zielsicher erreicht werden kann. Die App startet mit einer Auswahl an kleinen Icons, die man per Kopfdrehung und dann einen Klick auf den Magnetschalter auswählen kann. Im letzten Menüpunkt „Photosphere“ bietet Cardboard die Möglichkeit, sich Panoramen anzusehen. Das ist beeindruckend, da man in ihnen fast wie im realen Raum mit einer Kopfdrehung herumschauen kann. Wer eigene weitere Panoramen erstellen möchte, benötigt dazu nur die konventionelle Android Kamera-App, die standardmäßig einen Photosphere-Modus mitbringt. Cardboard rechnet die damit erstellten Photospheres selbsttätig so um, dass der dreidimensionale Eindruck entsteht. Wer vom 3D-Eindruck nicht genug bekommen kann, findet auf Websites wie sphereshare.net zahlreiche Beispiele anderer zum Herunterladen auf das eigene Smartphone. Wem das stehende Bild nicht ausreicht, der kann mit der Cardboard-Datenbrille auch YouTube-Videos und interaktive Spiele betrachten.

Fotografische Anwendungen 02 / 2015

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