GDT Europäischer Naturfotograf des Jahres 2012 entschieden

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© Tommy Vikars, Der Sterngucker

„GDT Europäischer Naturfotograf des Jahres 2012“ wurde der finnische Fotograf Tommy Vikars mit seinem Bild „Der Sternengucker“. Das Bild zeigt in Finnland ausgewilderte Weißwedelhirsche in einer Winternacht an ihrem Futterplatz. Für diese Aufnahme verbrachte Vikars viele Stunden im nächtlichen Wald: „Es war in der Dunkelheit oft nur sehr schwer zu erkennen, was sich am Futterplatz abspielte, und so misslangen viele Bilder. Oft bewegten sich die Tiere während der langen Belichtung zu schnell oder in eine falsche Richtung.“

Tommy Vikars arbeitete mit einer versteckten Kamera, die er per Fernauslöser bedienen konnte. Er selbst saß etwa 50 Meter vom Futterplatz entfernt in einer Hütte und beobachtete das Geschehen auf dem Display einer zweiten Kamera, die er mit einem 300er bestückt hatte.

Die internationale Jury nahm dieses Bild auf Anhieb in die engste Auswahl: das Motiv ist traumhaft schön, atmosphärisch sehr dicht und absolut überzeugend. Juror Manuel Presti weiter: „Das Bild vereinigte Ästhetik, technisches Können, Emotionen, Magie und Innovation und erzählte darüber hinaus auch eine Geschichte über das Leben wilder Tiere. Umso mehr haben wir uns alle bei der Kontrolle der RAW-Datei gefreut, feststellen zu können, dass der Autor auch sehr ehrlich bei der Nachbearbeitung vorgegangen war.“

Tommy Vikars ist ein „Waldmensch“ mit Leib und Seele: „In manchen Jahren verbrachte ich fast meine gesamte Freizeit im Wald. Anfangs fotografierte ich gar nicht so viel, wanderte lieber umher und dachte darüber nach, welche Faszination der Wald auf den Menschen ausübt, wie viele Geheimnisse dort zu entdecken sind, und dass ich mich bei diesen Wanderungen glücklich und gesund fühlte und viel mehr bei mir war als an anderen Orten. Diese Gefühle versuchte ich auch, mit meinen Bildern zum Ausdruck zu bringen. Ich wollte das Wesen des Waldes, seinen Geist, einfangen. Noch immer ist mein Blockhaus eine Art Rückzugsort für mich, doch inzwischen fotografiere ich vermehrt in der Nähe meiner Heimatstadt Norrnäs, die an der Küste liegt. Es gibt dort mehr Tierarten, die ich fotografieren kann, und ich liebe das späte Abendlicht in dieser Region. Die meisten Aufnahmen entstehen ganz in der Nähe, innerhalb eines Umkreises von etwa 30 Kilometern.“

Vikars erhält damit den von der Firma CANON gesponserten und mit 2.000 Euro dotierten Preis. Mit seinem Bild setzte er sich gegen rund 12.500 eingereichte Arbeiten von Fotografen aus 27 Ländern durch. Der Preis wurde von der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen zum 12. Mal vergeben und richtet sich an Amateur- und Profifotografen aus ganz Europa.

Den ebenfalls mit 2.000 Euro dotierten internationalen Sonderpreis „Fritz-Pölking-Preis“, den die GDT in Kooperation mit dem Tecklenborg-Verlag auslobt, konnte bereits zum zweiten Mal der Deutsche Ingo Arndt für sich entscheiden. Juror Theo Bosboom: „Wir Juroren waren uns einig, dass er mit seinem Fotoprojekt „Neues Leben“, das sich mit dem Schlupf von Insekten und Reptilien beschäftigt, ein ungewöhnliches Thema gewählt hat, das fotografisch durchgängig auf höchstem Niveau ausgearbeitet wurde, und das uns Bilder präsentiert, die man so noch nie zuvor gesehen hat.“

Wieder einmal war die Jury positiv überrascht von den Einsendungen zum „Fritz Pölking Nachwuchspreis“. „Die jungen Fotografen scheinen oft viel kreativer zu sein, mutiger in ihrer Bildsprache und weniger verhaftet im alten Regelwerk der Fotografie.“ Am Ende fiel die Wahl einstimmig auf Zoltán Gergely Nagy, einen jungen Fotografen aus Rumänien. Seine Story über die Stare in Blackpool wurde kreativ und kohärent umgesetzt und umfasst zudem eine Reihe von ausgesprochen starken Einzelbildern.

Schirmherrin Prof. Dr. Beate Jessel vom Bundesamt für Naturschutz (BfN): Wieder einmal kann der Wettbewerb „GDT Europäischer Naturfotograf des Jahres“ mit einer Vielzahl meist ungewöhnlicher, in jedem Fall aber authentischer Fotos überzeugen. Was mich dabei besonders beeindruckt, ist, dass es gar nicht immer die zweifelsfrei faszinierende Natur exotischer Destinationen ist, die hier den Ton angibt. Im Gegenteil, es sind für mich die eher „normalen“ Motive, an denen die Künstler ihre besonderen fotografischen Fähigkeiten beweisen: Mit ihren Kameras komponieren sie witzige, überraschende oder poetische Bilder, die sich für jeden Betrachter individuell zu kleinen oder großen Geschichten entwickeln lassen.

Ein solches Bild voller Geschichten ist auch das Siegerfoto des diesjährigen Wettbewerbs. Der Titel „Sterngucker“ steht für die stimmungsvolle, dichte Atmosphäre dieses einmaligen Fotos des Finnen Tommy Vikars. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich viele Betrachter seinem Bann entziehen können. Bei den Tieren, die hier so friedlich im Bilde stehen, handelt es sich übrigens um „Neubürger“ – sogenannte Neobiota. Die Weißwedelhirsche sind nämlich ursprünglich in Nordamerika heimisch.

Der Wettbewerb „GDT Europäischer Naturfotografen des Jahres“ wird jährlich von der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen ausgeschrieben. In acht verschiedenen Kategorien sowie dem „Fritz Pölking Preis“ und dem „Fritz Pölking Jugendpreis“ können Arbeiten eingereicht werden. Die mit Markus Botzek (Naturfotograf, Deutschland), Anders Geidemark (Naturfotograf, Schweden), Rosamund Kidman Cox (Bild-Redakteurin und Autorin, Großbritannien), Laurent Geslin (Naturfotograf, Frankreich), Manuel Presti (Naturfotograf, Italien), Dieter Damschen (Naturfotograf, Deutschland) und Sven Začek (Naturfotograf, Estland) hochkarätig besetzte Jury machte sich ihre Entscheidung auch in diesem Jahr nicht leicht.

Die Sieger der einzelnen Kategorien:

In der Kategorie Vögel gewann das Bild „Mystisch und geheimnisvoll“ des Italieners Markus Zadra. Mit der Aufnahme „Dachs im Unterholz bei Dämmerlicht„ konnte sich Florent Cardinaux aus Frankreich in der Kategorie Säugetiere durchsetzen. „Im fliegenden Sand“ heißt das Siegerbild des Deutschen Uwe Hasubek, GDT, in der Kategorie Andere Tiere. Sébatien Lamadon aus Frankreich siegte mit seinem Bild „Im Herzen des Frühlings“ in der Kategorie Pflanzen und Pilze. Die Kategorie Landschaften entschied der Norweger Lars Andreas Dybvik mit „Winterwald“ für sich, in der Kategorie Unter Wasser siegte Cristóbal Serrano Pérez aus Spanien mit dem Bild „Verfolgungsjagd“. „Rettender Sprung“ nannte Ferenc Somodi aus Ungarn sein Siegerbild in der Kategorie Mensch und Natur, und mit „Happy feet“ gewann Knut-Sverre Horn, ebenfalls aus Norwegen, die Kategorie „Atelier Natur“.

Fotonachrichten 10 / 2012

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