Gerd Ludwig erhält den Dr.-Erich-Salomon-Preis 2014 der DGPh

Ein Straßenschild warnt vor der Gefahr radioaktiver Verstrahlung. Die romantische Stille starken Schneefalls in einer Winternacht lässt einen die überall in der Landschaft lauernde Gefahr beinahe vergessen. [In der Nähe von Prypjat, Ukraine 2011] © Gerd Ludwig/INSTITUTE Bildgalerie betrachten

Ein Straßenschild warnt vor der Gefahr radioaktiver Verstrahlung. Die romantische Stille starken Schneefalls in einer Winternacht lässt einen die überall in der Landschaft lauernde Gefahr beinahe vergessen. [In der Nähe von Prypjat, Ukraine 2011] © Gerd Ludwig/INSTITUTE

Der in den USA lebende deutsche Fotograf Gerd Ludwig wird mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 20. September 2014 im Rahmen der photokina statt. Dort werden in der Halle 1 der Leica Camera AG im Rahmen des Leica Ausstellungsprogramms auch Arbeiten aus Ludwigs umfangreichem Werk präsentiert. Die Laudatio wird Peter-Matthias Geade, Chefredakteur von GEO, halten.

Der seit 1971 alljährlich für „vorbildliche Anwendung der Photographie in der Publizistik“ vergebene Preis erinnert an Dr. Erich Salomon, den großen Fotografen der Weimarer Republik, dem der moderne Bildjournalismus starke Anregungen verdankt.

Mit Gerd Ludwig ehrt die DGPh einen der weltweit anerkanntesten Fotojournalisten, der in diesem Metier zu den wenigen Deutschen mit Weltgeltung zählt. Im Mittelpunkt seiner Fotografie stehen Umweltthemen und die Veränderungen in den Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Als Retrospektive der sozialen, ökonomischen und politischen Umwälzungen in der ehemaligen UdSSR erschien 2001 sein Buch Broken Empire – After the Fall of the USSR (Deutscher Titel: Russland – Eine Weltmacht im Wandel), parallel wurden die Fotos des Buches weltweit in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Besonders seine engagierte Berichterstattung über die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gilt als Meilenstein in der Geschichte des modernen Fotojournalismus. In der klassischen Tradition welterzählender Fotografie steht bei seinen Arbeiten immer das Schicksal des Menschen im Vordergrund. Er will mit seinen Fotos gleichermaßen die Seele berühren und den Horizont erweitern.

Reuel Golden, Autor und ehemaliger Chefredakteur des British Journal of Photography, schrieb in seinem Buch WITNESS – The World’s Greatest News Photographers über Gerd Ludwigs Werk: „Trotz der bitteren Realität sind Ludwigs Fotografien voll von ansteckendem Optimismus. Viele Fotojournalisten erliegen der Versuchung einer klischeebehafteten Darstellung und fotografieren das Land in kühler Farblosigkeit. Ludwigs Zugang ist mutiger und farbiger. Er lässt seine Sujets mit einem sicheren Blick für surreale Gegensätze, Kompositionen und Bildausschnitte menschlicher und vielschichtiger erscheinen.”

Gerd Ludwig wurde 1947 in Alsfeld, Hessen geboren. Nach dem Abitur studierte er zunächst Germanistik, Sport und Politikwissenschaft in Marburg. 1968 brach er sein Studium ab und tourte ein Jahr durch die USA und Skandinavien. Die Reise finanzierte er mit Gelegenheitsjobs als Maurer, Seemann und Tellerwäscher. Nach seiner Rückkehr begann er an der Folkwangschule Essen ein Studium der Fotografie bei Prof. Otto Steinert, das er als graduierter Photo-Designer abschloss.

1974 gründete Ludwig zusammen mit André Gelpke und Rudi Meisel VISUM, die erste deutsche Fotografenagentur, die nach dem Vorbild von MAGNUM das individuelle fotografische Werk betont. In der Folge arbeitete er weltweit, unter anderem im Auftrag von Spiegel, Stern, Geo, Zeit-Magazin, Merian und Art.

1984 zieht Ludwig nach New York, fotografiert 1989 erstmals für National Geographic Magazine. Seither gehört er dort mit dem Arbeitsschwerpunkt in Europa und der ehemaligen UdSSR zur Stammmannschaft. Im Auftrag von National Geographic Magazine photographiert Gerd Ludwig 1993 Umweltschäden in der ehemaligen UdSSR, dabei auch in Tschernobyl. Das Ergebnis präsentiert das Magazin auf 47 Seiten. 2005 kehrt er für mehrere Wochen in die Sperrzone und die vom radioaktiven Niederschlag betroffenen Gebiete in der Ukraine und Weißrussland zurück. Das politische Tauwetter in der Ukraine führt zu mehr Freizügigkeit und so bekommt er als erster westlicher Dokumentarfotograf die Erlaubnis, tiefer in den verstrahlten Reaktor vorzudringen. Im Frühjahr 2011 und zuletzt im September 2013 fotografiert Gerd Ludwig erneut im Reaktor und dessen Umgebung. Als Reminiszenz vieler Reisen in die Ukraine und Weißrussland erscheint im Mai 2014 sein dreisprachiger Bildband Der Lange Schatten von Tschernobyl (mit einem Essay von Michail Gorbatschow) in der Edition Lammerhuber in Baden, Österreich.

Neue Wege beschreitet Ludwig auch in der Finanzierung seiner Projekte. Nachdem es ihm nicht gelang, die Medien für eine Berichterstattung über den 25. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe zu interessieren, nutze er im Dezember 2010 als einer der ersten international anerkannten Dokumentarphotographen „Crowdfunding“ für die Finanzierung eines freien Projektes. Seine Kampagne erzielte über 23.000 $ für eine weitere Reise in die Reaktor-Sperrzone und übertraf den angestrebten Betrag um fast 100%. Dies ermöglichte ihm die Veröffentlichung eines digitalen Fotobuchs als interaktives, multimediales iPadApp unter dem Titel The Long Shadow of Chernobyl. Eine erneute Crowdfunding-Kampagne zur Unterstützung seines Tschernobyl-Buchprojektes endete jüngst ebenfalls erfolgreich mit dem Doppelten des ursprünglich gesetzten Fundraising-Zieles.

Heute lebt Gerd Ludwig in Los Angeles und besitzt inzwischen auch die amerikanische Staatsangehörigkeit. Er fotografiert immer noch vorwiegend für National Geographic, aber gelegentlich auch für andere renommierte Zeitschriften und Buchprojekte sowie für Werbeagenturen. Außerdem lehrt er an Universitäten und gibt weltweit Workshops. Seine Fotos werden international in Galerien und Museen ausgestellt.

Weitere Informationen: www.dgph.de

Änderungen vorbehalten.

Fotonachrichten 04 / 2014

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