21 Nationen waren zu Gast auf dem Internationalen Naturfoto-Festival der GDT

Die Gesellschaft Deutscher Tierfotografen GDT kann das 18. Internationale Naturfoto-Festival erneut als vollen Erfolg verbuchen. Von Freitag, den 29., bis Sonntag, den 31. Oktober fanden wie in jedem Jahr mehrere tausend Naturfotografen und Besucher aus der ganzen Welt den Weg in die Lippe-Stadt. 21 Nationen waren allein durch die Referenten und die zur Preisverleihung und Ausstellungseröffnung des Wettbewerbs „Europäischer Naturfotograf des Jahres 2010“ angereisten Sieger vertreten. Die Ausstellung zum Wettbewerb feiert traditionell ihre Premiere auf dem Internationalen Naturfoto-Festival in Lünen und tourt im Anschluss durch Deutschland und mehrere europäische Länder.

„Ghostly Cheetah“ heißt das Siegerbild der in London lebenden Britta Jaschinski. Mit diesem Bild setzte sich die Fotografin gegen mehr als 11.000 eingereichte Arbeiten aus 29 Ländern durch. Sieger des gemeinsam mit dem Tecklenborg-Verlag ausgelobten internationalen Sonderpreises „Fritz Pölking Preis“ wurde der Deutsche Solvin Zankl mit seinem Projekt über die Rückkehr der Meeresschildkröten in Costa Rica. Den Fritz Pölking Jugendpreis gewann der 17-jährige Pole Michal Budzynski mit seinem Portfolio „The Art of Light“ vor Radomir Jakubowski aus Deutschland (2. Platz) und Sam Cairns aus England (3. Platz).

Bereits zum vierten Mal wurde der von GEO und der Deutschen Wildtier-Stiftung (DWS) ausgelobte „Deutsche Preis für Naturjournalismus“ sowie der Sonderpreis „Der Wilde Rabe“ während des Festivals vergeben. In diesem Jahr ging er an Anke Sparmann (GEO), Jörg Albrecht (FAZ) und Dr. Angelika Huber (Ein Herz für Tiere).

Doch die Preisverleihungen machten nur einen kleinen Teil des Festivalprogramms aus. Hochkarätige Referenten wie Florian Möllers (D), Niall Benvie (GB, Schottland), Hannu Hautala (FIN), Ingo Arndt (D), Staffan Widstrand (S), Bruno D’Amicis (I), Kevin Schafer (USA), Sven Zacek (EST), José B. Ruiz (E), Klaus Nigge (D) und viele mehr, Seminare, Produktpräsentationen, Ausstellungen und ein großer Fotomarkt machten dieses renommierte Festival zu einem großartigen Erlebnis. Den Höhepunkt bildete am Samstagabend der Vortrag von Wild Wonders of Europe. Unseen, Unexpected, Unforgettable – getreu diesem Motto präsentierte Staffan Widstrand aus Schwedenden Besuchern in Lünen einen Querschnitt der besten Aufnahmen dieses einmaligen Naturfotoprojektes.

Hannu Hautala aus Finnland wurde für seine Verdienste um die Naturfotografie mit dem Fritz Steiniger-Preis geehrt, dem höchsten Preis, den die GDT zu vergeben hat. Dieser Preis wurde seit 1986 erst neunmal verliehen. Hautala, der seit über 50 Jahren das mystische Licht der finnischen Wälder und ihrer Bewohner auf Bildern festhält, hat mit seinem Verständnis von Bildauffassung die Naturfotografie revolutioniert. Hannu Hautala inspirierte weltweit unzählige Fotografen und schrieb im Laufe seines Lebens über 40 Bücher.

Spannend wurde es in der Diskussion: Wie viel Wahrheit braucht die Naturfotografie? Die Disqualifizierung des Gesamtsiegers im WPY-Wettbewerb war sicherlich der größte „Skandal“, den es bislang in der Naturfoto-Szene gegeben hat. Ein angeblich wilder Wolf springt über ein Gatter, ein Bild von höchster technischer und gestalterischer Qualität. Leider war der Wolf alles andere als wild und das Bild wurde in einem Gehege aufgenommen. Ein Einzelfall oder nur die Spitze eines Eisberges? Werden unsere Bilder jetzt nur noch mit Misstrauen angesehen, in einer Zeit, in der technisch alles möglich ist, sowohl bei der Aufnahme als auch danach der Aufnahme? Welche unserer Methoden und Tricks müssen wir offenlegen, wenn wir mit fotojournalistischem Anspruch arbeiten oder an Wettbewerben teilnehmen? Ist dies eigentlich ein Problem nur der Naturfotografie? Fragen wie diese diskutierte Klaus Nigge mit erlesenen Gästen wie Rosamund Kidman Cox (former editor des BBC Wildlife Magazine und ein Jury-Mitglied des Wildlife Photographer of the Year competition seit über 25 Jahren), Kathy Moran (Senior editor Natural History bei National Geographic), Ruth Eichhorn (leitende Bildredaktion GEO) und dem Publikum.

Wohin das Auge im Veranstaltungszentrum Hilpert-Theater/Hansesaal auch blickte: Naturfotografien und Menschen, die in reger Diskussion vor den einzelnen Motiven standen, sich fachkundig über Bildaufbau, Blende und Belichtung unterhielten, aber auch über die beste Methode, sich einem scheuen Motiv zu nähern. Neben den Siegermotiven der oben genannten Wettbewerbe stellten Hannu Hautala und Lassi Rautiainen (beide Finnland) und die GDT Jugendgruppe ihre Bilder aus.

Doch bei aller Fachsimpelei und allem Wettbewerb – wie in jedem Jahr stand das Beisammensein und der Austausch im Vordergrund. Auf einem großen Fotomarkt präsentierten namhafte Hersteller ihre Produkte, während des Festivals wurden alte Freundschaften gepflegt und neue begründet. Und die meisten trugen sich schon einmal das Datum des 19. Internationalen Naturfoto-Festival in den Kalender ein: 28. bis 30. Oktober 2011. Sicher ist sicher.

Fotonachrichten 11 / 2010

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