Jugendfotopreis - Die neue Sicht der Dinge

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Fabian Birke, Deutscher Jugendfotopreis

50 Jahre – und so jung wie nie. 1962 erstmals vom Bundesjugendministerium verliehen, motiviert der Deutsche Jugendfotopreis immer wieder Tausende junge Fototalente, ihre Ideen und ihr Lebensgefühl ins Bild zu setzen. Die stärksten Bilder des diesjährigen Wettbewerbs sind vom 18. bis 23. September auf der photokina in Köln (Halle 5.1) zu sehen.

Mehr als 6.000 Teilnehmer, 30.000 Bilder – vielfältige Ansichten, Geschichten und kreative Experimente mit Kamera, Handy und Computer: Der Deutsche Jugendfotopreis 2012 zeigt ein umfassendes Panorama der Fotoszene. Im Mittelpunkt steht der Alltag der jungen Generation. Szenen aus dem Freundeskreis und (Selbst-)Porträts sind das beherrschende Thema.

„Auch in diesem Jahr schreibt der Bundeswettbewerb seine Erfolgsgeschichte fort“, so Projektleiter Jan Schmolling vom Veranstalter, dem Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF). „Wir freuen uns nicht nur über die hohe Teilnehmerzahl, sondern vor allem über die Bandbreite und die hohe Qualität der Arbeiten. Man sieht: Kinder und Jugendliche beschäftigen sich intensiv mit Fotografie und nutzen sie auf sehr eigenständige Weise, um ihrer Sicht der Dinge Ausdruck zu geben. Daher ist der Deutsche Jugendfotopreis immer auch ein Spiegel aktueller Jugendkultur und medialer Entwicklungen.“

Bilder von Suche und Sehnsucht

Selbstgestaltete Fotobücher liegen bei den jungen Fotokünstlern im Trend. Diese Präsentationsform hat auch die 24-jährige Lina Ruske gewählt, um einen authentischen Blick in die Lebenswelt junger Erwachsener zu vermitteln. Ihre Protagonisten zeigt sie rast- und ruhelos, immer unterwegs.

Generell gilt: Beim Deutschen Jugendfotopreis sind Menschen die beliebtesten Motive. Umso mehr fällt ihre Abwesenheit auf manchen Bildern auf: Bedrohliche und geheimnisumwitterte Szenarien, aber auch abweisende, kalte, menschenleere Räume und Landschaften – derart verschlüsselte Darstellungen verweisen auf ein latentes Unbehagen, auf Ängste, aber auch auf versteckte Sehnsüchte von Kindern und Jugendlichen. Die Themenfelder Alter, Krankheit und Tod spielen bereits seit Jahren eine wichtige Rolle. Beispielhaft zeigt dies in diesem Jahr die Arbeit „Ein Sarg nur und ein Leichentuch“ von Martin Genz, der mutig und direkt die letzten Stationen eines Toten schildert.

Reportagen sind auf dem Vormarsch

Das diesjährige Sonderthema “Unterwegs” animierte viele Teilnehmer, Ihre Reiseerinnerungen einzubringen. Doch jenseits des Mainstreams spielten die jungen Fotokünstler mit den klassischen Reiseklischees: So wird der spanische Touristen-Ort Benidorm ironisch mit Eiscremefarben “idyllisiert”; ein Flughafen nicht im alltäglichen Reisetrubel sondern als Ort der Leere und Verlassenheit inszeniert.

Je jünger die Teilnehmer sind, desto spontaner und unbefangener nutzen sie die Möglichkeiten der Fotografie. Bei den Älteren zeigt sich der ästhetische Gestaltungswille in bewussten Inszenierungen und konzeptionell durchdachten, technisch oft hervorragend umgesetzten Serien. Der Trend zu Bilderfolgen hat auch die jüngsten Teilnehmer erfasst. Der 7-jährige Luca Poling etwa gestaltete eine abwechslungsreiche Serie über ein Auto-rennen. Erfahrenere Nachwuchsfotografen beeindrucken mit atmosphärisch dichten Reportagen. So auch Yana Wernicke, die den Betrachter mit stillen Bildern in die klaustrophobische Enge indischer Städte eintauchen lässt.

Technik wird souverän eingesetzt

Analog oder digital? Diese Frage spielt bei den jungen Kreativen längst keine Rolle mehr. Neugierig und experimentierfreudig nutzen die 4- bis 25-Jährigen alle Möglichkeiten der Fotografie und Nachbearbeitung. Das Spektrum reicht von klassischen Schwarzweißbildern, die Strukturen und Kontraste herausarbeiten über digitale Collagen bis hin zu höchst eigenwilligen Verbindungen, bei denen sich analoge und digitale Techniken vielfach überlagern.

Der Deutsche Jugendfotopreis wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und vom Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF) durchgeführt. Zu den weiteren Förderern und Partnern zählen das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, der Photoindustrie-Verband, die photokina, die Agentur „JUGEND für Europa“, Adobe Systems und die Deutsche Gesellschaft für Photographie. (www.jugendfotopreis.de)

Fotonachrichten 07 / 2012

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