Leica Oskar Barnack Preis 2015: JH Engström wird für sein Fotoprojekt „Tout Va Bien“ ausgezeichnet

Mit treffsicherer Beobachtungsgabe die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt in einer fotografischen Serie zum Ausdruck bringen – das bleibt der Auftrag des Leica Oskar Barnack Preises. Zum 35. Mal vergibt die Leica Camera AG nunmehr die renommierte Auszeichnung und erhöht 2015 nochmals die Preisgelder. Nun stehen die beiden Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs fest.

© JH Engström
© JH Engström
Der erste Platz in der Hauptkategorie, dotiert mit 25.000 Euro und einer Leica M Kamera mit Objektiv, geht an JH Engström und seine Serie „Tout Va Bien“. Den Nachwuchspreis, der seit 2009 verliehen wird, erhält Wiktoria Wojciechowska für „Short Flashes“. Ihr Preisgeld beträgt 5.000 Euro und ebenfalls eine Leica M mit Objektiv. Auf diese Gewinner sowie neun Finalisten einigte sich die Jury, bestehend aus Michael Biedowicz, Bildredaktion Zeitmagazin, Christian Caujolle, Kurator, Gründer sowie ehemaliger Direktor von Agence VU, Martin Kollar, Fotograf und Preisträger 2014, Karin Rehn-Kaufmann, Generalbevollmächtigte der Leica Galerien International, und Brigitte Schaller, Art Director Leica Fotografie International. Die Preisverleihung findet im Rahmen des Fotofestivals Rencontres Internationales de la Photographie am 8. Juli 2015 im südfranzösischen Arles statt. Begleitend erscheint ein Sonderheft des LFI Magazins, das alle Gewinner und Finalisten mit umfangreichen Bilderstrecken vorstellt.

In „Tout Va Bien“ geht es nicht klassisch-traditionell um ein konkretes Thema. Der schwedische Fotograf JH Engström will sein Projekt vielmehr als visuelle Poesie verstanden wissen, eine fotografische Erzählung, die stark autobiografisch geprägt ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er ausschließlich aus seinem eigenen Leben berichtet. In „Tout Va Bien“ reihen sich die unterschiedlichsten Motive aneinander. Die Gewinnerserie umfasst gleichermaßen Porträts und Landschaften sowie auch skurrile Momentaufnahmen beispielsweise von der Geburt seiner Zwillinge. Auch zwischen Schwarzweiß- und Farbaufnahmen wechselt der Fotograf ab. Engström spielt mit den Gegensätzen und überlässt es dabei dem Betrachter, eine eigene Lesart und Bedeutung in jeder Aufnahme zu finden. Das Projekt umfasst insgesamt rund 90 Aufnahmen und erscheint im Juli als Fotobuch bei Aperture.

JH Engström, 1969 in Karlstad (Schweden) geboren, verbrachte den frühen Teil seiner Fotografie-Karriere zwischen Schweden und Frankreich. Nach Assistenzen bei Mario Testino und Anders Petersen folgte ein Film- und Fotografiestudium an der Universität in Göteborg, das er 1997 abschloss. Engström hat bereits verschiedene Fotobücher veröffentlicht – darunter unter anderem Trying to Dance (2003), Haunts (2006), CDG/JHE (2008), From Back Home (mit Anders Petersen, 2009), La Résidence (2010) und Sketch of Paris (Aperture, 2013) – und wurde vielfach international ausgezeichnet.

© Wiktoria Wojciechowska
© Wiktoria Wojciechowska
In ihrer Serie „Short Flashes“ widmet sich die polnische Fotografin Wiktoria Wojciechowska den flüchtigen Momenten des chinesischen Alltags. Mehrere Monate lang porträtierte sie chinesische Zweiradfahrer auf ihrem feuchten Weg durch den Dauerregen unterwegs in den Riesenstädten Peking und Hangzhou. Das Projekt entstand 2013 und 2014 während der Taifunsaison, als die Straßen von dem endlosen Regen nahezu überflutet waren. Allein und ohne Sprachkenntnisse in China unterwegs, erkundete die junge Fotografin ihre neue Umgebung, ohne dass sie sich irgendjemandem mitteilen konnte. Mit den namenlosen Fahrrad- und Rollerfahrern, die an ihr vorbeirauschten, fühlte sie sich in dieser Anonymität verbunden. Daraus entstand die Idee, diesen Menschen ein Gesicht zu geben – sie aus der Masse hervorzuheben – und so ihr Abbild zu bewahren. Ihre schnappschussartigen Aufnahmen erzählen von der Wahrheit eines unverstellten Augenblicks. Denn im Gegensatz zu gestellten, kontrollierten Porträts zeigt sich in diesen spontanen, unbemerkten Aufnahmen das Echte und Authentische zwischen den einstudierten Verhaltensmustern.

Wiktoria Wojciechowska, Jahrgang 1991, ist in Lublin (Polen) geboren. Ihr Studium absolvierte sie an der Academy of Fine Arts in Warschau. Ihre Arbeiten wurden bereits in verschiedenen Ausstellungen, auf Festivals und in Magazinen wie ArchivoZine, Beijinger, ArtPhotoMag, Gente di Fotografia, GUP, L’Oeil de la photographie und Urbanautica veröffentlicht.

Im Rahmen des Wettbewerbs wurde außerdem ein Publikumspreis vergeben, der mit einem Geldpreis von 2.500 Euro dotiert ist. Den Gewinner kürten die Mitglieder der Foto-Plattform I Shot It. Online wählten die Mitglieder der Community Ryan Spencer Reed mit seiner Serie „Afghanistan: Stands Alone“ zum Sieger – ihn erwartet ein Preisgeld von 2.500 Euro.

Änderungen vorbehalten.

Fotonachrichten 06 / 2015

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