Spuren in der Nacht - Unterwasserbild gewann den Wettbewerb GDT Europäischer Naturfotograf des Jahres 2013

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Gesamtsieger, Dr. Alexander Mustard, Spuren in der Nacht

Gesamtsieger des europäischen Naturfoto-Wettbewerbs der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen ist der britische Fotograf, Autor und Meeresbiologe Dr. Alexander Mustard mit seinem Bild „Night moves – Spuren in der Nacht“. Das Bild zeigt die Bewegungsbahnen von Blaurücken-Stachelmakrelen, die in der Nacht über einem Korallenriff jagen. Für das Ziel, die temporeichen Abläufe dieser Jagd im Bild festzuhalten, musste Mustard mehrere Tauchgänge in der Nacht absolvieren. Mustard: „Ich tat mich schwer mit der fotografischen Umsetzung. Schließlich entschied ich mich, mit langen Belichtungszeiten zu experimentieren, wobei ich ein Unterwasser-Videolicht verwendete, um die Bewegungen der Fische über dem Riff darzustellen. Die langen geschwungenen Bahnen stellen die Schwimmbewegungen während der Jagd dar, während die etwas schlankeren Spuren zeigen, wo die Makrele langsamer schwamm, um ihre Beute zu verschlingen. Auch die kleineren Bewegungsbahnen ihrer Beutetiere lassen sich auf dem Bild gut erkennen.“

Dr. Alex Mustard, 33, ist preisgekrönter Meeresbiologe und gilt weltweit als einer der innovativsten und kreativsten Unterwasserfotografen. Er ist Autor zahlreicher Fachbücher, die vielfach übersetzt wurden. Regelmäßig schreibt er außerdem für verschiedene internationale Magazine über seine speziellen Techniken der digitalen Unterwasser-Fotografie – insgesamt wurden bisher mehr als 400 Artikel von ihm veröffentlicht. Seine Fotografien wurden in Ausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt und Queen Elizabeth II präsentierte Mustard seine Arbeit höchstpersönlich.

Der Wettbewerb „GDT Europäischer Naturfotograf des Jahres“ wird jährlich von der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen ausgeschrieben. In acht verschiedenen Kategorien sowie dem „Fritz Pölking Preis“ und dem „Fritz Pölking Nachwuchspreis“ können Arbeiten eingereicht werden. Die mit Jasper Doest (NL), Sandra Bartocha (DE), Angel M. Fitor (ES), Jan-Peter Lahall (SE) und Jan van der Greef (NL) hochkarätig besetzten Jury machte sich ihre Entscheidung nicht leicht.

Angel M. Fitor für die Jury: „Zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs GDT Europäischer Naturfotograf des Jahres hat ein Bild aus der Kategorie „Unter Wasser“ den begehrten Titel des Gesamtsiegers gewonnen. Diese Entscheidung hat für uns als Fotografen eine weit größere Bedeutung, als auf den ersten Blick angenommen werden mag. Sie zeigt, dass die GDT als das Sprachrohr einer Naturfotografenszene mit gelehrt-wissenschaftlichem Charakter, die sich auf die Fotografie an Land konzentriert, die Unterwasser-Welt als einen wesentlichen Teil der uns umgebenden Natur anerkennt. Eine Haltung, die unter Naturfotografenverbänden weltweit nicht besonders weit verbreitet ist.

Sie bestätigt weiterhin, dass auch die Unterwasser-Fotografen anfangen, sich eher als Teil der Naturfotografie zu begreifen, statt als ein Anhängsel der von der Industrie gesteuerten Welt der Taucherei. Nun sieht es so aus, als kämen wir endlich an den Punkt, an dem bei Unterwasserfotografie tatsächlich auch über Unterwasserfotografie gesprochen wird. Unsere sterbenden Ozeane brauchen definitiv mehr engagierte Fotografen, Künstler und Fürsprecher, denen der Naturschutz am Herzen liegt, anstatt mehr Touristen auf der Suche nach kurzfristiger Befriedigung ihrer Freizeitbedürfnisse.“

Alexander Mustard erhält damit den von der Firma CANON gesponserten und mit 2.000 Euro dotierten Preis. Mit seinem Bild setzte er sich gegen rund 16.500 eingereichte Arbeiten von Fotografen aus 32 Ländern durch. Der Preis wurde von der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen zum 13. Mal vergeben und richtet sich an Amateur- und Profifotografen aus ganz Europa.

Den ebenfalls mit 2.000 Euro dotierten internationalen Sonderpreis „Fritz-Pölking-Preis“, den die GDT in Kooperation mit dem Tecklenborg-Verlag auslobt, wurde an den Norweger Pål Hermansen für seine Story „Ein Autofriedhof als Naturraum“ vergeben.

Den Fritz Pölking Nachwuchspreis konnte der 19-jährige Deutsche Hermann Hirsch für sich verbuchen. Mit „Wildes Ruhrgebiet“ erklärt er seine Liebe an die Natur seiner Heimat, dem „Ruhrpott“.

Schirmherrin Prof. Dr. Beate Jessel vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)

Ich freue mich besonders, dass in diesem Jahr ein Bild aus dem Meer zum Gesamtsieger gekürt wird. Das Foto von Alexander Mustard zeigt aus meiner Sicht ganz deutlich, was das Leben unter Wasser für die meisten Menschen ist: etwas Geheimnisvolles und Unbekanntes. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Unterwasserfotografie auch in Zukunft ihren Beitrag dazu leisten kann, uns Menschen einen überaus vielfältigen und faszinierenden, jedoch nur schwer zugänglichen Lebensraum näherzubringen. Einen Lebensraum, der bei weitem nicht hinreichend erforscht, geschweige denn einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist. In diesem Sinne lade ich Sie herzlich ein, sich auch in diesem Jahr wieder an einer Vielzahl einzigartiger Bilder zu erfreuen, die von der Jury dieses hochqualitativen Wettbewerbs der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen ausgewählt wurden. Ich persönlich finde, dass die Aufnahmen trotz der vielen unterschiedlichen Motive etwas gemeinsam haben: Sie alle rücken ein einprägsames Bild in unser Bewusstsein und erzählen dabei eine Geschichte, die den Betrachter berührt. Damit sind sie gleichsam Aushängeschild europäischer Naturfotografie und Werbung für den Naturschutz.

Die Sieger der einzelnen Kategorien

In der Kategorie Vögel gewann das Bild „Morgendämmerung am Bass Rock“ des jungen Rumänen Zoltán Gergely Nagy. Mit der perspektivisch sehr ungewöhnlichen Aufnahme „Rehbock, rechts unten in der Ecke„ konnte sich Sven Začek aus Estland in der Kategorie Säugetiere durchsetzen. „Kleines Nashorn“ heißt das Siegerbild des ebenfalls aus Estland stammenden Fotografen Remo Savisaar in der Kategorie Andere Tiere. Stephan Amm aus Deutschland siegte mit seinem Bild „Amanita muscaria“ in der Kategorie Pflanzen und Pilze. Die Kategorie Landschaften entschied der Italiener Samuel Pradetto Cignotto mit „Herbstreflexionen“ für sich, in der Kategorie Unter Wasser siegte Cristóbal Serrano Pérez aus Spanien mit dem Bild „Familienbande“. „Die Vorstellung“ nannte die in England lebende Deutsche Britta Jaschinski ihr Siegerbild eines Orang-Utans, der im chinesischen Zirkus sein Dasein fristen muss, in der Kategorie Mensch und Natur und mit „Der Tanz“ gewann Lars Andreas Dybvik aus Norwegen die Kategorie „Atelier Natur“.

Weitere Informationen: www.gdtfoto.de

Fotonachrichten 10 / 2013

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