DGPh-Kulturpreis 2016 geht an Verleger Lothar Schirmer

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Lothar Schirmer, © Arne Wesenberg 2015

Kunstvermittlung in Buchform

Mit seinem frühen und beeindruckenden Engagement als Büchermacher hat Lothar Schirmer maßgeblich zur Anerkennung der Fotografie als Kunstform beigetragen. Seit mehr als 40 Jahren leistet er mit seinem vor allem der deutschen, englischen, französischen und US-amerikanischen Kunst und Fotografie des 19. und 20. Jahrhunderts und der Gegenwart verpflichteten Verlagsprogramm einen wichtigen Beitrag zur Kunstvermittlung. Die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) zeichnet mit Lothar Schirmer einen der bedeutendsten europäischen Verleger für Autorenfotografie aus. Die Verleihung des DGPh-Kulturpreises 2016 wird im September im Umfeld der photokina in Köln stattfinden.

Der DGPh-Kulturpreis wird seit 1959 verliehen. Mit ihm zeichnet die DGPh lebende Persönlichkeiten für bedeutende Leistungen im Bereich der Fotografie aus. Bisherige Preisträger sind unter anderem Gottfried Jäger, Klaus Honnef, Stephen Shore, F.C. Gundlach, Daido Moriyama, Bernd und Hilla Becher, Henri Cartier-Bresson und August Sander.

Schirmer gründete 1974 gemeinsam mit Erik Mosel den Schirmer/Mosel Verlag als ersten Verlag mit Programmschwerpunkt Autorenfotografie in Europa und führt ihn bis heute als unabhängiger Verleger. Unter den mehr als 1500 Titeln zur Kunst und Fotografie befinden sich viele Standardwerke. Schon mit den ersten beiden Publikationen wurde August Sander wiederentdeckt und Heinrich Zilles photographischer Blick auf Berlin einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Schirmer, der das Verlagsprogramm seines Hauses seit Verlagsgründung selbst verantwortet, hat zahlreiche bedeutende Fotokünstler publizistisch begleitet. Das Werk von Bernd und Hilla Becher, das zwischen den Polen von Geschichtsschreibung, Dokumentarfotografie und zeitgenössischer Kunst angesiedelt ist und dem Schirmer seit 1976 insgesamt 23 Publikationen widmete, bildet den archimedischen Punkt des Programms. Schirmer betreute verlegerisch nachfolgend viele der Protagonisten der Düsseldorfer Schule wie Candida Höfer, Thomas Struth und Thomas Ruff, ebenso wie Helmut Newton, Cindy Sherman, Robert Mapplethorpe oder Jeff Wall.

Der Schirmer/Mosel Verlag hat eine ganze Reihe Bände von Fotografinnen und Fotografen herausgebracht, die im Nationalsozialismus verfolgt und in die Emigration gezwungen wurden wie Erich Salomon, Felix H. Man, Laszlo Moholy-Nagy, Leo Rosenthal, Raoul Hausmann, Wols, Hermann Landshoff, Horst P. Horst, Gisèle Freund oder Helmut Newton.

Lothar Schirmer wurde 1945 in Schmalkalden (Thüringen) geboren. Der Verlagskaufmann ist auch als Sammler hervorgetreten. Seine bedeutende Kunst- und Fotografiesammlung wurde in verschiedenen Museen gezeigt; ein Großteil seiner Beuys-Sammlung ist mittlerweile in den Besitz des Lenbachhauses in München übergegangen. Lothar Schirmer erhielt eine Vielzahl von Ehrungen wie die George Eastman Medaille und den Rencontres d’Arles Award (beide 1995) sowie das Komturkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik (2009), wurde vom BuchMarkt zum „Verleger des Jahres“ gewählt (2012) und 2014 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Änderungen vorbehalten.

Fotonachrichten 05 / 2016

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