Fotofestival Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg präsentiert an [7] Orten [7] Ausstellungen zu brisanten Themen der Gegenwart.

Simone Demandt, Strahlungsprüflabor LGA, Nürnberg, 2009, aus der Serie Dunkle Labore, 2008/2009, Tintenstrahldruck auf Hahnemühle Photo Rag, Aludibond, 150 x 200 cm, © Simone Demandt, courtesy Simone Demandt
Simone Demandt, Strahlungsprüflabor LGA, Nürnberg, 2009, aus der Serie Dunkle Labore, 2008/2009, Tintenstrahldruck auf Hahnemühle Photo Rag, Aludibond, 150 × 200 cm, © Simone Demandt, courtesy Simone Demandt
Vom 18. September bis zum 15. November 2015 zeigt das Fotofestival 44 Werkgruppen (mit mehr als 1.000 großartigen, intensiven, vielschichtigen Einzelbildern) von 50 Künstlern aus 18 Nationen. In sieben Museen und Kunstvereinen in drei Städten und zwei Bundesländern werden brisante und politische Themen, die auf unsere Lebenswirklichkeit auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene beträchtlichen Einfluss nehmen, diskutiert. Der Schweizer Kurator Urs Stahel hat dafür Neuent-deckungen, bereits renommierte FotografInnen sowie große Stars der Foto- und Kunstszene eingeladen.

Boris Mikhailov zum Beispiel fotografierte auf dem Maidan in Kiew, Ad van Denderen dokumentierte über Jahre hinweg die Migrationsbewegungen rund um das Mittelmeer zwischen Flucht und Massentourismus. Ai Weiwei, der die Bauwut in Peking dokumentierte und Polly Braden mit ihrem Langzeitprojekt im Finanzdistrikt Londons zeigen die wirtschaftlichen und politischen Mächte, die Auslöser unserer Krisen sind. Trevor Paglen schließlich, der sich seit Jahren mit der Kontrolle der Kommunikation in der Welt beschäftigt, die mit den NSA-Enthüllungen in die Medien gekommen ist oder Edmund Clark, der im Gefangenenlager Guantánamo fotografierte, machen Institutionen sichtbar, die innerhalb eines postulierten Rechtsstaats eben diesen aushöhlen und mit Verweis auf unsere ethischen Maßstäbe genau diese unterwandern. Sind wir Profiteure dieser Situation, Leidtragende oder beides zugleich? Oder sind wir schlicht indifferent?

Henrik Spohler, Flugzeugturbine, Nebenstromgehäuse, 2007, aus der Serie Global Soul, 2007/2008, © Henrik Spohler, courtesy Henrik Spohler
Henrik Spohler, Flugzeugturbine, Nebenstromgehäuse, 2007, aus der Serie Global Soul, 2007/2008, © Henrik Spohler, courtesy Henrik Spohler
Urs Stahel über die Ausstellung: „Die Ausstellung verlangt vom Besucher, sich die Bilder anzusehen, sich mit ihnen zu beschäftigen und über die Situation der Welt nachzudenken. Die Themen behandeln gesellschaftliche Problematiken und berühren gleichzeitig das persönliche Leben. Die Künstler lassen uns an ihrer künstlerischen Auseinandersetzung teilhaben und fordern von uns gleichzeitig auf, eine Haltung gegenüber diesen prekären Feldern einzunehmen. Die Ausstellung fordert uns auf verführerische Weise auf, nicht weiterhin gelähmt auf das Loch in der Mauer zu starren und zu warten, sondern wenigstens einen Lappen reinzustopfen oder über die Gründe für das Loch nachzudenken.“

In-situ-Projekt: Als ein charakteristischer und wichtiger Bestandteil hat sich das In-situ-Projekt im Profil des Fotofestivals Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg fest etabliert. Dieses Jahr konnte der Schweizer Künstler Jules Spinatsch für die Durchführung des Projekts gewonnen werden. Er realisierte in der Region zu jedem der sieben Themenkomplexe eine neue Arbeit im Sinne seiner „Surveillance Panorama Projects“, einer speziellen Aufnahmetechnik, die sich einer computergesteuerten Kamera bedient. Das Resultat sind hochauflösende Panoramabilder, angesiedelt zwischen Fotografie und Film, Hybride aus Panoramamalerei des 19. Jahrhunderts und Überwachungstechnologie des Internetzeitalters.

Jules Spinatsch, Time Warp, Panorama aus 714 Bildern aufgenommen mit computergesteuerter Kamera von 19:30 – 11:00 auf Dancefloor 1, Time Warp Festival, Mannheim 5.‐6. Mai 2015, © Jules Spinatsch
Jules Spinatsch, Time Warp, Panorama aus 714 Bildern aufgenommen mit computergesteuerter Kamera von 19:30 – 11:00 auf Dancefloor 1, Time Warp Festival, Mannheim 5.‐6. Mai 2015, © Jules Spinatsch
Rahmenprogramm: Das Fotofestival bietet ein umfangreiches Rahmenprogramm zum Eröffnungswochenende vom 17. bis 19. September 2015 und während der Festivallaufzeit, u.a. Künstlervorträge, Workshops und Gespräche. Die Veranstalter des Fotofestivals möchten im Besonderen auf die Artist Lectures hinweisen, in deren Rahmen Künstler zur Eröffnung Vorträge über ihre Arbeit halten werden. Zudem findet ein Portfolio Review statt, bei dem sich Nachwuchsfotografen mit Experten über ihre Arbeiten austauschen können.

App und Programmheft: Alle Ausstellungen und Veranstaltungen sind im Programmheft und online unter www.fotofestival.info einsehbar. Mit der Festival App erhalten Besucher mobil über Smartphone oder Tablet hilfreiche Informationen rund um die Ausstellungshäuser, -orte, -themen sowie die teilnehmenden Künstler. Mit dem integrierten Navigationstool werden die Besucher auf dem schnellsten Weg zwischen den Ausstellungsorten geleitet. Zusätzlich werden alle Veranstaltungen und aktuellen News angezeigt. Die App ist sowohl für iOS als auch Android nutzbar und kostenlos erhältlich.

Boris Mikhailov, aus der Serie Theatre the War Actings, Second Act,Time Out, Dezember 2013, C‐Print, © Boris Mikhailov, courtesy Boris Mikhailov
Boris Mikhailov, aus der Serie Theatre the War Actings, Second Act,Time Out, Dezember 2013, C‐Print, © Boris Mikhailov, courtesy Boris Mikhailov
Katalog: Zum Festival erscheint ein umfangreicher Katalog im Kehrer Verlag: 272 Seiten, 420 Abbildungen. Zum Preis von 25 Euro während der Festivallaufzeit.

Netzwerk: Für die Realisierung des Fotofestivals arbeiten Kulturveranstalter und Kulturförderer einer ganzen Region eng zusammen und bauen das geschaffene Netzwerk stetig aus. In diesem Jahr konnte z.B. die Kooperation mit der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg durch zwei gemeinsam umgesetzte Projekte weiter gefestigt werden. Heidelberger Studierende der Kunstgeschichte begleiten das Fotofestival mit einem Studentenblog. Unter www.festivalblog.com erscheinen Rezensionen, Interviews, Porträts und Texte über den Kurator, die Künstler und die Kunst.

Partner und Sponsoren: Die drei Städte Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg sind feste Partner des Fotofestivals. Gefördert wird das Fotofestival Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg durch den Premiumsponsor BASF SE, den Hauptsponsor MVV Energie AG, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg sowie zahlreiche weitere Förderer und Sponsoren.

Änderungen vorbehalten.

Fotonachrichten 09 / 2015

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