Journalistenpreis PUNKT: Multimedia-Reportage „1 oder 0, Leben oder Tod“ und Fotoserie „Schnarcher“ ausgezeichnet

© Karoline Tiesler, Fotocollage Schnarcher
© Karoline Tiesler, Fotocollage Schnarcher
Beim Preis für Technikjournalismus und Technikfotografie PUNKT stehen die diesjährigen Gewinner fest: In der Kategorie Multimedia überzeugte die von Thomas Reintjes und einem Team des Deutschlandfunks produzierte Online-Reportage „1 oder 0, Leben oder Tod“ die Jury. Für ihre siebenteilige Bilderserie „Schnarcher“ wird Karoline Tiesler in der Kategorie Foto ausgezeichnet. Das acatech Fotostipendium erhält der Fotojournalismus-Student Konrad Lippert. Die von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften ausgelobten Preise sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert.

Zusammen mit einem Team des Deutschlandfunks realisierten der freischaffende Autor Thomas Reintjes und die Redakteure Christiane Knoll und Markus Waldhauser die Multimedia-Reportage „1 oder 0, Leben oder Tod“, die sich mit dem Einsatz unbemannter Systeme wie Roboter oder Drohnen in der Kriegsführung beschäftigt. Die Jury lobt sowohl die Relevanz des Themas als auch dessen sachkundige, differenzierte und sensible Darstellung, die durch die Zusammenführung unterschiedlicher Medienkanäle unterstützt wird. Basierend auf einem zunächst unabhängig produzierten Hörfunk-Feature stellen Reintjes und sein Team die zur Verfügung stehenden militärischen Systeme ausführlich dar und beschreiben die politisch-gesellschaftliche Debatte sowie die mit dem Einsatz dieser Technologien verbundenen Ambivalenzen. Der Nutzer hat die Möglichkeit, sich selbständig durch die in vier Kapitel gegliederte Reportage zu klicken und die angebotenen Meinungen und Quellen aufzurufen. Als vorbildlich beschreibt die Jury die Integration von Videos, O-Tönen und akustischer Elemente – entsprechend den Ausschreibungskriterien des Preises wird hiermit ein Mehrwert erzielt, der mit den Einzelkanälen nicht realisierbar wäre. Für den Deutschlandfunk waren Boris Bittner, Richard Weiß, Michael Jodaitis, Mirko Tzotschew, Markus Heidmeier und Nicola Balkenhol (Projektverantwortliche) an der Reportage beteiligt.

© Karoline Tiesler, Nasenkörbchen und Nasenklammern
© Karoline Tiesler, Nasenkörbchen und Nasenklammern
Somnotron, Kinnband, Nasenspange – in ihrer Fotoserie „Schnarcher“ präsentiert Karoline Tiesler dem Betrachter verschiedene medizinische Hilfsmittel, die dem Schlafapnoe-Syndrom, einer Form der Schlafstörung, vorbeugen. Die Produkte sollen beispielsweise helfen, die Nasenwege offen und den Mund geschlossen zu halten oder die Patienten mit zusätzlichem Sauerstoff zu versorgen. Die PUNKT-Jury zeigt sich fasziniert von der unkonventionellen Auseinandersetzung der jungen Fotografin mit den Themen Schlaf und Schlafstörung. Jedes der sieben Motive verlangt nach einer Erklärung und weckt damit die Neugier des Betrachters: Was bedeutet es für den Mensch, wenn er nur noch schwer in den Schlaf findet? Führen diesen Produkte wirklich zu einem besseren, zu einem erholsameren Schlaf? Von der Jury lobend hervorgehoben wird auch die reduzierte Bildsprache, mit der Karoline Tiesler ihre „Hilfsmittel für Schnarcher“ inszeniert – zum Teil würden ihre Arbeiten wie grafische Illustrationen wirken.

Mit Unterstützung des acatech Fotostipendiums wird der freiberufliche Fotograf Konrad Lippert die Region südlich von Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt portraitieren. Geprägt ist die Landschaft durch ihre industrielle Strukturen: Auf dem Gelände der Leunawerke, dem einst größten Chemieunternehmen der ehemaligen DDR, haben sich moderne Raffinerien angesiedelt. Und im früheren Braunkohleabbaugebiet Geiseltal entwickelt sich zaghaft eine touristische Infrastruktur. Landleben und High-Tech-Industrie, Vergangenheit und Blick in die Zukunft – sowohl das Nebeneinander als auch der Gegensatz von Provinz- und Industrielandschaft sollen im Fokus des Projekts mit dem Titel „Brot, Wohlstand und Schönheit“ stehen.

Die Jury überzeugt Konrad Lipperts Idee, den „Wandel vor unserer Haustür“ fotografisch zu dokumentieren. Jenseits bekannter Klischees wird der in Leipzig aufgewachsene Fotograf neben gesellschaftlichen Bezügen auch technische Aspekte in den Fokus seiner Reportage rücken.

Bereits im elften Jahr prämiert acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften mit dem Preis für Technikjournalismus und Technikfotografie PUNKT herausragende Text-, Bild- und Multimediabeiträge. In diesem Jahr werden Einsendungen in den Kategorien Multimedia und Foto ausgezeichnet. Zusätzlich vergibt acatech ein Fotostipendium. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Festveranstaltung der Akademie am 20. Oktober in Berlin statt.

Die Mitglieder der Multimedia-Jury sind:

  • Prof. Dr. Friederike Herrmann, Professorin für Journalistik und Kommunikationswissenschaft, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
  • Reiner Korbmann, Wissenschaftsjournalist und Gründer von Science&Media, Büro für Wissenschafts- und Technikkommunikation
  • Christiane Riedel, Geschäftsführerin, ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie
  • Prof. Dr. Andreas Schümchen, Professor für Journalistik, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
  • Sandra Valentin, Executive Director, ]init[ AG für digitale Kommunikation
  • Markus Weißkopf, Geschäftsführer, Wissenschaft im Dialog gGmbH
  • Kathrin Zinkant, Redakteurin Wissen, Süddeutsche Zeitung

Die Mitglieder der Foto-Jury sind:

  • Jörg Buschmann, Fotochef, Süddeutsche Zeitung
  • Ellen Dietrich, Ressortleiterin Fotoredaktion, DIE ZEIT
  • Judith Egelhof, Bildredaktion, Publicis Pixelpark
  • Betty Fink, Freiberufliche Fotoredakteurin und Ausstellungsmanagerin
  • Tobias Lehmann, Freiberuflicher Bildredakteur
  • Heiner Müller-Elsner, Freiberuflicher Fotograf
  • Christa Schraivogel, Bildredaktion, Fraunhofer-Gesellschaft

Weitere Informationen zum Journalistenpreis PUNKT finden Sie auf www.journalistenpreis-punkt.de

Fotonachrichten 10 / 2015

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