Die Leica Camera AG ist erstmalig Partner der „Photo Shanghai“, Asiens führender Messe für Kunstfotografie

Wulf-Diether Graf zu Castell-Rüdenhausen
Wulf-Diether Graf zu Castell-Rüdenhausen
In diesem Jahr wird die Leica Camera AG erstmals auf der „Photo Shanghai“ in China vertreten sein. Die internationale Messe mit Fokus auf Kunstfotografie feierte im vergangenen Jahr Premiere und kehrt aufgrund des großen Erfolgs vom 11.-13. September 2015 in die chinesische Metropole zurück. Leica präsentiert im Shanghai Exhibition Center (SEC) die Werke dreier Fotografen unter dem Motto „China through the Leica lens“: historische Luftaufnahmen vom China der 30-er Jahre von Graf zu Castell-Rüdenhausen, zeitgenössische Bilder chinesischer Landschaften von HG Esch sowie eine persönliche Dokumentation Chinas mit dem Titel „Traces of Humanity“ des Nachwuchsfotografen Jing Huang.

Vor rund 80 Jahren dokumentierte der deutsche Flugpionier Wulf-Diether Graf zu Castell-Rüdenhausen (1905-1980) ein China aus der Vogelperspektive, wie es bis dahin kaum ein Europäer gesehen hatte und brachte so dem Betrachter die imposanten Gebirgszüge des Himalaya, das geordnete Durcheinander der Boote auf dem Jangtsekiang und die immer wieder strenge Geometrie der Verbotenen Stadt näher. Das China, das Graf Castell in den 30-er Jahren aus seinem Flugzeug mit einer Leica Kamera fotografierte, existiert größtenteils nicht mehr.

Zur Erinnerung an diese Periode der chinesischen Geschichte wird die Ausstellung im Anschluss an die Messe in weiteren chinesischen Museen und Galerien zu sehen sein, bevor die Leica Camera AG die Bilder von Castell-Rüdenhausen der „National Library of China“ in Beijing als Geschenk übergeben wird.

© Hans-Georg Esch
© Hans-Georg Esch
Als Kontrast zu diesen Bildern spiegeln aktuelle China-Aufnahmen des renommierten Architekturfotografen Hans-Georg Esch den extremen Wandel des Landes wider. Dabei gelang es ihm für dieses Projekt, einige der damals von Castell-Rüdenhausen eingenommenen Standorte und Perspektiven aus heutiger Sicht einzufangen. Seine großformatigen Fotografien zeigen Luftaufnahmen der heutigen Boom Cities des Landes, für deren Entstehung HG Esch eine Leica S Profikamera mithilfe einer Drohne zum Fliegen brachte.

Mit seinen Bildern knüpft Esch an seine bekannten Serien „Megacities“, „City and Structure“ und „Cities Unknown“ an, die sich von hohen Standpunkten aus – wie Berggipfeln oder Hochhausdächern – mit dem rasanten Wachstum urbaner Metropolen, insbesondere in Asien, beschäftigen. Die besondere Perspektivenwahl und die Schärfe, die in den Städte-Ansichten kleinste Details sichtbar macht, erlauben dem Betrachter unmittelbar in diese fremden Welten einzutauchen. Mit dem Einsatz einer Drohne eröffnen sich Hans-Georg Esch noch mehr Perspektiven, die aus dem Flugzeug oder Hubschrauber in dieser Präzision und Unabhängigkeit undenkbar wären. Dennoch ordnet sich die Technik der Arbeitsweise des Künstlers unter und er selbst bleibt Herr über seine Motive.

© Jing Huang
© Jing Huang
Der chinesische Fotograf und Gewinner des Leica Oscar Barnack Nachwuchspreises 2011 Jing Huang zeigt in seiner Reihe „Traces of Humanity“ poetische Eindrücke von Alltagssituationen in seiner Heimat, die er mit einer gewissen Portion Melancholie versetzt. Seine Bilder enthalten überwiegend Elemente klassischer chinesischer Landschaften und im Stile der traditionellen chinesischen Malerei steht der Ausdruck emotionaler Stimmungen im Vordergrund. Dieses Prinzip überträgt Jing Huang auf seine Arbeit, um eine besonders poetische Form der Fotografie, eine Art visueller Lyrik, zu schaffen. Dazu nutzt er die Schwarzweiß-Farbpalette, die ihm hilft, seine Beobachtungen in facettenreiche Kompositionen umzusetzen. Die Bilder seiner ausgestellten Reihe entstanden in den Jahren 2014 und 2015 mit Kameras der Leica M-Serie.

Sowohl HG Esch als auch Jing Huang werden auf der „Photo Shanghai“ anwesend sein und für Interviews zur Verfügung stehen.

Über die „Photo Shanghai“

Die „Photo Shanghai“ findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt und ist heute schon eine der bedeutsamsten Messen für Kunstfotografie in Asien. Veranstalter ist die World Photography Organisation (WPO). Die „Photo Shanghai“ wird im Rahmen der Shanghai Art Week veranstaltet, die in der zweiten Septemberwoche stattfindet und bringt Höhepunkte zeitgenössischer Kunst in die Stadt. „Nach dem großen Erfolg der Messe im letzten Jahr, freuen wir uns umso mehr dieses Jahr eine noch breitere Auswahl fotografischer Arbeiten zeigen zu können – vertreten durch einige der namhaftesten Galerien der Welt“, erklärt Alexander Montague-Sparey, Kurator der Fotomesse.

Das Messeprogramm reicht von wertvollen Klassikern bis hin zu modernen Meisterwerken und bietet nahezu 50 weltweit renommierten Galerien eine attraktive Plattform sich zu präsentieren und ausgewählte fotografische Kunstwerke zu verkaufen. Darüber hinaus werden Werke von Fotografie-Legenden wie Elliott Erwitt, René Burri, Henri Cartier-Bresson und Helmut Newton zu sehen sein, sowie Arbeiten des gefeierten italienischen Fotografen Giovanni Castel und des chinesischen Künstlers Yang Fudong.

Die Photo Shanghai findet im zentral gelegenen Shanghai Exhibition Center (SEC) statt. Der Ausstellungsbereich der Leica Camera AG befindet sich im Bereich East Wing („Featured Exhibitions“). Am 10. September lädt Leica ausgewählte Gäste zu einer Vernissage ein; für die Öffentlichkeit ist die Messe vom 11.-13. September jeweils von 11.00-18.00 Uhr zugänglich.

Biografien

HG Esch (ausstellender Fotograf): HG Esch wurde 1964 in Neuwied, Rheinland-Pfalz, geboren und absolvierte eine Ausbildung zum Fotografen. Seit 1989 arbeitet er als freier Architekturfotograf für nationale sowie internationale Architekturbüros und hat sich mittlerweile in seinem Fachgebiet einen Namen gemacht. Neben Auftragsarbeiten hat er freiberuflich Kunstwerke geschaffen, die seinen Blick auf die Stadt freigeben. Seine Arbeiten werden international ausgestellt und in Büchern wie „City and Structure” und „Cities Unknown” veröffentlicht. Esch lebt und arbeitet in Hennef, Stadt Blankenberg. Mehr Infos: http://www.hgesch.de/home

Jing Huang (ausstellender Fotograf): Jing Huang wurde 1987 in der Millionenmetropole Guangzhou im Süden Chinas geboren. Bis 2010 studierte er Fotografie an der Guangzhou Academy of Fine Arts, wohnt und arbeitet aktuell aber als Fotograf in Shenzhen. Die Stadt, die überwiegend für ihre Fabriken und das höchste Pro-Kopf-Einkommen des Landes bekannt ist, grenzt an den Norden der Sonderverwaltungszone Hongkong und wird häufig mit der grellen Fülle von Plastikprodukten assoziiert. Während viele Fotografen Arbeiten zeigen, die dieses Bild untermalen, verzichtet Huang auf den Gebrauch solcher Klischees, um den weitverbreiteten Eindruck eines Landes zu umgehen, das ausschließlich über seine Industrie definiert wird.

Der „Fine Art“-Fotograf Jing Huang ist besonders für seine Bilder bekannt, die viele klassische Elemente chinesischer Landschaftsmalerei beinhalten. Mit einer Leica Kamera, ein Geschenk seiner Mutter, hat er poetische Reflektionen über das China der Gegenwart eingefangen: „Wenn ich mit meiner Kamera unterwegs bin, folge ich eigentlich nur meiner Intuition. Ich bevorzuge es, Motive auf emotionale Art aufzunehmen.“ 2011 erhielt Jing Huang den Leica Oscar Barnack Nachwuchspreis für seine „Pure of Sight“ Reihe. Mehr Infos: http://huangjingart.com/

Wulf-Diether Graf zu Castell-Rüdenhausen

Der 1905 in Berlin geborene Wulf-Diether Graf zu Castell-Rüdenhausen erwarb während seines Jurastudiums in München die Fluglizenz für dreimotorige Flugzeuge und Wasserflugzeuge an der Deutschen Verkehrsfliegerschule. Mit 25 Jahren wurde er Flugzeugführer bei der Deutschen Lufthansa und sollte in den Jahren von 1933-1936 in China ein durchgehendes Flugverkehrsnetz aufbauen. Bei dieser Flugpionierarbeit entstanden die einmaligen Luftaufnahmen, die 1938 im Bildband „Chinaflug” veröffentlicht wurden. Nach seinem Chinaaufenthalt kehrte Graf zu Castell-Rüdenhausen zur Lufthansa zurück und baute weitere Strecken aus. Nach unterschiedlichen Stationen als Flieger wurde er 1949 im Alter von 44 Jahren Geschäftsführer der Flughafen München GmbH. In seinen knapp 24 Dienstjahren als Flughafen-Chef schuf Graf zu Castell-Rüdenhausen einen Flughafen von Weltruf und leitete die Planung des neuen Großflughafens München II. Im Jahre 1971 überlebte er einen Sprengstoffanschlag vollkommen unverletzt, die Täter wurden jedoch nie gefasst. Castell-Rüdenhausen starb im Jahr 1980.

Fotonachrichten 09 / 2015

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