3D für alle - Ganz einfach 3D-Fotos erstellen

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Doppelbild Tulpen

Der Begriff Stereoskopie ist der griechischen Sprache entlehnt und setzt sich aus stereo = Raum und skopein = sehen zusammen. Da es sich bei den zweidimensionalen Vorlagen, sei es auf dem Papier oder auf dem Bildschirm, tatsächlich nur um zwei 2D-Bilder handelt, benutzt die Stereoskopie Tricks für die Simulation des Raumeffekts. Sehr verbreitet ist immer noch die Anaglyphentechnik, bei der die beiden Einzelaufnahmen für den Stereoeffekt in den Komplementärfarben Rot/Blau übereinandergelegt werden. Betrachtet man diese Bilder mit einer Brille mit rot/blauen Filtern, so wird dem rechten und linken Auge jeweils das versetzte rote oder blaue Halbbild zugeführt. Das Gehirn setzt dann diese beiden Bilder zu einem Raumbild zusammen.

Im Kino und im Fernsehen werden 3D-Spielfilme, Dokumentationen und Sportaufzeichnungen immer beliebter. Vielen Anhänger der Stereoskopie, wie die räumliche Erfassung von Fotos und Filmen in der Fachsprache bezeichnet wird, ist das Angebot jedoch noch zu gering. Außerdem möchten sie selbst Aufnahmen machen, mit denen sie den Betrachter durch die Raumwirkung überraschen. Dazu bietet die Kameraindustrie inzwischen leistungsstarke Spezialkameras und Camcorder an. Um sich aber erst einmal an die 3D-Fotografie heranzutasten, genügt schon eine einfache Digitalkamera.

Unsere räumliche Wahrnehmung basiert auf der versetzten Stellung unserer beiden Augen, deren parallel, aber leicht versetzt erfassten Bilder im Gehirn zu einem Bild mit Raumwirkung zusammengefügt werden. Durch diese auch als Parallaxenverschiebung bezeichnete Bilderfassung wird räumliches Sehen erst möglich. Dieses einfache Prinzip lässt sich mit jeder Kamera simulieren. Dazu werden zwei leicht versetzte Aufnahmen vom Motiv erfasst, die dann in der Nachbearbeitung am PC zu einem Raumbild verschmolzen werden. Die Verschiebung der Kamera für die beiden Aufnahmen sollte ungefähr 6,5 cm betragen. Das entspricht in etwa dem durchschnittlichen Augenabstand.

Besonders präzise gelingen solche versetzten Fotos mit einem Stereo- oder Einstellschlitten, wie sie von Zubehörherstellern in unterschiedlichen Größen angeboten werden. Auch größere Schnellwechselkupplungen der Stativzubehöranbieter eignen sich dazu. Wichtig für die Aufnahmen ist es, dass die beiden Fotos keinen vertikalen Versatz enthalten. Diesen kann der Betrachter später nicht mehr ausgleichen. Längeres Betrachten solcher Fotos kann auch zu Kopfschmerzen führen.

Geeignete Motive für diese Vorgehensweise sind ruhende Objekte oder Landschaften sowie Architektur- oder Städtebilder, in denen sich nichts bewegt. Die im Augenabstand versetzt aufgenommenen Fotos werden dann am PC mit einer 3D-Software zu einem Anaglyphen-Bild zusammengesetzt, dass mit einer entsprechenden Brille betrachtet, eine Raumwirkung erzeugt. Programme zur 3D-Umwandlung stereoskopischer Aufnahmen werden auf verschiedenen Portalen auch als kostenlose Freeware angeboten. Es gibt auch Anbieter von Fotodruckern oder digitalen 3D Bilderrahmen, zu deren Lieferumfang Programme zu Erstellung und zum Druck von Anaglyphenbildern gehören. Bei manchen Anbietern können Anwender entsprechende Programme auch kostenlos von der Website der Herstellers herunterladen.

Eine andere Form für die Speicherung digitaler 3D-Bilder ist das MPO-Format. MPO steht für ‚Multi-Picture-Objekt. Mit diesem Dateiformat lassen sich alle für die Anzeige dreidimensionaler Bilder erforderlichen Parameter in einem einzigen Datensatz ablegen. Das MPO-Dateiformat wurde 2009 von der CIPA (Camera & Imaging Products Association) als Standard anerkannt. Es wird von den meisten 3D-TV-Geräten, 3D-Smartphones oder auch von digitalen 3D-Bilderrahmen erkannt. Inzwischen gibt es Bildschirme, die das 3D-Erlebnis auch ohne zusätzliche Stereobrillen ermöglichen. Die meisten sind auch in der Lage, das MPO-Format anzuzeigen. Viele Software-Anwendungen zur Erstellung von 3D-Bildern speichern ihre Ergebnisse u.a. auch als MPO-Datei.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2012

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2 Kommentare

Geil

von Anny
15. Dezember 2012, 20:26:15 Uhr

Danke für diesen Beitrag - man lernt nie aus

von Siggi
10. Mai 2012, 18:42:17 Uhr

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