Analoge Fotografie - Der besondere Reiz sorgt für einen Trend

Analoge Fotografie - Der besondere Reiz sorgt für einen Trend
Bis zur Digitalisierung der Fotografie, die einher ging mit einer technischen Revolution, war die Fotografie analog. Für alle, die nur das digitale Zeitalter kennen, sei so viel dazu gesagt, dass darunter die Bildaufzeichnung auf Film verstanden wird. Dieser, ob nun für 24 oder 36 Aufnahmen, in Schwarzweiß oder Farbe (Negativ/Dia), wurde in die Kamera eingelegt. Nun konnte man auf Motivjagd gehen und wenn der der Film „voll“ war, dann wurde er manuell oder automatisch wieder in die Filmpatrone zurückgespult. Diese wurde aus der Kamera genommen und entweder selbst entwickelt oder im Fotohandel beziehungsweise im Drogeriemarkt für das Labor abgegeben. Die Zeit des Wartens begann – wer es schnell wollte, entschied sich für eine Stundenentwicklung oder man wartete drei Tage bis eine Woche, bis man seine Bilder in den Händen halten konnte. Die Spannung war entsprechend groß, denn die Frage lautete, wie die Bilder geworden sind. Ein großes Erlebnis war natürlich, dass zeitverzögert Erinnerungen an den Urlaub beispielsweise wieder wachgerufen wurden, wenn man endlich seine Bilder in den Händen hielt. In den 90-er Jahren fotografierte in Deutschland jeder im Durchschnitt mit drei Filmen im Jahr, also etwas mehr als 100 Aufnahmen.

Mit der Digitalisierung der Fotografie hat sich nicht nur das Aufnahmemedium (Film/Chip) geändert, sondern, wie die obigen Ausführungen zeigen, auch das Bilderlebnis. Musste man in der analogen Fotografie auf seine Bilder warten, war es mit der Digitalisierung über das Kameradisplay sofort möglich, sie zu betrachten. Die Digitalisierung führte die Fotografie in eine neue Dimension – verbunden damit ist, dass die Anzahl an Aufnahmen, die jeder einzelne macht, ins Unermessliche gestiegen ist.

Entschleunigung

Trotz der Digitalisierung sind zahlreiche Verbraucher der analogen Fotografie treu geblieben. Als Trend zeichnet sich aktuell ab, dass immer mehr Verbraucher – vornehmlich jüngere Menschen – in Deutschland die analoge Fotografie für sich entdecken und ihr dementsprechend nachgehen. Unterstützt wird der Trend der fotografischen Entscheunigung durch die Tatsache, dass über 80 Prozent der Haushalte in Deutschland über eine Analogkamera verfügen. Hinzu kommt, dass kamerainterne Filter, aber auch zahlreiche Foto-Apps, die die unterschiedlichen Filmeigenschaften simulieren, für die Analogfotografie ebenso sensibilisieren wie der Blick in alte Fotoalben, aber auch in weiten Teilen der bestehende Retrotrend.

Fragt man den fotografischen Nachwuchs, was die Beweggründe dafür sind, analog zu fotografieren, so kommt die Rede immer wieder auf Entschleunigung – ausgelöst dadurch, dass Bilder nicht sofort verfügbar sind. Geliebt werden die Spannung und der Kitzel, wie die Bilder geworden sind. Motivation ist, für diejenigen, die die Möglichkeit haben, auch das Selbstentwickeln und Vergrößern. Hier spielt nicht nur, der eigenen Kreativität einen größeren Spielraum einzuräumen, eine Rolle, sondern auch das Erlebnis bis hin zum fertigen Papierbild.

Steigt man in die analoge Fotografie ein, so muss man lernen, sich zurückzunehmen, denn die Zahl der Fotos pro Film ist begrenzt. Jeder, der digital fotografiert, weiß, wie schnell 50 Bilder und mehr innerhalb von wenigen Minuten im Kasten sind. Hält man erstmalig eine analoge Kamera in den Händen, so wird man zwangsläufig auf ein Display schauen wollen, das es nicht gibt. Das ist schon eine Umstellung, gerade, wenn man mit dem Display großgeworden ist. Hinzu kommt, dass man erstaunt sein wird, wie viele Programme, die man aus dem digitalen Zeitalter kennt, fehlen. Ein paar Vorkenntnisse, wie zum Beispiel das Zusammenspiel von Zeit und Blende, helfen und erleichtern den Einstieg in die analoge Fotografie.

Ist man nicht im Besitz einer Analogkamera und möchte man eine erwerben, so muss man auf gebrauchte Kameras setzen. Nahezu kein Hersteller hat noch neue Analogkameras in seinem Portfolio. Gebrauchte Analogkameras gibt es inzwischen für wenig Geld. Wir empfehlenden Gang zum Fotohändler – auch, wenn hier möglicherweise die Kameras und Objektive etwas teurer sind. Für den Fotohändler spricht, dass die angeboten Kameras und Objektive in der Regel generalüberholt sind und man auch eine Garantie erhält.

Filme

Auch, wenn das Angebot an Filmen deutlich unter dem zur Hochzeit der Analogfotografie liegt, so ist die Auswahl dennoch beachtlich. Zunächst muss man sich zwischen Schwarzweiß oder Farbe sowie Dia oder Negativ entscheiden. Filme werden in unterschiedlichen Empfindlichkeiten angeboten. Die Rede ist von der ISO- beziehungsweiße ASA-Zahl. Je höher diese ist, desto empfindlicher ist das Filmmaterial.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2013

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7 Kommentare

Röntgenstrahlen und Film Keine Sorge. Die Röntgengeräte an (Flug)Häfen sind nicht so stark, dass sie die Filme belichten. Man sagt, dass bis zu sechsmal Durchleuchten einem analogen Film nichts anhaben kann. Ich fotografiere seit 40 Jahren auf Film, und das bevorzugt auf Flug-Urlaubs-Fernreisen. Meinen Diafilmen hat das bisher noch nicht geschadet, auch wenn sie bei Hin- und Rückflug jeweils dreimal durchleuchtet wurden.

von Asahi Pentax
21. Juni 2016, 12:00:21 Uhr

Bei der analogen Fotografie bleibt allerdings, glaube ich das Problem bei Reisen. Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen?

von Hohmann
06. März 2016, 22:05:44 Uhr

Ich habe auch schon sehr lange analog fotografiert. Jetzt vereinige ich analog und digital. Zum Beispiel fotografiere ich analog, scanne das Bild und drucke es als Negativ auf eine Folie aus. Diese Folie nehme ich als Vorlage für eine Cyanotypie. (Das Bild erscheint blau auf weiß.) Oder ich lasse gleich den Fotoapparat weg und gehe zurück zu Herschels Technologie: Ich beschichte Fotopapier für Drucker mit Fruchtsaft, lasse es trocknen, lege Blätter oder Folienbilder drauf und lasse das Ganze mehrere Stunden bzw. Tage von der Sonne bescheinen, es entsteht eine Anthotypie. Das Bild bleibt lichtempfindlich. Wenn man es im Zimmer aufhängt, verschwindet es langsam, je nach der Menge an UV-Licht, das darauf fällt. Übrigens bereitet das Kamera-Zusammenbauen viel Spaß, z.B Lomo Konstruktor, Lochkamera aus Streichholzschachtel und vieles andere. Viele Grüße von Bernd

von Bernd Hutschenreuther
30. Juli 2014, 19:13:08 Uhr

Sehr guter und vor allem sachlicher Artikel, der ohne den üblichen "Digital-Hype" auskommt. Dazu und zu meinen Vorrednern möchte ich mich äußern, auch wenn der Artikel schon einige Monate alt ist. Fotografie hat in meiner Familie eine sehr lange Tradition. Ich selbst fotografiere seit über 30 Jahren und das nach wie vor zu 80 % analog. Natürlich nutze ich auch die Digitaltechnik. Ich knipse mal schnell einen Schnappschuss oder Spass-Foto mit dem Handy. Oder ich scanne meine Negative und drucke mir eine Übersicht für den Film auf A4, was man früher als Kontaktabzug gemacht hat. Aber die für mich wichtigen Fotos mache ich analog. An meiner Kamera muss ich Belichtungszeit, Blende und Focus manuell steuern können. Bei Digitalkameras gibt es so etwas nicht, zumindest nicht in dem Preissegment, in dem ich bereit wäre, Geld dafür auszugeben. Innenlichtmessung und Blenden- oder Zeitnachführung sind sehr hilfreiche Extras, aber zur Not es geht auch ohne. Immer noch gilt, ein gutes Foto macht das Auge des Fotografen und nicht die verwendete Technik. Leider laufen heute sehr viele Leute herum, die sich auf Grund ihrer teuren Fotoausrüstung für Profis halten. Und dann dank der Möglichkeiten, die die Digitalfotografie allgemein bietet, ihre Mitmenschen mit Unmengen digitalem Müll überschwemmen. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Digitalisierung allgemein zu einer Entwertung der Dinge führt, nicht nur beim Fotografieren, beispiesweise auch bei der Musik. Ein gut gewähltes Motiv, mit Bedacht fotografiert und in der Dunkelkammer von Hand entwickelt ist ein handwerkliches Kunstwerk, was es so nur einmal auf der Welt gibt. Das gleiche Motiv 20 mal und mehr digital fotografiert, durch ein Bildbearbeitungsprogramm nachbearbeitet, durch diverse Plugins nachgebessert, geschärft, Kontrast erweitert usw. oder sogar verfremdet ist nichts als ein maschinell erstelltes, beliebig kopierbares Massenprodukt. Welches sehr oft auch schnell wieder vergessen wird. Die analoge Fotografie setzt voraus, dass man bereit ist, sich mit den Dingen zu beschäftigen. Man muss Wissen erwerben, man muss Filme und Chemie kaufen, die Filme evtl. sogar selbst entwickeln usw. Der Aufwand für ein analoges Foto ist um ein vielfaches höher als der für ein digitales, zeitlich und finanziell gesehen. Daher denkt man schon vor der Aufnahme über das Bild nach. Was man dann meißt auch am fertigen Foto sehen kann. Und letztendlich ist die Befriedigung für ein gutes, vielleicht sogar in allen Schritten selbst gemachtes analoges Foto um ein vielfaches höher. Oder bildlich gesprochen: Ich kann zu Fuss den Gipfel eines Berges besteigen. Dabei muss ich mich anstrengen, gegen das schlechte Wetter ankämpfen, mein Gepäck selbst tragen und vieles mehr. Oder aber in der gleichen Zeit mit dem Touristenbus 5 Berggipfel abfahren. Ich für mich bevorzuge die erste Variante.

von Reimar Engel
20. Februar 2014, 08:13:17 Uhr

Was waren das für gemütliche Zeiten, mit dem Einlegen des Films in eine Kamera. Und was sind das für „Probleme“ heute, wenn das sichtschwache Display jeden Apparat zur „Spiegelreflexkamera“ mutieren lässt? Das ist voll ärgerlich aber doch kein wirkliches Problem. Man sollte dann vielleicht eben mal wieder den Sucher benutzen, er ist ja kein Wunderding. Wie viele Motive oder Situationen hat man damals analog liegen lassen müssen, weil das Zählwerk (wenn der Knipser überhaupt so etwas hatte) etwa die Zahl 30 anzeigte? Man musste doch noch immer 2-3 Bilder übrig lassen für die nächste Attraktion, wenn man keinen weiteren Film zum Einlegen mehr im Ärmel hatte! Wie dumm nur, wenn dann aber gar nichts Interessantes an Motiven noch zum Vorschein kam. Wie oft hat man dann einen Unsinn fotografiert, um den Film endlich voll zubekommen! „Nun mach doch mal ein Foto vom Weihnachtsbaum, wir wollen endlich die Urlaubsbilder vom Sommerurlaub mal sehen!“ Natürlich empfinde ich ein Film- Foto von damals bzw. heute analog erstellt als „wertvoller“ und als spannender, allein wegen der im Artikel beschriebenen Wartezeiten und der Verknappung durch die Selbstdisziplin: „Oh Gott, nein – ich habe nur noch Platz für drei Bilder!“ Wenn man Schwarzweiss- Filme, so wie wir, selber entwickelte und dann auch die Abzüge in der Dunkelkammer besorgte, das war schon ein spannender Vorgang. Es ist ja eine reine Handarbeit mit den nicht ganz umweltfreundlichen Chemikalien anrühren beginnend und dem Projektionsgerät aufbauen usw. eine endlose Tortour, bis man endlich die Papierfotos aus der Endwässerung in der Badewanne fischte um sie endlich auf dem Trockner zu brutzeln, bevor sie glitschig wie ein Karpfen wurden und die Schicht sich ablöste. Auch dieses Ablösen haben wir dann noch zur Kunst erhoben und selbst noch Bildteile zusätzlich abgerubbelt … Der schönste Moment ist da ja, wenn das gerade belichtete Papier beim dämmrigen Rotlicht in die Entwicklerschale getaucht wird. Wie das Motiv so (hoffentlich) ganz langsam zum Vorschein kommt. Bloß keine Zangenstöße auf die Oberfläche machen! Und: „Ach – zulange gewartet – alles schon zu schwarz!“ Oder: „Dieser blasse Vogel von Bild wird nichts mehr!“ Viel, viel unguten Abfall gab es doch. Die individuellen Möglichkeiten in der Dunkelkammer, z.B.: mit der Hand im Lichtstrahl bei der Papierbelichtung zu arbeiten oder das Papier anschließend mit einer Andruckrolle auf einer mit Entwickler getränkten gemaserten Holzfällerscheibe zu pressen, was waren das für Effekte bei einem Aktbild etwa! Ganze Nächte brauchte man für sehr wenige Bilder als Endergebnis. Bei der Digitalfotografie brauche ich hauptsächlich Zeit und Entscheidungskraft all die selbstverschuldete Bilderflut zu sichten und endlich, ganz umweltfreundlich, den Löschknopf zu drücken, weil doch nur ein oder zwei Bilder das Optimale sein können von den letzten 36 Bildern vom gleichen Motiv. Das digitale „Labor“ ist wahrlich nicht so romantisch aber wenn man es dann gepackt hat, gibt es unendlich viele schöne Möglichkeiten, selbst mieseste Belichtungen noch zu retten oder Bilder nachträglich kunstvoll zu gestalten. Ach, noch was zum Papierabzug. Mag ja sein, bitteschön, dass dies auch ein Fetisch sein kann, doch aber nur bei den Fotoabzügen unserer Urgroßväter(-rinnen). Ganz auf den Hund gekommen waren die Bild-Abzüge meines Erachtens durch die Polaroidbildphase mit diesen Sofortschreck Ergebnis. Und mal ganz ehrlich, wir schwärmten doch alle früher nur beim Betrachten von Dias! Wo die Farben wirklich zum Leuchten kamen. Da sind wir heute doch wieder ganz dicht dran, wenn auf den immer besser werdenden TV- Laptop- oder Computer- Displays unsere Bildnisse wieder wie echt erstrahlen können – eine gemeinsame Bilderschau erleben! Persönlich komme ich deshalb sehr gut ohne jeglichen Papierabzug aus und habe noch das gute Gefühl etwas nicht ganz so schlimmes für die Umwelt getan zu haben. Den Wert von Papierabzügen sehe ich vor allem in der Schwarzweiss- Fotografie, besonders bei Ausstellungen, es wird sie sicher immer geben. Wilfried Baganz aus Mecklenburg-Strelitz

von Wilfried Baganz
14. November 2013, 17:24:55 Uhr

Hallo, Herr Hinz, Ihre Verärgerung über spiegelnde Displays kann ich nachvollziehen; eine Kamera, die ausschließlich über diese Möglichkeit der Motivanzeige verfügt, wäre auch für mich indiskutabel. Nun gibt es aber sehr viele Digitalkameras, die über den traditionellen optischen "Durchsichtssucher" verfügen, so z.B. sämtliche Spiegelreflexmodelle der verschiedenen Anbieter (Canon EOS, Nikon usw.)und seit ein paar Jahren auch die kompakteren Systemkameras von Panasonic/Lumix, Sony oder Olympus. Bei den letzteren gibt es aber vor allem elektronische Suchersysteme, die vom Sensor aus das Bildfeld mit dem Motiv sozusagen "simulieren". Wenn man dann trotzdem das Display benutzen will oder muss (sog. "Live-View"-Funktion), so ist das bei diesen Kameras ebenfalls möglich. Kurz: Die Digitalfotografie an sich sollte man nicht allein wegen des "Display-Frusts" abwerten; ich bin selbst vor einigen Jahren "Umsteiger" gewesen und mittlerweile von den Vorzügen der "neuen" Kameratechnologie absolut überzeugt - vorausgesetzt, ich kann, so wie bei meiner alten analogen Nikon FE, durch den Sucher blicken. Lassen Sie sich beim Fotohändler beraten! Mit freundlichen Grüßen Ulrich Persch

von Ulrich Persch
13. November 2013, 14:41:43 Uhr

Sehr aufschlußreicher/interessanter Artikel. Ich bin schon etwas Älter und fotografierte ab 1959. Neben Negativaufnahmen habe ich über 10.000 Dias. Die Umstellung auf digital war für mich sehr schwierig und begeistert bin ich immer noch nicht. Z.Zt. bin ich sehr verärgert über eine Panasonic Lumix TZ 36. Bei Gegenlicht aufnahmen kann man auf dem Display überhaupt nicht sehen weil dieses spiegelt und man sich nur selbst sieht in welcher Form das gewünschte Motiv dargestellt wird. Der Fachhandel sagte mir das wäre halt so und auch bei allen anderen Modellen. Zusätzlich habe ich dann einen sog. Monitor Blendschutz angebracht aber auch der hilft in dieser Jahreszeit bei niedrigstehender Sonne nicht. Dadurch sind mir jetzt gerade 2 TIERMOTIVE verloren gegangen. Ich halte es für unmöglich, daß der Handel derartige Cameras anbietet. Vielleicht kann mir ja jemand einen "heißen" Tipp geben. Danke im voraus.

von Peter Hinz
13. November 2013, 10:15:44 Uhr

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