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Beschränkte Möglichkeiten mit Potenzial

Der Postkarten Herbst und Winter sind klar definiert: verfärbte Blätter an den Bäumen, traumhafte Lichtstimmung, glitzernder Schnee, strahlend blauer Himmel, kein Wölkchen trübt den Tag. Die Realität sieht oft anders aus: Nebel, Dunst, fades Licht. Wie geschaffen für außergewöhnliche Fotos, der Fotograf muss sich nur von festgefahrenen Wegen lösen.

Dunst, Nebel, Smog oder alles andere, was so durch die Luft wabert und die Fernsicht beeinträchtigt, hat wunderbare Eigenschaften. Licht wird weicher, hartes Sonnenlicht sieht aus, wie durch eine milchige Scheibe gesehen, der Horizont verschwindet und die Welt wird plötzlich greifbar klein.

Aber wie wird das Ganze auch im Bild greifbar, ohne dass es aussieht, als ob einfach durch einen dünnen weißen Vorhang fotografiert worden sei? Wichtig ist in jedem Fall die richtige Wahl der Brennweite. Kurz sollte sie sein, weil bei Teleaufnahmen der Effekt des grauen unstrukturierten Schleiers noch verstärkt wird. Es gilt also: ran ans Motiv. Aber an welches Motiv überhaupt?

Zwei Möglichkeiten bieten sich an. Strukturen, die besonders lang sind und deren dem Betrachter doch allzu bekanntes Ende im Dunst verschwindet, sind bestens geeignet. Hochhäuser beispielsweise, eine Straße oder Brücke. Die andere Möglichkeit ist, Motive in der Tiefe zu staffeln, sind zum Beispiel die Bäume einer Allee. Oder eine Laufbahn, eine Fußgängerzone, auf der die Menschen quasi im Nichts verschwinden, je weiter weg sie sind.

Wenn das Licht so besonders gedämpft ist, lohnt es sich, gezielt nach starken Kontrasten zu suchen. Helle Lampen im Nebel, auch solche von Autos, machen sich gut. Die Sonne kann einen Kontrast zum milchigen Dunkel auf der Erde darstellen. Schattenrisse heben sich gut von Dunst und Nebel ab. Und der eine oder andere Farbtupfer tut jeder grauen „Suppe“ gut.

Zu beachten ist, dass Dunst, Smog und Nebel in jedem Fall viel Licht schlucken. Es empfiehlt sich also, lichtstarke Objektive mitzunehmen und an der Digitalkamera eine höhere Empfindlichkeit einzustellen beziehungsweise hochempfindliche Filme zu nutzen. Mitunter ist es sinnvoll, außerdem ein Stativ einzusetzen. Zum „Einfach-mal-Mitnehmen“ eignet sich beispielsweise ein Einbeinstativ, das zwar leicht ist, trotzdem deutlich längere Belichtungszeiten zulässt als Aufnahmen aus der freien Hand.

Und wenn es gar nicht neblig wird? Dann kann sich der Fotograf selbst ein wenig Nebel machen. Die Frontlinse anhauchen funktioniert im Winter bestens. Sie klart unterschiedlich schnell auf, so dass interessante Effekte entstehen können. In südlichen Ländern bei hoher Luftfeuchtigkeit reicht es, die Kamera aus dem klimatisierten Auto, Bus oder Hotelzimmer in die schwüle Luft zu tragen, um mitunter eine halbe Stunde lang beschlagene Linsen zu haben. Die Wartezeit lässt sich mit kreativer Fotografie bestens überbrücken.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2010

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Moritz Maler