Bildserien - Additives Fotografieren

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© Blende, Christian Scholz, Im Bau

Die einen lieben sie, die anderen verschmähen sie – die Rede ist von Bildserien, also Haustüren, Briefkästen, Fresken, Rosen etc., die dann bevorzugt in einer Collage zu einem Gesamtbild zusammengeführt werden. Bildserien erachten wir als ein tolles Fotoprojekt, das keineswegs in Langweile ersticken muss, wie fälschlicherweise gerne angenommen wird. Natürlich haben wir uns die Frage gestellt, warum Bildserien heutzutage oftmals kein so gutes Image genießen. Hier können wir nur spekulieren und unsere eigenen Seherlebnisse zum Besten geben. Wir gehören schon etwas zum älteren Semester und können dementsprechend Vergleiche anstellen. Aktuelle Bildserien erinnern oftmals an die Zeiten der Analogfotografie. Sie haben sich vielfach, anders als sonst die Fotografie, in ihrer Bildsprache nicht weiterentwickelt. Auf die rote Tür folgt die gelbe, dann die grüne und am Ende möglicherweise die blaue Tür – alle natürlich aus einem nahezu identischen Blickwinkel frontal oder seitlich eingefangen. Sicherlich – auch unterbewusst – wird bei Bildserien gern dem Muster der Mante-Schule gefolgt, der diese Art der Fotografie als Additives Fotografieren bezeichnet. Auch, wenn die Hilfestellungen vom Gestaltungspapst hilfreich sind, so sollten wir uns auch davon lösen, damit unsere Bildserien weder langweilig noch wie aus einer anderen Zeit anmuten.

Wahl des Motivs – Losreißen von Gewohntem

Ein Losreißen vom Hergebrachten beginnt sicherlich mit der Wahl des Motivs. Bildserie steht nicht stellvertretend für Haustüren oder Fresken in Serie fotografiert. Wie wäre es beispielsweise mit Schuhen, U-Bahnen (von innen und/oder außen), Mülleimern, Schlössern bis hin zu Küchengeräten oder dem Quietscheentchen in unterschiedlichen Umgebungen. Es kann aber auch das Stofftier, wie beispielsweise der Teddy sein, der uns auf unserem Weg begleitet. Aus wie vielen Einzelaufnahmen eine Bildserie besteht, hängt, neben dem gewählten Motiv, auch vom persönlichen Geschmack ab. Unter drei Aufnahmen kann man jedoch nicht von einer Bildserie sprechen.

So wie jedes Einzelbild eine Geschichte erzählen sollte, muss dies natürlich auch die Bildserie tun. Eine Bildserie kann ebenso einen Baum, zu unterschiedlichen Jahreszeiten fotografiert, beinhalten wie etwas Vergängliches. Nehmen wir hier beispielsweise die Blüte einer Rose oder aber eine Blechdose. Sie sehen, der inhaltlichen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und die reicht bei Bildserien bis hin zu Bildgeschichten. Diese können natürlich inszeniert sein. Ein Beispiel hierfür ist die Miniaturfotografie.

Ein Konzept muss her

Wichtig ist ein Konzept, denn nur ein roter Faden führt zum Bildserienerfolg. Hier sollte man es sich aber offen halten, ob man es im Laufe seines Fotoprojektes modifiziert. Warum eigene Grenzen errichten, die einen am Ende einengen. Wer sich dem Thema Bildserien stellt, der wird schnell feststellen, dass er seine Welt wesentlich wachsamer wahrnimmt. Es ist quasi genauso, als wenn man den Kauf einer Waschmaschine plant – ab diesem Zeitpunkt hat man das Gefühl, nur noch Werbung für dieses Produkt zu sehen.

Für Bildserien braucht man einen gewissen Fundus, aus dem ausgewählt werden kann. Über die Wirkung entscheidet natürlich auch die Zusammenstellung der Einzelaufnahmen. Hier sollte man spielen. Die Einzelaufnahmen können alle die gleiche Größe haben – das muss aber nicht zwangsläufig so sein. Für die Anordnung der Aufnahmen ist es wichtig zu wissen, dass wir ein Blatt immer von links oben nach rechts unten betrachten.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2016

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