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Bracketing und Serienbilder

Automatische Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Aufnahmeparametern haben sich bereits zu Zeiten der Fotografie auf Film als hilfreich erwiesen. Mit den wachsenden Möglichkeiten der digitalen Bildverarbeitung und der Mehrbildtechnik erfährt die Belichtungsreihenautomatik eine bedeutende Aufwertung.

Die Belichtungsreihenautomatik, zu Zeiten der analogen Fotografie vor allem dafür da, bei schwierigen Lichtverhältnissen eine Aufnahme mit optimaler Belichtung zu erhalten, gewinnt in der digitalen Welt weiter an Bedeutung. Seit sich die besten Motivpartien verschiedener Belichtungen desselben Motivs zu einem optimalen Bild kombinieren lassen, wurden die kreativen und technischen Möglichkeiten dieser Technik kontinuierlich erweitert. Gleichzeitig wurde die Geschwindigkeit der Serienbildfunktionen digitaler Kameras gesteigert, so dass sich in Einzelfällen auch 60 Bilder pro Sekunde realisieren lassen.

Zu den beliebtesten Funktionen der Mehrbildtechnik gehören heute neben automatischen Bildserien mit abweichender Belichtung inzwischen auch Fotos mit unterschiedlicher ISO-Einstellung oder abwechselndem Weißabgleich. Besonders beliebt ist die Mehrbildtechnik zur Herstellung von sogenannten „High Dynamic Range“ (HDR) Fotos, die auch bei Motiven mit extremen Kontrasten in allen Bildpartien Details zeigen und große Farbdifferenzierung in allen Bereichen aufweisen. Dazu werden in der Regel mindestens 3 unterschiedlich belichtete Fotos per Software zu einem neuen Bild mit beeindruckender Tonwertabstufung zusammengefügt. Während einige Kamerahersteller, die Kontrastanpassung inzwischen auch schon als in der Kamera integrierte Funktion anbieten, sind die automatischen Belichtungsreihen in der Regel nicht optimal für eine spätere Bearbeitung mit einer HDR-Software geeignet. Hierfür sind meist nicht nur größere Belichtungsunterschiede von 1 bis 2 Belichtungsstufen erforderlich sondern auch eine größere Anzahl von Aufnahmen. Die unterschiedliche Belichtung sollte nicht durch die Blende variiert werden sondern durch die Belichtungszeit, da sonst die unterschiedliche Schärfentief in den Aufnahmen bei der Verschmelzung der Bilder das Ergebnis negativ beeinflussen könnte.

Ein relativ neues Feld der Mehrbildtechnik ist das Fokus Bracketing. Bei diesem Verfahren werden mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Scharfstellung zu einem neuen Bild mit durchgehender Schärfe kombiniert. Noch bietet keine Kamera automatische Fokusreihen, aber mit zunehmender Beliebtheit der Mehrbildtechnik und immer einfacher zu nutzenden Werkzeugen in den Bildbearbeitungsprogrammen, werden die Kameras der Oberklasse wohl auch dies bald beherrschen.

Fast 150 Jahre nachdem Edward Muggerbridge alias Edweard Muybrigde mit seinen Serienfoto-Experimenten den Grundstein für das Kino legte, erfährt die Serienbildfunktion der heutigen Digitalkameras durch eine erweiterte Funktionalität eine Renaissance. Als einer der erfolgreichsten Fotografen des 19. Jahrhunderts, dem die berühmte Londoner Tate Gallery zurzeit eine umfassende Retrospektive fügte auch er unterschiedliche Aufnahmen zu einem neuen Foto zusammen. Doch womit der Fotograf bis heute von den meisten Fotokennern in Zusammenhang gebracht wird, sind die Serienbilder und Bewegungsstudien der Pferde seines Freundes und Gönners Leland Stanfords, dem Gründer der Stanford University und ehemaligen Gouverneur von Kalifornien. Bis zu 24 Aufnahmen in einer Sekunde realisierte er durch das geschickte Hintereinanderschalten von 24 Kameras. Dieses aus heutiger Sicht primitive Vorgehen legte den Grundstein für die Erfindung des Kinofilms durch die Gebrüder Lumiere.

Heute sind Serienbild- und Filmaufnahmen mit nahezu allen Digitalkameras möglich. Dabei wächst ihre Bedeutung mit zunehmender Perfektionierung der Mehrbildtechnik von Tag zu Tag. Durch sie wird sichtbar was dem Auge normalerweise verborgen bleibt. Beispielsweise der Augenblick, wenn ein Pferd beim Galoppieren mit beiden Hufen in der Luft schwebt, wie es ein Muybridge seinem Freund Leland Stanford mit seinen einzigartigen Fotos bewiesen hat.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2010

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Mybridge Tate

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