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Die Welt zwischen Hell und Dunkel

Kontraste bilden Gegensätze, die Welt ist voll davon. Das Wort „Kontrast“ an sich macht den Gegensatz deutlich - es setzt sich zusammen aus dem lateinischen contra (gegen) und stare (stehen). Mit Kontrast werden also Dinge bezeichnet, die sich entgegenstehen. In der Photographie spielen zwei Kontrastarten eine wichtige Rolle: der Helligkeitskontrast, auch Motivkontrast genannt, und der Farbkontrast. Beide kann der Photograph anpassen und damit die Bildwirkung entscheidend beeinflussen.

Am auffälligsten ist der Kontrast zwischen Hell und Dunkel. Der kann zum einen reizvoll sein, zum anderen aber auch erhebliche Probleme beim Photographieren verursachen. So wie das menschliche Auge auch einige Zeit benötigt, um sich von einer helleren an eine dunklere Umgebung anzupassen, so haben auch Film und Chip Probleme, wenn zu starke Kontraste aufeinander treffen.

Bekanntestes Beispiel für starken Kontrast sind Aufnahmen, auf denen nur ein Bildteil von der Sonne beschienen wird. Es reicht schon ein Blick in einen Garten. Wenn ein Haus einen Schatten wirft, erscheint der beschattete Teil oft viel zu dunkel in der Aufnahme. Ist andererseits der Schatten komplett belichtet, frisst der von der Sonne beschienene Teil aus, er wird zu hell dargestellt. Ein Belichtungsmesser, egal ob extern oder in der Kamera, wird immer einen mittleren Wert ermitteln und damit ein unbefriedigendes Bildergebnis liefern. Im genannten Beispiel ist es ratsam, auf tief stehende Sonne oder Wolken zu warten, um ein optimales Bild ohne harte Schatten, dafür mit mittlerem Kontrastumfang, zu erhalten. Bei kleineren Teilen im Schatten, beispielsweise bei einer Porträtaufnahme, kann ein Aufhellblitz oder ein Reflektor die Kontraste gezielt vermindern. Harte Kontraste bieten sich vorwiegend für technische oder Architekturaufnahmen an, denn hier werden Kanten und Linien besonders herausgestellt.

Außer der gezielten Einflussnahme durch die Beleuchtung bei der Aufnahme selbst, oder bei der Schwarzweißphotographie durch den Einsatz farbiger Filter, kann der Kontrast auch bei der anschließenden Weiterverarbeitung des Bildes bewußt verändert werden - sowohl digital als auch analog. Dabei gilt, dass die nachträgliche Erhöhung des Kontrastes recht problemlos funktioniert. Einen bei der Aufnahme zu hohen Helligkeitsunterschied kann man dagegen später nur mit viel Aufwand wieder korrigieren. In der analogen Photographie kann der Kontrast bei Schwarzweißfilmen beispielsweise durch die Wahl des Filmentwicklers gesteuert werden. Aber auch das Photopapier nimmt Einfluss auf den Kontrast.

Am Computer hat der Photograph die Option, den Kontrast über entsprechende Regler zu steuern. Je nach Software gibt es spezielle Kontrastregler, eine gezielte Beeinflussung des Hell-Dunkel-Verhältnisses ist auch über die Verschiebung der Gradationskurve oder bei der Tonwertanpassung möglich.

Bei Aufnahmen mit höherem Kontrast werden die hellen und dunklen Bildteile betont, die mittleren Bildteile dagegen abgeschwächt. Dies gilt für Farbaufnahmen genauso wie für Schwarzweißphotographien. Kontrastreichere Aufnahmen wirken immer schärfer als kontrastärmere Bilder. Allerdings sorgt zu hoher Kontrast für eine unnatürliche Verfremdung.

Etwas anders verhält es sich mit dem Farbkontrast. Dessen Fehlen führt hauptsächlich zu monochromen, also einfarbigen, Bildern. Solche Aufnahmen eignen sich gut, um melancholische oder träumerische Stimmungen wiederzugeben, aber auch, für Sonnenauf- und -untergänge, denn hier ist die Natur oft monochrom, kontrastlos. Auch der reduzierte Farbkontrast wirkt sich auf das Schärfeempfinden aus. Photographen, die vor Sonnenaufgang unterwegs sind, haben oft Probleme, durch den Sucher scharf zu stellen, da die Kontraste fehlen. Auch Nebelbilder leben oft vom fehlenden Farb- und Motivkontrast.
 

Fotografieren in der Praxis 04 / 2008

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