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Experimente mit der Kamera - Langzeitbelichtungen

Die meisten Fotografien werden mit Verschlusszeiten irgendwo zwischen 1/60 und 1/1.000 Sekunde gemacht. Schade eigentlich, denn wer die Extreme bei Blende und Belichtungszeit nutzt, erhält oft erstaunliche Ergebnisse. Langzeitbelichtungen sind kein Hexenwerk. Natürlich gibt es einiges zu beachten, damit die Aufnahmen auch überzeugen. Auch von der Annahme, dass jede Aufnahme ein Volltreffer ist, muss man sich befreien.

Mithilfe der Langzeitbelichtung ist es zum Beispiel möglich, das nächtliche Abladen einer Last von einem Schwertransport in einem einzelnen Foto festzuhalten, auch, wenn dieser Vorgang eine halbe Stunde oder länger dauert. Erste Voraussetzung ist dafür natürlich ein stabiles Stativ. Wenn die Kamera beim ersten Windhauch anfängt zu wackeln, wird das nichts mit einem Foto. Außerdem ist es eine sportliche Herausforderung sondergleichen, den Auslöser einer Kamera so lange ohne zu wackeln festzuhalten. Es wäre auch nicht praktikabel, und deshalb ist ein Draht- oder Fernauslöser, der sich entsprechend arretieren lässt, genauso wichtig wie das Stativ. Außerdem sollte der Akku frisch geladen sein, nicht dass er schlapp macht, noch bevor das erste Foto im Kasten ist.

Der Fotograf sucht sich dann einen Standort, der möglichst ganz im Dunkeln liegt. Wenn einmal ein Auto auf die Kamera zufährt, ist das Bild hinüber. Außerdem gibt es dort, wo es wirklich stockdunkel ist, weniger Probleme mit Streulicht. Um die Belichtungszeit möglichst lange wählen zu können, wird an der Kamera eine möglichst kleine Blende (große Blendenzahl) und eine geringe Sensorempfindlichkeit eingestellt. Die Belichtungsmessung liefert bei einem solchen Experiment ohnehin keine brauchbaren Ergebnisse, deshalb ist der manuelle Belichtungsmodus angebracht.

Wenn die Kamera kein ISO kleiner als 100 unterstützt und sich die Blende vielleicht nur bis 22 schließen lässt (32 ist in diesem Fall besser), kann es für eine 30-minütige Langzeitbelichtung eventuell noch zu hell sein. Ein neutrales Graufilter (ND) filtert dann zusätzliches Licht aus. Je nach Filter lassen sich so eine bis acht Belichtungsstufen dazugewinnen. Bei Nacht an einer spärlich beleuchteten Baustelle, sollte ISO 50 mit Blende 32 gerade so für 20 bis 30 Minuten Belichtungszeit reichen, der Einsatz eines 2x-Filters ist aber sinnvoll.

Und was ist dann im Bild zu sehen? Große Lasten werden nicht gleichmäßig bewegt, sondern immer stückchenweise, weil die Arbeiter kontrollieren und nachjustieren müssen. Es ist also zu sehen, wie sich die Last in vielen winzigen Schritten bewegt – alles in einem Foto. Die Menschen verwischen bis auf solche, die mal eben zehn Minuten oder länger an einer Stelle stehen bleiben. Solche extrem langen Belichtungszeiten bieten sich auch an, wenn ein Fotograf beispielsweise Menschen vor einem Motiv verschwinden lassen möchte. Tagsüber sind dann aber wesentlich stärkere Graufilter nötig.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2011

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Moritz Maler

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