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Die Erde ist eine Kugel - Fotografieren mit dem Fisheye

Die alten Griechen wussten es, in der Bibel ist vom „Rund der Erde“ die Rede, die modernen Naturwissenschaftler sind sich sicher und seit die ersten Astronauten im All waren, hat es jeder gesehen: Die Erde ist eine Kugel. Wer die Welt durch ein Superweitwinkel-Objektiv beziehungsweise Fisheye-Objektiv betrachtet, sieht diese Kugel.

Fischaugen-Objektive bringen mitunter mehr aufs Foto, als der Mensch auf einmal sieht. Der Mensch kann ein Gesichtsfeld von bis zu 170 Grad erfassen, während manche Weitwinkelobjektive auf bis zu 220 Grad kommen. Während allerdings beim Menschen das Gehirn korrigierend eingreift, stellen Fischaugenobjektive die durch die Bauart bedingten Verzerrungen des Bildes gnadenlos dar. Selbst gnomonisch, also verzeichnungsfrei, aufgebaute Objektive verzerren an den Ecken, aber darin liegt auch der Reiz. Wer bei der Gruppenaufnahme mit einem Fischaugenobjektiv am Rand steht, hat allerdings Pech - er sieht wie plattgewalzt aus. Der gleiche Effekt tritt auch bei Superweitwinkelobjektiven auf.

Ein Fischaugenobjektiv bietet ungeahnte Ansichten und viele Einsatzmöglichkeiten. Man kann damit auch Menschen fotografieren. Die sollten jedoch im Bildmittelpnkt stehen - dort ist die Verzeichnung am geringsten. Der Fotograf sollte die Abbildungseigenschaften von Fischaugenobjektiven für sich nutzen, um das Hauptmotiv in der Mitte deutlich vom Rest des Bildes abzuheben.

Übersichtsaufnahmen, wenn also möglichst viel aufs Bild soll, sind der klassische Einsatzbereich eines Fischaugen- oder Superweitwinkelobjektivs. Vor allem, wenn der Fotograf den Abstand zum Objekt nicht vergrößern kann, bleibt ihm nur die Möglichkeit, die Brennweite zu verringern.

Die extrem kurze Brennweite eines Fisheyes hat gegenüber Objektiven mit längeren Brennweiten einen enormen Vorteil: Die Verwacklungsgefahr sinkt. Zwar wackelt der Fotograf nicht weniger, bei der großen Bilddiagonale fällt das aber viel weniger auf als beispielsweise beim Fotografieren mit einer Normalbrennweite. Außerdem verringert sich der Abstand zum fotografierten Objekt meist erheblich. Viele Aufnahmen gewinnen so zusätzlich an Dynamik, der Betrachter ist der Szenerie viel näher als beispielsweise bei Fotos, die mit einem Teleobjektiv aufgenommen wurden. Der geringe Arbeitsabstand birgt allerdings auch Gefahren: Fischaugenobjektive haben meist keine schützende Gegenlichtblende, weil diese zu große Abschattungen produzieren würde. Wenn dann vorne etwas ans Objektiv stößt, trifft es meist die vordere, nach außen gewölbte Linse. Etwas Vorsicht ist also angebracht, insbesondere bei sich bewegenden Objekten. Auch Gegenlicht macht sich bei Aufnahmen, die mit Fischaugen angefertigt werden, viel stärker bemerkbar. Denn zur fehlenden Gegenlichtblende kommt noch der große Bildkreis. In jedem Fall ist es bei Gegenlichtaufnahmen und unter schwierigen Bedingungen ratsam, mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Belichtung zu machen. Auch die Belichtungsmessung einer Kamera kann sich vom großen Bildkreis täuschen lassen, der Fotograf muss die Belichtung gegebenenfalls manuell etwas anpassen.
 

Fotografieren in der Praxis 05 / 2009

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