Fotoshootings On-Locations

Vorbereitung ist die halbe Miete

© Blende, Ulrike Wiese, Ästhetik im Verfall
© Blende, Ulrike Wiese, Ästhetik im Verfall
Die Fotografie hat viele Gesichter entsprechend ihres weitreichenden Motivspektrums. Ob fotografischer Einsteiger, ambitionierter Fotograf oder Profifotograf – alle haben gemeinsam, dass sie den Menschen immer wieder in ihren Fokus rücken. Hier wird das Spiel mit den Akteuren vor der Kamera ebenso gesucht wie das mit der genutzten Kameratechnik. Wo die Rede vom Spiel ist, kommt der Spaß bekanntlich nicht zu kurz. Dieser lässt sich steigern, beispielsweise durch On-Locations-Shootings – also dem Fotografieren von Menschen außerhalb der eigenen vier Wände und/oder des heimischen Fotostudios. Ein Selbstläufer sind On-Locations-Shootings nicht. Sie bedürfen mehr Vorbereitung als man auf den ersten Blick denkt. Nachstehende Tipps sollen Ihnen dabei helfen, nichts außer Acht zu lassen.

1. Gemeinsam Bildideen entwickeln

Als Fotograf – ob Einsteiger oder ambitioniert – hat man Bildideen im Kopf. Für diese braucht man natürlich die passende Person (nachstehend als Model bezeichnet), mit der diese umgesetzt werden. Ob das Model nun aus dem Familien- beziehungsweise Freundeskreis kommt oder aber gebucht wurde – es ist wichtig, es im Vorfeld in die Kommunikation und Ideenentwicklung mit einzubeziehen. Ein Model das beispielsweise Wasserscheu ist, werden Sie nicht zu einem Shooting in einen See bewegen können. Kommunikation ist aber auch für die eigene Inspiration wichtig. Als Fotograf sollte man hier immer aufgeschlossen sein, dass schärft nicht nur den Blick, sondern macht ihn auch offener.

2. Locations auswählen

© Blende, Linda Frehmann, Death won't tear us apart
© Blende, Linda Frehmann, Death won’t tear us apart
Die Auswahl der Location hängt natürlich maßgeblich mit der entwickelten Bildidee zusammen. In Stein gemeißelt ist aber auch hier nicht unbedingt alles. Manchmal führt der Zufall auch Regie. Möchte man beispielsweise ein Märchen – was unter Fotobegeisterten gerade absolut angesagt ist – wie „Rotkäppchen und der böse Wolf“ visuell auf die heutige Zeit bezogen umsetzen, so ist der Wald ebenso eine Option wie beispielsweise eine mit Graffiti bemalte Unterführung. Wichtig ist, eine außergewöhnliche Location ins Auge zu fassen. Mit einem Plattenbau wird man wohl nicht richtig liegen. Auch, wenn das Kornfeld nach wie vor noch immer sehr beliebt ist, so ist dieses nicht zwangsläufig der Schlüssel zum Erfolg. Aus unserer Sicht ist eher das Gegenteil der Fall, weil es bereits so oft schon als Location gewählt wurde. Ein interessantes Stilmittel bei der Wahl der Location ist unserer Meinung nach übrigens der Gegensatz – damit lassen sich Bildaussagen wunderbar verstärken. Kommen wir hier noch einmal zu unserem Rotkäppchen zurück. Wie wäre es mit einem alten verlassenen Gebäude mit einem Drahtbettgestell beispielsweise.

Absolut angesagt sind aktuell auch stillgelegte Industrie-Anlagen und zwar auch dann, wenn es nicht um Aktshootings geht. Hat man solche oder beispielsweise ein Museum, eine Parkanlage oder einen Flughafen im Blick, so sollte man sich im Vorfeld informieren, ob Sondergenehmigungen eingeholt werden müssen. Dies ist auch bei Bahnanlagen und Einrichtungen der Deutschen Bahn zu beachten. Fotografiert man in Frankfurt am Main in Parkanlagen, so muss man sich mit dem Grünflächenamt in Verbindung setzen und € 50,— entrichten. Die Gebühren sind oftmals nicht einheitlich und hängen beispielsweise davon ab, ob man Amateur oder Profi ist und ob die Aufnahmen kommerziell genutzt werden.

Wichtig ist natürlich, die Location schon im Vorfeld in Augenschein zu nehmen. Nur weil man von einem Freund gehört hat, dass sich Gebäude XY perfekt für das Shooting eignet, heißt dies noch lange nicht, dass dem so ist. Gerade bei gefragten Locations sollte man im Vorfeld sicherstellen, dass man diese an dem gewünschten Tag nach seinen Vorstellungen in Beschlag nehmen kann. Wer kein Laufpublikum möchte, sollte sich bei stärker frequentierten öffentlichen Örtlichkeiten um eine Sperrung des Areals bemühen.

3. Requisiten

© Blende, Emily Gerhardt, Engel des Lichts
© Blende, Emily Gerhardt, Engel des Lichts
Stehen Bildidee und Location geht es darum, sich Gedanken über mögliche Requisiten zu machen. Diese stehen natürlich im engen Zusammenhang mit der Bildidee. Bei unserem Rotkäppchen und dem bösen Wolf darf natürlich das rote Kopftuch ebenso wenig fehlen wie der Wolf, für den stellvertretend der Schäferhund zum Einsatz kommen kann. Mit diesen zwei Zutaten stellt man sofort die gewünschte Assoziation sicher. Plant man ein Aktshooting, so muss man sich unserer Meinung nach immer vor Augen führen, dass weniger deutlich mehr ist. Wunderbare Requisiten sind einfarbige Tücher – wird in Farbe fotografiert dann bevorzugt rot weil dies für Erotik steht, in der Schwarzweißfotografie setzt man weiße Tücher ein. Macht man ein Bauarbeiter-Shooting, dann muss die Kleidung natürlich ebenso entsprechend gewählt werden wie das Werkzeug mit Hammer und Co. Ist es das eigene Kind, das man in den fotografischen Fokus rückt, dann muss beispielsweise an entsprechendes Spielzeug oder an das Kuscheltier gedacht werden. Wichtig ist, eine Auswahl an Requisiten mitzunehmen, damit man mit diesen entsprechend spielen kann.

4. Make-Up erspart auch Bildbearbeitung

Make-Up ist die Wunderwaffe des Fotografen, denn wie eine Speckschwarte glänzende Haut gehört damit ebenso der Vergangenheit an wie Hautunreinheiten. Die Strahlkraft der Augen lässt sich beispielsweise durch gekonntes Schminken wunderbar verstärken, was natürlich der Fotografie zu Gute kommt. Make-Up extrem eingesetzt kann Menschen so verändern, dass man sie nur auf den zweiten Blick wiedererkennt. Fotografiert man nur hin und wieder Menschen, dann reicht eine Grundausstattung für rund € 20,— bis € 40,— aus. Möchte man mehr, dann sollte man auf einen Make-Up-Artist zurückgreifen. Der ist nicht ganz preiswert, dafür verfügt er über ein breites Sortiment an Möglichkeiten. Zudem beherrscht er die Kunst der Verwandlung des Models mit beispielsweise Latex-Protesen.

5. Ich packe meine Fototasche

© Blende, Judith Urmes, Melancholie
© Blende, Judith Urmes, Melancholie
Wird in den eigenen vier Wänden beziehungsweise im eigenen Studio fotografiert, so befindet sich in diesem das Equipment und man kann bei Bedarf jederzeit darauf zurückgreifen. Dies ist natürlich nicht der Fall, wenn das Shooting außerhalb stattfindet. Hat man etwas vergessen, dann ist das ärgerlich und kostet Zeit. Wichtig ist, sich im Vorfeld eine Liste zu erstellen, was in jedem Fall benötigt wird. Mit der Grundausstattung ist man schon gut aufgestellt. Je nach Intention kann es natürlich auch deutlich mehr sein. Das fängt bei Reflektoren, künstlichen Lichtquellen mit Strahlern an und hört bei Windanlagen auf. Ist die Location nur zu Fuß und erst nach einem längeren Marsch zu erreichen, so muss man dies natürlich bedenken – Ein abgekämpfter Fotograf läuft selten zur Hochform auf.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2016

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