Fototipp: Der Storch im Mond - So geht's

Familie Storch im trauten Nest. Dahinter steht scheinbar überirdisch groß der Mond. Eine gigantische Kulisse. Solche Bilder, zumal wenn sie bei Wettbewerben erfolgreich sind, werfen eine Frage auf: Ist das echt?

© Blende, Norbert Vetter, Storchenmond
© Blende, Norbert Vetter, Storchenmond
Was so viel bedeutet wie: Geht das mit konventionellen Mitteln oder muss ein Bildbearbeitungsprogramm herbeitricksen, was Technik oder Physik verwehren? Doch, es geht! Solche Kombinationen aus Mond und einem Vordergrundobjekt kann man natürlich auch am Rechner zusammenfügen und das vielleicht sogar komfortabler. Aber auch ganz ohne Einsatz von Software lassen sich solche Bilder schießen.

Der Vollmond ist kein besonders schwieriges Objekt, wenn man denn ausreichend Brennweite zur Verfügung hat. Eine grobe Faustregel in der Astrofotografie besagt: 100 Millimeter Objektivbrennweite an einer DSLR-Kamera ergeben auf dem Sensor ein Mondscheibchen von knapp einem Millimeter Durchmesser. Superteles mit 500 Millimeter Brennweite kommen demnach auf nicht ganz fünf Millimeter, und wer – auch mittels Telekonvertern – irgendwie auf 800 oder gar 1.000 Millimeter Brennweite kommt, darf sich über fast 8 beziehungsweise nahezu 10 Millimeter große Mondscheibchen auf dem Sensor freuen. Das zeigt dann schon wunderbar die Kraterstruktur unseres Erdtrabanten.

Damit ein solches Bild gelingt, muss der Fotograf zur rechten Zeit am richtigen Ort sein. Bei gegebener Brennweite entscheidet der Abstand zum Horst über das Größenverhältnis aus Vorder- und Hintergrundmotiv. Das kann man zum Beispiel an den Tagen vor Vollmond schon austesten und sich einen Platz für den Moment suchen, an dem dann der Vollmond hinter den Störchen vorbeizieht (astronomisch korrekt ziehen übrigens die Störche durch die Erddrehung vor dem Mond vorbei).

Der Moment des Durchgangs mit den Störchen exakt mittig vor der Scheibe ist kürzer als man denkt und dauert bei extremen Brennweiten nur Sekunden. Daher sollten die wichtigsten Einstellungen vorher passen: Die Belichtung am besten manuell eingestellt und bereits am Vollmond getestet. Die Belichtungszeit ist so kurz wie möglich zu wählen, um kein Verwischen durch die Erdrehung zu erzeugen. Die Schärfe sollte eher auf dem Mond liegen, da die pechschwarze Storchen-Silhouette leichte Unschärfe besser verträgt. Die Kamera sollte am besten auf einem Stativ stehen und man sollte, um noch sicherer Verwacklungen auszuschließen, einen Fernauslöser verwenden. Dann heißt es, im schnellen Bildfolgemodus so oft auszulösen, wie es geht. Die Methode ist etwas Übungssache und eignet sich für viele ähnliche Anwendungen: Flugzeuge vor dem Mond sind ebenso beliebte Motive wie fliegende Vögel. Aber auch nähere Objekte lassen sich mit dem Mann im Mond kombinieren: Zweige von Bäumen, Spinnen im Netz (wenn auch durch die Nähe unscharf) oder die oft gesehene Hand, die den Himmelskörper zu tragen scheint.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2016

30 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden