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Fotowettbewerbe - Auf die Teilnahmebedingungen achten

Es wird so viel fotografiert wie noch nie. Die Anzahl der Fotowettbewerbe scheint proportional mit der Anzahl an Aufnahmen zu steigen. Das ist nicht unbedingt negativ zu bewerten, denn durch Fotowettbewerbe kann man sich mit anderen messen und seine Fotografien einer großen Öffentlichkeit präsentieren. Dank Internet und digitaler Fotografie ist die Teilnahme an Fotowettbewerben ein Leichtes und die Preise motivieren zusätzlich. Man sollte sich jedoch durch sie nicht blenden lassen und die Teilnahmebedingungen genau durchlesen.

Seriöse Anbieter von Fotowettbewerben – „Blende“, eine seit über 30 Jahren währende Gemeinschaftsaktion deutscher Tageszeitungen und der Prophoto GmbH, ist ein Musterbeispiel dafür – schreiben Fotowettbewerbe aus, um die Fotografie und die Fotografen – verbunden mit einem Imagegewinn – zu fördern.

Steht hingegen bei den Fotowettbewerbsveranstaltern die Motivation im Vordergrund, sich die Bildkosten für Fotografen zu sparen, so drückt sich dies zumeist auch in den Teilnahmebedingungen aus. Hier kann man sich des Eindrucks nur schwer erwehren, dass der Veranstalter beabsichtigt, möglichst billig an möglichst viele gute Fotos zu einem Thema zu kommen und diese dann wie auch immer einzusetzen.

Die beliebte Formulierung „Das Urheberrecht geht an den Veranstalter über.“ in den Teilnahmebedingungen zum Beispiel offenbart, dass ein Ahnungsloser die Bedingungen zusammengeschrieben haben muss. Denn das Urheberrecht hat immer der, der den Auslöser gedrückt hat, und das kann er auch nicht veräußern. Der Veranstalter scheint eher hinter dem uneingeschränkten Nutzungsrecht her zu sein und von so etwas ist nur eines zu halten: Abstand. Wer seine Fotos zu einem Wettbewerb einreicht und damit das Nutzungsrecht aus der Hand gibt, muss damit rechnen, dass mit seinen Bildern beispielsweise Plakatwände in der Stadt gepflastert oder die Aufnahmen für irgendwelche Werbekampagnen eingesetzt werden und er keinen Cent dafür bekommt. Solche Veranstalter können möglicherweise sogar durch den Bildweiterverkauf verdienen.

Das Bilder aus Fotowettbewerben veröffentlicht werden, ist selbstredend – die Welt, aber auch die Teilnehmer wollen ja erfahren, welche Bilder eingereicht wurden und welche mit Preisen bedacht wurden. Zudem garantieren Bildveröffentlichungen den Teilnehmern eine Transparenz sowie die Förderung der Fotografie und der Fotografen. An Wettbewerben, die in den Teilnahmebedingungen stehen haben, dass die Bilder honorarfrei veröffentlicht werden dürfen, wenn der Bildautor und der Wettbewerb genannt werden, kann man bedenkenlos teilnehmen. Fragwürdig ist es, wenn mit der Teilnahme die Abtretung der Nutzungsrechte verbunden ist und man seine Aufnahmen zum Beispiel nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr nutzen darf.

Im „BFF Handbuch Basiswissen“ steht zudem zu lesen: „Ist in der Wettbewerbsausschreibung eine Übertragung des Eigentums und/oder der Erwerb von Nutzungsrechten vorgesehen, so kann diese Regelung unter Umständen sittenwidrig und damit gemäß § 138 BGB unwirksam sein, wenn sie sich auf alle eingereichten und nicht nur auf die mit einem Preis ausgezeichneten und angekauften Fotos bezieht.“ (Verlag Maaßen und Bauernschmitt 2010, S. 100).

Wer Fotos zu einem Wettbewerb einsendet, sollte aber auch einiges hinsichtlich der Aufnahmen beachten. So muss der Fotograf natürlich die Rechte am Bild haben und das heißt auch, dass er die Zustimmung von allen Personen hat, die auf dem Foto abgebildet sind. Zumindest von denen, die gut zu sehen sind und nicht unter den etwas schwammigen juristischen Begriff des „schmückenden Beiwerks“ fallen. Diese Zustimmung sollte im Idealfall schriftlich vorliegen, nur für den Fall, dass sich ein Fotomodell das hinterher noch anders überlegt. Auch Aufnahmen von Produkten und Bauwerken unterliegen vielfach einem Schutz, wie beispielsweise der Eiffelturm. Wer diesen bei Nacht ablichtet und dann die Bilder über Portale verbreitet, kann möglicherweise belangt werden.

Was zwar auch schon versucht wurde, aber natürlich auch nicht funktioniert hat, ist das Abfotografieren anderer Werke. So hat eine Fotografin beispielsweise vor vielen Jahren eine italienische Plakatwand abgelichtet und damit sogar einen Preis in Deutschland gewonnen. Das hat aber nur so lange funktioniert, bis jemand die Plakatwand erkannt hat, was naturgemäß nicht lange gedauert hat.

In Teilnahmebedingungen ist vielfach auch verankert, dass sich der Einsender damit einverstanden erklärt, dass seine Wettbewerbsaufnahmen durch den Veranstalter bearbeitet werden dürfen. Mit dieser Klausel werden dem Ausrichter Tür und Tor geöffnet. Fotografien können mitunter so verändert werden, dass der Fotograf seine eigene Aufnahme nur noch bedingt wiedererkennt. Hinzu kommt, dass Intentionen des Fotografen dadurch verloren gehen können. Wesentlich fairer zu bewerten ist es, wenn mögliche Änderungen am Bild nur in Absprache mit dem Autor vorgenommen werden.

Und wer abseits der Digitalfotografie Fotos zu einem Wettbewerb einsendet, sollte einiges beachten. Auf jedes Bild gehören auf der Rückseite Titel, Name und Adresse. Natürlich nicht so geschrieben, dass es beim Zusammenlegen der Bilder verschmiert. Unbedingt beachtet werden sollte, ob Rücksendungen nur gegen Rückporto erfolgen – das man dann am besten gleich beilegt.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2011

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