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Hauptmotiv freistellen

„Da, links, die zwischen den beiden weißen Blüten!“ Das ist sie also, die fotogene rote Rose. Man könnte sie auch glatt übersehen, wenn der Fotograf nicht deutlich und energisch auf das von ihm angepeilte Ziel hinweisen würde. Alles ist durchgehend scharf und irgendwo im riesigen Bildausschnitt das Hauptmotiv versteckt. Das geht auch eleganter und dann weiß der Bildbetrachter auch gleich, worauf es dem Fotografen ankommt.

Spiegelreflex, System- und Bridgekameras bieten jede Menge Möglichkeiten, manuell in die Bildgestaltung einzugreifen. Wer sie nutzt, kann sich die späteren Erläuterungen zum Hauptmotiv meistens sparen, weil die Bildbetrachter sofort sehen, um was es geht. Der erste Schritt ist also zunächst einmal, die Vollautomatik abzuschalten und dann steht der kreativen Bildgestaltung nichts mehr im Wege.

Am einfachsten lässt sich ein Hauptmotiv gegen einen unscharfen Hintergrund freistellen. Porträtaufnahmen sind klassische Bilder, bei denen seit jeher das Gesicht vom unscharfen Hintergrund getrennt wird. Dies erreicht der Fotograf, indem er eine möglichst große Blende (kleine Blendenzahl) wählt. In Bereichen von Blende 1,8 oder 2,4 muss dann aber peinlichst genau darauf geachtet werden, dass auch wirklich die Augen scharf sind und nicht etwa die Nasenspitze oder die Ohren des Fotografierten.

Je länger die Brennweite des verwendeten Objektivs, umso kleiner ist der scharfe Bereich im Foto. Für Porträts erweist es sich deshalb als Vorteil, dass Fotografen idealerweise zu leichten Telebrennweiten greifen. Damit erscheinen die Gesichtsproportionen im Foto später angenehmer. Lässt man einen möglichen Crop-Faktor, der von kleinen Sensoren verursacht wird, außer Acht, ist eine Brennweite von 90 bis 110 mm die klassische Porträt-Brennweite. Mit einem Weitwinkelobjektiv ist es nur noch im Nahbereich möglich, eine gewisse Unschärfe im Hintergrund zu erzeugen. Gesichter wirken dann aber schon stark verzerrt, für Porträtaufnahmen ist ein Weitwinkelobjektiv die falsche Wahl.

Je näher das Motiv an der Kamera ist, umso leichter lässt es sich auch vom Hintergrund freistellen. Es ist also durchaus sinnvoll, einfach näher ranzugehen. Wer ein Makroobjektiv hat, wird dann auch nicht von der Naheinstellgrenze seines Objektivs daran gehindert, noch näher ans Hauptmotiv ranzugehen. Manche Kameras bieten eine so genannte Abblendtaste, mit der die Schärfentiefe vor der Aufnahme überprüft werden kann. Dabei wird die Blende entsprechend der gewählten Einstellung geschlossen, der Fotograf kann die Wirkung im Sucher überprüfen.

Eine andere Möglichkeit, ein Hauptmotiv im Foto hervorzuheben, ist der Einsatz von entsprechendem Licht. Und wenn Sonne und Wolken nicht gerade so wollen, wie es der Fotograf haben möchte, gibt es transportable Lösungen, mit deren Hilfe sich der Fotograf die passende Beleuchtung selbst basteln kann. Zwei Möglichkeiten stehen naturgemäß zur Auswahl: Das Hauptmotiv ist heller als die Umgebung oder es ist eben dunkler als der Hintergrund. Beides lässt sich per Hand herstellen. Einen angenehmen Schatten, der sich auch für Porträts eignet, erhält beispielsweise, wer einen Diffusor einsetzt. Der ist halbdurchlässig und wird oft als Option zu Faltreflektoren angeboten. Umgekehrt kann ein Motiv mittels Reflektor nicht nur aufgehellt werden, sondern auch mittels silberner beziehungsweise goldener Reflektorfläche die Farbtemperatur angepasst werden.

In beiden Fällen muss der Fotograf darauf achten, die richtige Belichtung zu wählen. Ist das Licht punktuell geändert, kann mittels Spotbelichtungs-Option die richtige Belichtung für diesen kleinen Bereich korrekt ermittelt werden. Auf jeden Fall sollte der Fotograf im RAW-Modus fotografieren beziehungsweise Belichtungsreihen machen. So sind entsprechende Korrekturen auch später noch möglich. Es gilt also, ausreichend Speicherkarten oder Filme mitzunehmen.

Die meisten Möglichkeiten, für zusätzliches Licht von allen nur erdenklichen Seiten zu sorgen, bietet ein Blitz, der entfesselt, also ohne direkte Verbindung zur Kamera, ausgelöst werden kann. Vor allem, wenn er seitlich zum Motiv aufgestellt wird, können damit in heller Umgebung interessante Effekte erzeugt werden. Vorteile bieten Kamerasysteme, die kurze Blitzsynchronzeiten ermöglichen.

Für bewegte Motive schließlich bietet sich noch die Möglichkeit des Mitziehens an. Zwar lässt sich ein Radfahrer mit entsprechend kurzer Verschlusszeit scharf abbilden, allerdings tritt dann wieder der Effekt zu Tage, dass er eingefroren ziemlich unspektakulär im Bild steht. Wer eine lange Verschlusszeit wählt und die Kamera mitzieht, kann den Radfahrer vorm sich bewegenden Hintergrund freistellen. Dazu ist etwas Übung nötig, ein Einbeinstativ hilft, die Kamera in der Höhe unverändert zu halten.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2011

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Günter Dudde, Listiger Fuchs

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