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Höhlenfotografie

Die ältesten erhaltenen Bilder der Menschheit sind in Höhlen entstanden. Die unterirdischen Welten boten unseren Urahnen Schutz – aber auch Inspiration. Und auch heute haben Höhlen nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Auch der „Homo photographicus“ macht wieder Bilder unter Tage. Tropfsteinhöhlen oder Bergwerke sind ein lohnendes Jagdrevier für Fotografen.

Immer mehr Höhlen oder aufgelassene Stollen werden für Besucher geöffnet. Auf geführten Touren können Wanderer teilweise stundenlang durch die Unterwelt spazieren. Die Augen gewöhnen sich rasch an die dürftige Beleuchtung, aber Kameras kommen bei diesen Lichtverhältnissen an ihre Grenzen. Mit ein paar Tricks gelingen aber Fotos, die gerade wegen des Halbdunkels jeden Betrachter begeistern werden.

Grundsätzlich eignen sich alle Kameras von Kompakten über Bridge- und Systemkameras bis zu Spiegelreflexmodellen für die Fotografie in Höhlen. Kleine, leichte Modelle können ihre Vorteile ausspielen, wenn man keine größeren Gegenstände mitnehmen kann oder darf. Ambitionierte Höhlentouren führen durch enge Spalten oder Schlupflöcher; sperrige Ausrüstung stört da. Kameras mit größeren Sensoren punkten dagegen wegen ihres Rauschverhaltens mit besserer Bildqualität bei extrem schlechten Lichtverhältnissen.

Jeder Fotoapparat – oder Camcorder – gehört auf alle Fälle in eine gute Tasche. In dunklen Stollen besteht stets die Gefahr, dass man an scharfen Felsen anschlägt, andere Tourenteilnehmer gegen die umgehängte Ausrüstung stoßen oder Wasser von der Decke tropft. Die Tasche sollte gut aufgeräumt sein, damit man sich rasch zurechtfindet, eine kleine Taschenlampe kann zudem nicht schaden. Zur Vorbereitung gehört auf alle Fälle, die Akkus für die Kamera und eventuell für ein externes Blitzgerät zu laden sowie Ersatzakkus einzupacken. Die Fotografie im Dunkeln verbraucht viel Energie: fürs Blitzen, mehrfaches Fokussieren, die Infrarot-Autofokusunterstützung und das Kontrollieren der Ergebnisse am Monitor.

Blitzgeräte – ob eingebaut oder zum Aufstecken – sind zunächst einmal die einfachste Art, Licht ins Dunkel zu bringen. Moderne Blitztechnik kann zudem die Scharfstellung unterstützen und bringt auch in absoluter Finsternis korrekt belichtete Ergebnisse – zumindest technisch gesehen. Denn das Auge des Betrachters erwartet eigentlich keine tageslichthellen Gesichter tief unter der Erde. Dazu sollte man mit der Blitzbelichtungskorrektur in der Menüführung – bei SLR-Modellen teilweise über entsprechende Tasten – eingreifen und die Leistung des Minigewitters etwas zurücknehmen.

Aufsteckblitzgeräte können zudem indirekt über die Höhlendecke oder seitlich über die Wände abgefeuert werden. Gut ausgestattete Systemblitzgeräte können zudem als sogenannte Slave-Blitze zum Einsatz kommen. Eine Technik, mit der man zum Beispiel größere Kammern ausleuchten oder Spots an besondere Stellen, wie Wasserfälle oder Tropfsteine, setzen kann. Dazu wird ein Slave-Gerät (oder mehrere) an einer entfernten Stelle aufgestellt. Es zündet automatisch durch den Masterblitz der Kamera.

Die schönsten, weil natürlichsten Aufnahmen entstehen unter Tage, aber ohne Blitzgerät. Bei der Available-Light-Fotografie muss der Sensor der Kamera so viel wie möglich vom vorhandenen Licht nutzen. Dazu ist es wichtig, die Empfindlichkeit (ISO-Einstellung) zu erhöhen. Werte von ISO 1.000 oder höher sind zumindest bei modernen SLRs- und Systemkameras kein Problem. Wo noch verhältnismäßig viel Licht vorhanden ist, also in der Nähe von Lampen oder im Schein von Stirnleuchten, kann man versuchen, Schnappschüsse aus der Hand zu machen. Das ist genau der Moment, in dem man eingebaute Bildstabilisatoren zu schätzen lernt. Sie ermöglichen noch im Schein einer Kerze verwacklungsfreie Aufnahmen.

Bei noch weniger Photonen vor der Linse kapitulieren aber auch die besten Antiwackelhilfen. Jetzt sind echte Langzeitbelichtungen im Sekundenbereich gefragt, für die die Kamera eine feste Aufstellung benötigt. Stabile Stative sind erste Wahl. Für Höhlentouren sollten es leichte Geräte, etwa aus Carbonmaterial, sein, die sich zudem auf geringe Transportmaße zusammenschieben lassen. Für leichtere Kameras eignen sich auch Ministative. Manche besitzen Beine, die sich in alle Richtungen flexibel verbiegen lassen. Das kann auf den oft unebenen Untergründen von Vorteil sein. Eine Alternative ist ein Bohnensack, der sich dem Untergrund perfekt anpasst, aber nur bodennahe Aufnahmen ermöglicht – falls sich nicht gerade ein Felsvorsprung findet.

In der Enge der Höhle bieten sich zunächst kürzere Brennweiten an. In die Fototasche gehören also vor allem Weitwinkelobjektive oder Zooms, die diesen Bereich mit abdecken. Doch auch Telebrennweiten haben unter Tage ihre Berechtigung, dann nämlich, wenn Details herausgearbeitet werden sollen. Das kann die Grubenlampe im Bergwerk sein, der glitzernde Edelstein, der an der Decke einer Untertagemine hängt, oder einer der tierischen Bewohner der Unterwelt. Naturfreunde werden nirgendwo sonst die Gelegenheit haben, eine Höhlengrille oder einen Höhlenkrebs zu fotografieren.

Späteren Präsentationen geben solche Detailaufnahmen das gewisse Etwas. Sonst wird die Bilderschau schnell zum öden Marsch durch die Steinwüste. Motive für mehr Abwechslung können als Details herausgearbeitete Tropfsteine, technische Ausrüstung wie Loren, Stützen oder Grubenlampen, und natürlich Menschen sein. Der Mensch als Maß aller Dinge hilft später auch, die Dimensionen der Höhlen auf Bilder darzustellen. Auf Langzeitbelichtungen wirken sich bewegende Menschen wie Schatten, die durchs Bild huschen. Das Tüpfelchen auf dem „i“ ist dann eine Langzeitbelichtung in Verbindung mit einem Blitz auf den zweiten Verschlussvorhang. Klingt kompliziert, macht aber jede bessere Kamera automatisch, wenn man den entsprechenden Menüpunkt gefunden hat. Im Ergebnis friert der Blitz die sich bewegende Person am Ende ihres „Schattens“ ein.

Für solche Experimente ist eine gute Vorbereitung das A und O. Die beginnt damit, dass man sich mit den Möglichkeiten seiner Ausrüstung vertraut macht. Viele denkbare Situationen kann man in einem abgedunkelten Raum vorher austesten. Während der Höhlentour im Halbdunkel kann es später stressig werden, die richtigen Tasten-Einstellrad-Kombinationen herauszufinden. Das wäre schade, denn die Wanderung selbst soll ja auch noch Spaß machen. In diesem Sinne: Gut Licht und Glück auf!

Fotografieren in der Praxis 08 / 2011

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