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Kameramenüs - Geheimnisse in der zweiten Ebene

“Meine Kamera hat viele Knöpfe. Bisher habe ich aber nur den Auslöser gebraucht, den Rest macht sie von alleine.” Macht sie in der Tat. Aktuelle Kameras haben aber sehr viel mehr zu bieten – der Schatz liegt oftmals im Verborgenen. Die Automatik ist ein nützlicher Helfer und erkennt vieles, kann oft Landschaften von Gesichtern unterscheiden. Aber was wirklich auf dem Bild sein soll, das weiß der Fotograf natürlich besser.

Die Automatiken aktueller Kameras nehmen vor allem dem Gelegenheitsfotografen viel Arbeit ab oder ermöglichen schnelle Schnappschüsse, ohne dass vorher lange die Einstellungen angepasst werden müssen. Je nach Brennweite wird die passende Zeit/Blende-Kombination gewählt, wenn nötig, auch noch die ISO-Zahl erhöht, damit das Bild nicht verwackelt. Wird das entsprechende Motivprogramm gewählt, entscheidet die Kamera folgerichtig, ob sie Wert auf eine möglichst kurze Verschlusszeit (Sport- oder Actionmodus) oder aber auf größtmögliche Schärfentiefe legt, wie es für Landschaftsaufnahmen sinnvoll ist.

Der Sportmodus mit weit geöffneter Blende friert dabei zwar die Bewegungen ein, gleichzeitig nimmt aber der Schärfebereich ab, vor allem in Verbindung mit einem Teleobjektiv. Genaues Zielen mit dem Autofokus ist also angesagt. Aber – da war doch auch noch was. Die meisten Spiegelreflex-, System- und Bridgekameras haben eine Vielzahl von Autofokus-Feldern über den gesamten Bildbereich verteilt. Nirgends steht geschrieben, dass nur das zentrale oder das von einer Automatik bestimmte Feld benutzt werden darf. Wer sich das passende Feld aussucht, hat es beim Zielen viel leichter, vor allem muss dann nicht immer der Bildausschnitt verändert werden, nachdem die Schärfe ermittelt und gespeichert wurde. Ideal beispielsweise, wenn bei Porträtaufnahmen, die sich vom unscharfen Hintergrund abheben sollen, auch wirklich die Augen scharf sein sollen und nicht etwa die Nasenspitze in der Mitte des Gesichts.

Auch die Wahl des Modus für Landschaftsaufnahmen bei Nacht mit einem durch Blitzlicht aufgehelltem Hauptmotiv hat schon so manchem Fotografen die Augen geöffnet. Denn dann wird die Belichtungszeit so verlängert, dass die Lichter der Umgebung mit aufs Bild kommen und die fotografierte Person nicht vor einer dunklen Wand steht. Unverwackelt wird der Hintergrund bei solch langen Belichtungszeiten allerdings nur mit Stativ, während die Person im Vordergrund, dank Blitzlicht, auch bei Freihandaufnahmen scharf abgebildet wird. Die Programmautomatik wählt ansonsten meist die Blitzbelichtung so, dass das Motiv im Vordergrund richtig belichtet wird, die Lichter der Stadt im Hintergrund werden aber konsequent ignoriert und sind folglich im fertigen Bild kaum zu sehen.

Individueller wird es, wenn der Fotograf festlegt, welcher Teil des Bildes denn zum Ermitteln der korrekten Belichtung herangezogen werden soll. In der Regel wird die Helligkeit über die gesamte Bildfläche ermittelt und dann zur Mitte hin stärker gewichtet, um so Blende und Zeit zu bestimmen. Motiven mit viel Kontrast können dabei aber zu unerwünschten Ergebnissen führen. Bei einem Sonnenuntergang ist es wichtig, die gesamte Bildfläche in die Betrachtung mit einzubeziehen. Wer hingegen den Mond fotografiert, will aber diesen richtig belichtet und nicht auch noch den Himmel drumherum in grau sehen. Der Fotograf muss also mittels Spotmessung die richtige Belichtung für den Teil des Bildes ermitteln, den der Mond einnimmt. Bei Spiegelreflexkameras ist dieser Kreis oft auf der Mattscheibe markiert und im Sucher entsprechend zu sehen. Manche Kameras bieten auch noch eine Zwischenstufe zwischen normaler und Spotmessung.

Bei kontrastreichen Motiven ist es manchmal auch sinnvoll, eine entsprechende Belichtungskorrektur vorzunehmen. So können äußere Einflüsse wie besonders heller oder dunkler Hintergrund einfach kompensiert werden. Spielende Kinder im Sand können zu dunkel werden, wenn der Sand die gleißende Sonne reflektiert. Eine Korrektur hin zu mehr Belichtung kann dann zwar den Sand zu hell werden lassen, das Hauptmotiv aber, die spielenden Kinder, ist korrekt belichtet.

Wirklich hilfreich sind so genannte Halbautomatiken, bei denen der Fotograf entweder Zeit oder Blende festlegt und das passende Gegenstück von der Automatik mittels gemessener Belichtung bestimmt wird. So wird ein Fotograf in dunkler Umgebung mittels Zeitautomatik eine möglichst große Blende (kleine Blendenzahl) wählen, um eine möglichst kurze Verschlusszeit zu erhalten. Ob die nun 1/60 Sekunde oder 1/125 Sekunde ist, kann er dann der Kamera überlassen. Gleiches gilt für die Blendenautomatik, bei der die Zeit vorgewählt wird. Will der Fotograf beispielsweise einen Wischeffekt erzielen, wählt er eine entsprechend lange Belichtungszeit vor, die Wahl der Blende überlässt er der Kamera.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2011

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Ahornblatt auf grünem Pflaster, Christa Schweins

“Ahornblatt auf grünem Pflaster”,
Christa Schweins
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