Landschaftsfotografie im 21. Jahrhundert – Was zeichnet sie aus?

© Blende, Heiko Eschrich,  Sonnenaufgang - Blick vom Lilienstein  Bildgalerie betrachten

© Blende, Heiko Eschrich, Sonnenaufgang – Blick vom Lilienstein

Fotografen sind wahre Maler mit Licht und am offenkundigsten wird dies, wenn sie der Landschaftsfotografie nachgehen. Ein Vorbild für viele Landschaftsfotografen ist Ansel Adems. Er hat die Landschaftsfotografie mit seinen Werken wie kein anderer geprägt. Ohne jetzt genauer darauf einzugehen, hat Ansel Adams die Zonenmesstechnik erfunden. Die Außenwelt hat er dabei in zehn verschiedene Schwarz-, Weiß- und Grauwertzonen eingeteilt, die je einen Blendenwert Unterschied aufweisen. Viele Landschaftsfotografen leben noch immer die Zonenmesstechnik, weil sie sich durch eine präzise Umsetzung der Tonwerte auszeichnet. Betrachtet man die aktuellen Kameraneuerscheinungen, so sind sie Garant für die von Ansel Adams vorgelebte Brillanz. In welche Dimensionen die aktuellen Innovationen führen offenbaren dabei großformatige Ausdrucke. Zu verdanken haben wir diese Qualitäten unter anderem den höheren Auflösungen – Unverständlich deshalb, warum einige sich kritisch darüber äußern.

Aber zurück zur Landschaftsfotografie. Was hat diese heute neues oder anderes zu bieten. Eine ganze Menge, auch wenn es mit der Idylle, wie sie Ansel Adams noch vorfanden, vielfach so eine Sache ist. Fotografien sind es, die uns Landschaften auch aus der Ferne ganz nah heranholen. Fotografien sind es, die aufzeigen, wie schützenswert, wandelbar aber auch verletzbar und faszinierend der Planet Erde – und nicht nur dieser – ist. Landschaftsfotografen, auch wenn es Ihnen mitunter nicht immer bewusst ist, übernehmen mit ihren visuellen Impressionen Verantwortung. Verbunden damit ist instinktiv auch die Wandlung des Aufgenommenen. Idylle steht heute nicht mehr ausschließlich im Mittelpunkt der Landschaftsfotografie – damit geben sich weder Amateur- noch Profifotografen noch zufrieden.

Die Landschaftsfotografie hat so unendlich viele Gesichter. Abstrakte und ästhetisch hochgradig ansprechende Aufnahmen zeichnet sie ebenso aus, wie stark reduzierte Fotografien auf nur zwei, drei Flächen oder gar nur mit einem Element als Blickpunkt. Die Monotonie hat in der Landschaftsfotografie ebenso ihren Platz mit endlosen Weiten wie das gelebte Chaos in all seinen Facetten. Seit der Industrialisierung kommt es verstärkt zur Darstellung von Brüchen, denn wo findet man noch „heile“ Landschaften vor? Dabei geht es den Landschaftsfotografen nicht nur um das Abbild, sondern um die Visualisierung der gesellschaftlichen Widersprüche. Wesenhafte Charakterisierungen stehen im Fokus mit unbarmherzigen menschlichen Eingriffen auf der einen Seite und der Zartheit und Harmonie der übriggebliebenen Natur auf der anderen Seite. Kamerafeatures, wie beispielsweise HDR, machen selbstredend auch vor der Landschaftsfotografie nicht halt. Jenseits der Klischeebilder des Idylls wird abstrahiert. Eine weitere Tendenz ist das Ausreizen des möglichen in Form von Langzeitbelichtungen deren Ergebnis oftmals sehr mystisch gehaltene Impressionen sind. Mit Panoramen die jetzt eine neue Dimension mit 360 Grad Rundumimpressionen erfahren, wird sich die Landschaftsfotografie wieder ein Stück ändern. VR-/AR-Brillen lassen Betrachter künftig Teil der Landschaftsimpressionen werden. Das wird die Art und Weise, wie Landschaften in Zukunft festgehalten werden, noch einmal verändern.

Landschaftsaufnahmen, die fesseln leben von ihrem Motiv und der in ihnen wohnenden Emotionalität. Stimmungsvolle Aufnahmen setzen voraus, sich mit dem Landschaftsmotiv auseinanderzusetzen. Dazu sollte man sich Zeit nehmen und sich immer wieder auf Entdeckungsreise begeben. Die eingesetzte Technik ist Mittel zum Zweck – sie steht aber auch für die Qualität der Aufnahmen. Neueste technische Innovationen bedeuten Mehrwert für den Fotografen auf ganzer Linie.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2016

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