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Lange Zeiten bringen mehr Atmosphäre

Moderne Blitzgeräte arbeiten meist mit Gasentladungslampen, die mit dem Edelgas Xenon gefüllt sind. Damit geben die Blitzlampen das Licht innerhalb kürzester Zeit ab - etwa in einer Tausendstel bis einer Vierzigtausendstel Sekunde. Rein theoretisch würde es also reichen, den Verschluss der Kamera nur ganz kurz zu öffnen. Dem steht aber ein technisches Problem entgegen. Zudem sind Blitzaufnahmen mit langer Belichtungszeit oft besser, weil sie mehr Stimmung transportieren.

Wie lange der Verschluss der Kamera geöffnet sein muss, gibt die Blitzsynchronzeit vor. Das ist die kürzeste Zeit, in der die Kamera die gesamte Film- oder Sensorfläche auf einmal freigibt. Bei kürzeren Zeiten wird bei Kameras mit Schlitzverschluss, den fast alle modernen Geräte haben, ein zweiter Vorhang ausgelöst, bevor der erste Vorhang das Bild vollständig freigegeben hat. Es entsteht ein Schlitz zwischen den beiden Vorhängen. Nur damit sind extrem kurze Verschlusszeiten aktueller Spiegelreflexkameras (manchmal bis 1/8000 Sekunde) überhaupt möglich. Die Blitzsychronisationszeit liegt oft bei 1/60 bis 1/250 Sekunde. Mit speziellen Techniken wie der Hochgeschwindigkeitssynchronisation (HSS – High Speed Synchronisation) sind noch kürzere Zeiten möglich. Gleiches gilt für die Verwendung von Objektiven mit Zentralverschluss, wie sie oft für Mittelformatkameras angeboten werden.

Es gibt Anwendungen, bei denen eine möglichst kurze Verschlusszeit in Verbindung mit einem Blitzlicht sinnvoll und gewünscht ist - bei schnellen, bewegten Motiven beispielsweise. Oft bringt aber eine längere Verschlusszeit schönere, stimmungsvollere Bilder. Bei der Verwendung der kürzest möglichen Zeit wird der Teil, der vom Blitz ausgeleuchtet wird, auf dem Photo optimal belichtet dargestellt. Alles, was seitlich davon oder hinter der Blitzreichweite liegt, verschwindet dagegen im Dunkel. In großen Innenräumen, Kirchen beispielsweise, Weinkellern oder Grotten kann die Umgebung ins Bild eingebunden werden, wenn der Photograph wesentlich länger belichtet und so das Umgebungslicht mit nutzt. Dadurch bleibt im Photo die Tiefe des Raumes erhalten. In einer relativ dunklen Umgebung kann eine Belichtungszeit von bis zu einer halben Sekunde sinnvoll sein. Menschen, die im Bild sind, können durchaus so lange still halten, wenn sie vorgewarnt werden. Die Kamera muss hingegen auf einem Stativ fixiert werden, um Verwacklungen zu vermeiden.

Heimelige Atmosphäre im Kerzenschein lässt sich genauso im Bild schaffen. In kleinerer Umgebung, an einem Tisch beispielsweise, kann eine Verschlusszeit von 1/10 Sekunde oder 1/8 Sekunde bereits ausreichend sein - dies kann durchaus noch aus der Hand photographiert werden. Zwar werden Personen möglicherweise leicht verwischt abgebildet, dies äußert sich durch den Einsatz des Blitzlichts aber nicht dramatisch, da zunächst ja ein scharfes, geblitztes Hauptbild entsteht, um das sich möglicherweise ein leichter Saum legt. Wenn die Szenerie mit Kerzen oder anderem weichen Licht beleuchtet ist, erscheint der Unschärfe-Saum rötlich und verleiht dem Photo zusätzliche Wärme.
 

Fotografieren in der Praxis 02 / 2008

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Lange Zeiten bringen mehr Atmosphäre

Jens Look