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Kinder bei Martinsumzügen stimmungsvoll fotografieren

Kein Bammel vor Labimmel

„Mein Licht ist aus, wir gehen nach Haus ...“ - das ist der Zeitpunkt, zu dem man schönsten Aufnahmen seiner Kinder oder Enkelkinder vom Martinsumzug auf der Speicherkarte wissen möchte. Schade nur, wenn beim gespannten Blick auf das Kameradisplay wenig von der Labimmel-labammel-Atmosphäre übrig ist. Laternenumzüge sind - wie auch Fackelzüge - eine Herausforderung für Fotografen. Mit ein paar Tipps und Tricks gelingen aber Bilder, die sich Groß und Klein noch lange gerne ansehen werden.

Das Knifflige an Martinsumzügen ist, dass die natürliche Stimmung von sehr schwachen Kerzen - neuerdings auch batteriebetriebenen Glühbirnen - stammt. Eigentlich zu wenig, um nur damit zu fotografieren. Erste Wahl scheint daher ein Blitzgerät zu sein, entweder ein eingebautes oder ein Aufsteckblitzgerät. Damit erhält man dann zwar scharfe Aufnahmen ohne Verwacklungen, aber der Frontalblitz bei Nacht führt dazu, dass die Kinder in der ersten Reihe stark angestrahlt wirken, und alle dahinter in der Finsternis untergehen. Zudem wird gerade das Kerzenlicht der Laternen, das man einfangen möchte, leicht weggeblitzt.

Falls es sich nicht vermeiden lässt, mit einem Blitzgerät zu fotografieren, sollte man so nahe wie möglich an die Motive herangehen. Dann versucht die Kameraautomatik nicht, die gesamte Straße mit Licht zu fluten, sondern stimmt die Lichtmenge auf die Kinder ab, die das Bildformat möglichst ausfüllen sollten. Eine hohe Empfindlichkeitseinstellung („ISO“) sorgt dafür, dass viel vorhandenes Licht genutzt werden kann. Sofern es die Kamera zulässt, lohnt es sich auch, die Blitzleistung beziehungsweise die gesamte Belichtung etwas zu drosseln. Leichte Unterbelichtungen können bei Nachtaufnahmen natürlicher erscheinen. Direktes Blitzlicht wirkt oft kalt und hart. Für externe Blitzgeräte gibt es Aufsätze („Weichmacher“), die das Licht streuen („soften“) und sogar die Farbgebung zu wärmeren Gelbtönen verändern können.

Gift für alle Blitzaufnahmen bei Nacht sind Reflektoren an der Kleidung von Kindern. Diese werfen so viel Licht zurück ins Objektiv, dass grellweiße Flecken auf den Aufnahmen entstehen. Die meisten Umzüge werden von Kindergartenpersonal oder sogar der Polizei begleitet. Wenn es die Verkehrssicherheit erlaubt, sollte man seinem Kind während des Umzugs eine Oberbekleidung ohne Reflektoren anziehen oder die Leuchtstreifen notfalls vorübergehend mit schwarzem Klebeband überkleben.

Martinszüge sind ein guter Anlass, sich einmal mit der Available-Light-Fotografie zu befassen, also mit der Kunst, aus dem vorhandenen Licht das Beste zu machen. Die Technik ist Fotografen inzwischen weit entgegengekommen. Die hohen Empfindlichkeiten moderner Sensoren in Verbindung mit den weit verbreiteten Bildstabilisatoren in Kameras erlauben durchaus ein paar Versuche, den Martinszug aus der Hand zu fotografieren. Wichtig auch hier: ISO-Einstellung hochsetzen und „ran ans Motiv“. Wenn zum Schein der Laterne ein wenig zusätzliches Licht, etwa von einer Straßenlampe oder aus einem Schaufenster, kommt, könnte es für ein gelungenes Bild ausreichen. Es ist dabei gar nicht schlimm, wenn sich ein Teil des Zuges bewegt. Die Wischeffekte bringen Dynamik ins Bild. Hauptsache, das zentrale Motiv - das eigene Kind - hält einen Moment still. Gar nicht aus der Mode sind für solche Einsätze Stative. Gerade zu Beginn und am Ende eines Martinsumzugs, wenn die Kleinen noch stillstehen, können Aufnahmen vom Stativ die besten Ergebnisse bringen. Da die Kamera ruht, spielt Verwacklung keine Rolle, die Belichtungszeiten können so lange wie nötig sein und sorgen garantiert für eine tolle Nachtstimmung. Lediglich die Eigenbewegung der Kinder kann noch zu Unschärfen im Bild führen. Wie immer beim Fotografieren gilt hier: Viele Bilder machen und später die besten raussuchen.

Apropos Nacharbeit. Das Erlebnis, mit seinen singenden Kindern durch die Straßen zu ziehen, soll auch nicht im Fotostress untergehen. Tolle Fotos mit der Laterne lassen sich auch nach dem offiziellen Umzug machen. In entspannter Atmosphäre zu Hause halten Kinder gerne stolz ihre selbst gebastelten Leuchten in die Kamera. Im abgedunkelten - und nicht zuletzt auch beheizten - Zimmer lässt sich so bequem an den besten Bildern feilen. Mit etwas Bastelgeschick ersetzt man dazu die Kerze in der Laterne durch eine kräftige Lichtquelle, die sich nicht oder nur wenig erhitzt (LED). Dann kann auch nichts Feuer fangen, frei nach dem Motto: „Brenne auf mein Licht, aber nur meine liebe Laterne nicht.“
 

Fotografieren in der Praxis 11 / 2009

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Franz Cavallo, Martinsumzüge stimmungsvoll fotografieren

Franz Cavallo